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Jenson Button

"Ich bin der Weltmeister"

Jenson Button Foto: dpa 68 Bilder

Jenson Button freute sich nach seinem Titelgewinn wie ein kleines Kind. Der Engländer strahlte über das ganze Gesicht. Sein Standardsatz wurde zum Running gag: "Ich bin Weltmeister", schrie es Button heraus, "und ich werde diesen Satz heute alle fünf Minuten wiederholen."

18.10.2009 Tobias Grüner

Die Box von Brawn GP glich einem Ameisenhaufen. Für den fünften Platz von Jenson Button und den achten Rang von Rubens Barrichello gab es zwar keine Pokale, aber dafür zwei Weltmeistertitel. Brawn GP gewann den Konstrukteurspokal und Jenson Button die Fahrerkrone. Die Garage platzte nach dem Ansturm der Journalisten und Fotografen aus allen Nähten.

Button konnte es nicht fassen, dass er nach zehn Jahren Formel 1 endlich an seinem großen Ziel angekommen ist. "Ich bin der Weltmeister", strahlte der Sonnyboy der Formel 1 über das ganze Gesicht, "und ich werde es heute immer wieder sagen, damit es auch alle wissen." Man sah dem Mann, der vom ersten bis zum 16. Rennen dieser Saison die WM anführte an, welche Last da von seinen Schultern gefallen war.

Gedanken an die Tiefpunkte

"Es ist eine Riesenerleichterung. In so einem Moment zieht deine ganze Karriere an dir vorbei. So viel Arbeit, und endlich am Ziel." Auch die schwierigen Passagen der letzten Jahre sind plötzlich wieder präsent: "In meinem ersten Jahr habe ich nicht hart genug gearbeitet. Ich war noch zu jung für die Formel 1. Mein zweites und drittes Jahr bei Renault waren hart. Es dauert, bis man begreift, dass Schnellsein nicht alles ist. Es gehört noch so viel mehr dazu."

Auch der Schock im Winter, als Honda den Rücktritt erklärte, war so ein Moment, der im Gedächtnis haften bleibt. "Ich hätte schlimmstenfalls ein Jahr zugeschaut. Doch bei dem Gedanken war mir nicht wohl. Jeder weiß, wie schnell man in dem Geschäft vergessen ist."

Kritik ging an die Nieren

Die mühsame Verteidigungsschlacht in der zweiten Saisonhälfte war auch nicht spurlos an dem neuen Weltmeister vorbeigegangen. In den letzten neun Rennen hatte Button 28 Punkte gesammelt. In den ersten sieben Grand Prix waren es 61. Das ging an die Nieren, wie der Brawn GP-Pilot heute zugibt. "Die Kritik, dass ich mich nur noch von Punkt zu Punkt zittere, dass ich zu zögerlich fahre, hat mir weh getan. Vielleicht lese ich zuviel Zeitung. Aber es stärkt nicht deine Psyche, wenn du selbst das Gefühl hast, nicht genug aus dem Auto rauszuholen."

Button bestreitet, er sei nur auf Abwarten gefahren. "In den Rennen war ich so aggressiv, wie ich sein musste. Nur im Training hat es nicht geklappt. Wir müssen herausfinden, was da los ist. Es gab ein paar falsche Entscheidungen mit den Reifen." Auch das Abschlusstraining in Brasilien war keine Ausnahme. "Nach dem 14. Platz in der Qualifikation war ich am Boden. Ich saß da in meinem kleinen Raum und konnte es nicht fassen. Normalerweise bin ich gut im Regen, und dann fliege ich schon nach der zweiten Runde raus. Ich brauchte ein paar Stunden, um aus diesem Tief wieder rauszukommen. Das Team hat mir unheimlich geholfen. Sie haben gesagt, Kopf hoch Jenson, das klappt schon. Ich bin zurück ins Hotel, habe mir ein paar Drinks genehmigt. Am Abend bin ich mit einem guten Gefühl eingeschlafen."

Button zieht sich selbst aus dem Loch

Als Button am Sonntag an die Strecke kam, war er wild entschlossen, diese Weltmeisterschaft schon hier in Interlagos zu entscheiden. "Er war ein anderer Mensch als am Tag zuvor", fiel auch Teamchef Ross Brawn auf. "Jenson hat sich selbst aus dem Sumpf gezogen. Wir konnten ihm da nicht viel helfen, außer ihm das Gefühl zu geben, dass wir an ihn glauben."

Dass Button dann im Rennen so aufdrehte, war für alle eine Überraschung, nur für seine eigene Truppe nicht. "Jenson war immer ein guter Überholer, und wir haben ihm ein Auto gegeben, mit dem er sich sicher fühlte", erklärte Renningenieur Andrew Shovlin. Button schränkte ein: "Ich wusste, dass ich einen guten Top-Speed haben würde, aber das ging nicht ohne Kosten für den Abtrieb. Ich musste in den letzten drei Kurven kämpfen, um an den anderen dranzubleiben. Bei Kobayashi habe ich unheimlich viel Zeit verloren. Ich musste an ihm vorbei, das war der Schlüssel. So wie der gefahren ist, ging es nicht ohne Risiko ab."

Das beste Rennen in Buttons Karriere

Als er dann als Fünfter von Felipe Massa abgewinkt wurde, da applaudierte sich der Nachfolger von Lewis Hamilton selbst: "Es war das beste Rennen meiner Karriere, so gut wie ein Sieg. Ich wusste, dass ich es hier tun musste, und trotz aller Emotionen habe ich es geschafft. Ich habe dem Druck standgehalten und kann jetzt wieder ein entspanntes Rennen in Abu Dhabi fahren."

Diese Woche stehen aber erst einmal Vertragsverhandlungen an. Der 31. Weltmeister der Geschichte hat bei Brawn GP noch keinen Vertrag. Er will angeblich acht Millionen Pfund (neun Millionen Euro), doch Brawn GP bietet nur vier. Mit dem WM-Bonus vielleicht ein bisschen mehr. "Ich will auch im nächsten Jahr Formel 1 fahren, und am liebsten bei einem Team, mit dem ich die Weltmeisterschaft verteidigen kann", schickte Button eine versteckte Drohung an seinen Arbeitgeber. Um dann gleich wieder zu relativieren: "Dieses Team ist unglaublich. Es ist meine Heimat. Wir haben zusammen verloren und zusammen gewonnen. Brawn GP wird in Zukunft noch stärker sein, denn das Team hat schon die Größe, auf die die anderen erst kommen müssen."

"Ich bin der Weltmeister"

An das Saisonfinale in Abu Dhabi will der sechsfache Saisonsieger noch nicht denken. "Lasst mich jetzt erst einmal feiern. Ich habe meinen Rückflug abgesagt. Das wird eine lange Nacht in Sao Paulo, und erst wenn ich meinen Rausch ausgeschlafen habe, will ich an die Zukunft denken." Button verabschiedete sich mit dem Zitat des Tages von der Rennstrecke: "Leute, ich muss es euch einfach immer wieder sagen: Ich bin der Weltmeister."

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