Jenson Button GP Kanada 2013 54 Bilder Zoom

Jenson Button im Interview: "Lewis wird alle schockieren"

Jenson Button spricht im Interview ausführlich über die aktuellen Probleme bei McLaren, er analysiert die Entwicklung der Formel 1 in den vergangenen 13 Jahren und wagt einen interessanten Ausblick auf 2014. Und er warnt davor, seinen Ex-Teamkollegen Lewis Hamilton vorzeitig abzuschreiben.

Wie fällt das Fazit nach dem schwierigen Saisonstart aus?

Button: Es sieht von außen vielleicht nicht so aus, aber wir verbessern uns. In den ersten Rennen war es wirklich schwer zu verstehen, warum wir nicht konkurrenzfähig waren. Wir haben eine ganze Weile gebraucht, um ein paar Schritte nach vorne zu machen. Begonnen hat es schon in Barcelona und dann in Monaco. Wir konnten in Monaco wegen des Benzinpumpen-Problems im Qualifying leider nicht unser ganzes Potenzial zeigen. Wir hätten unter die Top fünf kommen können. In Montreal hatten wir einige Updates. Ein paar funktionierten. Andere waren nicht so gut, wie wir uns das erhofft hatten. Aber es sieht so aus, als machen wir Fortschritte. Nicht so schnell, wie wir gerne würden, aber das ist auch sehr schwierig in der heutigen Formel 1. Es ist nicht leicht auf Ferrari und Red Bull aufzuholen. Die hängen ja auch nicht bloß herum, sondern leisten gute Arbeit.

In welchem Bereich muss sich McLaren besonders verbessern?

Button: Da gibt es einige. Die Traktion in langsamen Kurven ist ein Bereich ist bei uns nicht gut genug. Ich hoffe, hier können wir uns bald verbessern. Aber auch das Problem mit der Bodenfreiheit kostet uns in Rundenzeit. Wir müssen verhindern, dass das Auto aufsetzt. Und dadurch verlieren wir in anderen Bereichen. Diese Probleme haben wir bisher noch nicht lösen können.

Ist es das überhaupt wert, noch so viel Mühe in das alte Auto zu stecken und sich nicht lieber auf 2014 zu konzentrieren?

Button: Die Autos sehen zwar 2014 etwas anders aus, aber wir müssen erst einmal das aktuelle Auto verstehen lernen, um mit dem Auto für nächstes Jahr einen Schritt nach vorne zu machen. Und außerdem wollten wir auch in diesem Jahr noch Rennen gewinnen. Das gilt für das ganze Team und jeden der mit McLaren arbeitet.

Warum hat McLaren das Auto im Winter so radikal geändert, obwohl man die letzten zwei Rennen 2012 gewonnen hat?

Button: Es ist jetzt sehr einfach zu sagen, dass wir das letztjährige Auto einfach hätten weiterfahren sollen. Für uns hat es aber so ausgesehen, dass wir mit der Entwicklung am Ende waren. Wir konnten in der Winterpause keine fünf oder sechs Zehntel mehr auf eine Runde rausholen, die wir als notwendige Verbesserung berechnet hatten. Außerdem dachten wir, dass viele Teams den gleichen Schritt machen würden wie wir - also ein komplett neues Auto zu entwickeln. Höchstens dass vielleicht ein paar Mittelfeld-Teams das alte Auto behalten würden. Aber es hat sich herausgestellt, dass wir das einzige Team waren, das diesen Weg gegangen ist. Das hat uns ein wenig geschadet. Aber um ehrlich zu sein, sind wir auch nicht im Entferntesten so konkurrenzfähig mit diesem Auto, wie wir es uns ausgemalt haben. Die Daten aus dem Windkanal waren nicht so schlecht. Aber die Leistung stimmte nicht mit dem Windkanal überein. Ich denke trotzdem, es war die richtige Entscheidung: Wir wollten in diesem Jahr Rennen gewinnen. Und wir hatten das Gefühl, dass wir etwas ändern mussten. Wir haben gedacht, das Auto sei effizienter mit der neuen Vorder- und Hinterradaufhängung. Das sollte eigentlich der Aerodynamik im Heck helfen. Aber es hat uns woanders geschadet, was wir so nicht erwartet hatten.

