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Jenson Button im Interview

Button glaubt noch an Titel

Formel 1 GP Korea 2010 Button Foto: xpb 68 Bilder

Jenson Button hat 42 Punkte Rückstand auf WM-Spitzenreiter Fernando Alonso. auto-motor-und-sport