2011 steckten Sie schon einmal in einer schwierigen Situation. Gibt es da Parallelen?

Button: 2011 bin ich immerhin noch Zweiter geworden in der Gesamtwertung. Es war also kein so schlechtes Jahr. Es ist deutlich schwieriger diese Saison. Wir fahren ein gutes Stück hinterher. Wir haben noch ein paar Entwicklungen in der Pipeline. Aber es wird noch etwas dauern. Ich könnte jetzt einfach ein Datum nennen, an dem wir gerne wieder gewinnen würden. Aber wir haben einfach keine Ahnung, wann es soweit ist und was die anderen machen. Aber wir werden hart weiterarbeiten und hoffentlich wird es noch mit dem Sieg klappen. Das bleibt unser Ziel.

Wie schwer ist es für Sie, mit gedämpften Erwartungen zu einem Grand Prix zu kommen?

Button: Wenn ich als Fünfter ins Ziel komme und das Maximum herausgeholt habe, bin ich schon sehr glücklich. Aber ich würde natürlich lieber auf dem Podium stehen, meine Nationalhymne hören und die Emotionen mit meiner Familie, meinen Freunden und dem Team teilen. Aber wir sind realistisch. Wenn wir mit dem Auto gute Arbeit abliefern, dann sind wir zufrieden. Eine Menge Teams können gerade Rennen gewinnen. Aber wir gehören definitiv nicht dazu. Ich fahre jetzt seit 13 Jahren in der Formel 1 und bin schon 234 Rennen gefahren. Ich sehe mich immer noch als einen der glücklichsten Menschen der Welt. Ich verdiene mit etwas Geld, das ich liebe. Deshalb bin ich nicht unglücklich in der aktuellen Situation. Man geht im Leben und im Job immer mal wieder durch schwerere Zeiten. Da muss man durch.

Die Autos für 2014 werden deutlich komplizierter. Mögen Sie eine Formel 1, in der ein Fahrer mehr benötigt als einfach nur Speed.

Button: Ich denke, so sollte es sein. Ich bin lieber ein intelligenter Fahrer, der durch cleveres Fahren Rennen gewinnen kann und nicht nur durch Speed. 2014 wird es für uns alle komplett anders. Schon in diesem Jahr muss jeder Fahrer eine ganze Menge darüber lernen, wie ein Formel 1-Auto funktioniert und wie man auf die Reifen aufpasst. Das ist schlecht für mich, weil ich an solchen Dingen schon immer gearbeitet habe. Nächstes Jahr kommt noch viel Neues dazu: Der neue Antriebsstrang, die neue Aerodynamik, wie das KERS und der Turbo funktioniert. Wir bekommen Leistung aus drei unterschiedlichen Quellen. Die Drehzahlen werden ungewohnt sein. Man muss an Stellen schalten, an denen man es nicht erwartet. Da kommt es auf die Erfahrung an. Die Autos haben mehr Leistung, was immer gut ist. Hoffentlich mehr als 800 PS. Dieser Sport braucht mehr Power und weniger Abtrieb. Ich war damals etwas traurig, als wir die V10 Motoren verloren hatten. Der Sound war toll. Den werden wir leider nicht zurückbekommen. Das wird aber eine aufregende Herausforderung. Es ist wohl die größte Veränderung, die wir in der Formel 1 je hatten. Damit müssen wir zurechtkommen.

Sie sind schon seit 2000 in der Formel 1 dabei. Was ist für den Fahrer die größte Änderung im Vergleich zu heute?

Button: Man muss mehr nachdenken. Es geht nicht einfach mehr nur darum, schnell zu fahren. Das finde ich gut. Als ich eingestiegen bin, dachte ich noch: Talent reicht. Fahre einfach so schnell wie es geht. Aber das genügt heute nicht mehr.

Sie waren früher ein Spezialist in Sachen Reifenschonen. Glauben Sie, dass der Vorteil mit den Pirelli-Reifen etwas geschmolzen ist?

Button: Im Trockenen vielleicht etwas. Aber im Nassen und bei Mischbedingungen nicht. Ich mag es, wenn man nicht weiß, was einen in der nächsten Kurve erwartet.

Dann sollten Ihnen die Pirelli-Reifen doch eigentlich passen. Da weiß man doch auch nie, was kommt?

Button: Das Problem damit ist, dass sie nicht konstant sind. Man fühlt zwar den Asphalt unter sich und den Grip, den die Reifen aufbauen. Aber dann gehen die Temperaturen plötzlich entweder nach oben durch die Decke oder fallen tief in den Keller. Und dann ist der Grip von einer auf die nächste Sekunde weg. Die Temperatur im Reifen fühlt man im Gegensatz zu wechselnden Streckenbedingungen leider nicht.

Was denken Sie darüber, dass ein anderes Team einen 1.000 Kilometer-Test gefahren ist? Hat das geholfen?

Button: Beide Fahrer sagen nein. Da muss man ihnen glauben. Sonst müsste man sie ja als Lügner bezeichnen. Also glaube ich ihnen.

Was denken Sie über die Streitigkeiten ihres Teamkollegen Sergio Perez mit anderen Fahrern in Monaco?

Button: Da habe ich keine Meinung dazu. Er muss diese Probleme selbst mit denjenigen Regeln, die meinen, ein Problem mit ihm zu haben. Wenn Kimi ein Problem mit ihm hat, sollte er mit ihm sprechen.

Sie hatten ja auch schon kleinere Auseinandersetzungen.

Button: Wir sind Teamkollegen und arbeiten zusammen. Wenn wir etwas haben, sprechen wir direkt darüber. Jeder versucht individuell sein Auto so schnell wie möglich zu machen. Und danach spricht man sich ab und vergleicht die Daten. Wenn man nicht zusammenarbeitet, kommt man nie nach vorne. Unserer Beziehung ist noch genau wie vor der Saison. Ich verbringe generell nicht viel Zeit mit meinen Teamkollegen. Das habe ich meiner Karriere noch nie gemacht. In der heutigen Formel 1 ist es normal, dass man in den Top-Teams zwei gute Fahrer hat. Da ist man nie eng befreundet. Auch mit Lewis habe ich außerhalb der Strecke nicht viel Zeit verbracht. Ich denke über ihn, dass er ein guter Fahrer ist. Aber das heißt nicht, dass ich meine Freizeit mit ihm teilen will. Wir sind unterschiedliche Typen, mit unterschiedlicher Herkunft, mit unterschiedlichen Freunden und mögen verschiedene Dinge.

Bleiben wir bei Lewis Hamilton. Haben Sie erwartet, dass er sich so schwer tut gegen Nico Rosberg? Speziell im Qualifying?

Button: Man muss fair bleiben. Er hat immerhin deutlich mehr Punkte gesammelt als Nico. Lewis ist unglaublich schnell. Aber für ihn gilt das gleiche wie für uns alle: Wenn er nicht die richtige Balance im Auto hat, die zu ihm passt und die er für viele Jahre gewohnt war, dann ist es nicht leicht. Und natürlich ist Nico auch schnell. Aber Lewis hat seinen Speed nicht verloren. Der ist immer noch da. Er wird zurückkommen. Und dann wird er alle schockieren.

In unserer Bildergalerie blicken wir noch einmal auf die Highlights in der langen Karriere von Jenson Button.

Tobias Grüner
Von am 15. Juni 2013
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Videos
Felgen suchen
Felgensuche

AEZ-Räder
Finden Sie die passende Felge für Ihr Auto

Forum: Heiß diskutiert
Formel 1 Alle F1 - Rennen von Michael Schumacher ("Schumi") Ärger mit dem Auto Auto stottert (2) Weitere Marken PORSCHE, oder nun doch ein umgelabelter Volkswagen? (11) Neuwagen- und Gebrauchtwagen-Kauf Wie und wo verkauft ihr euren Gebrauchten (2) Neuwagen- und Gebrauchtwagen-Kauf Kfz-Finanzierung vom Händler oder über das Internet? (6)
WGV Versicherungen
Beitragsrechner

Wertvolles günstig versichert!
Jetzt versichern und bares Geld sparen!

Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Alle Tests +++
+++ Alle Erlkönige +++
+++ Alle News +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.

  • Alle Bereiche
  • News
  • Tests
  • Motorsport
  • Videos
  • Markt
  • Fahrzeuge
  • Ratgeber
AUTO MOTOR UND SPORT für:
iPad iPhone Android Windows 8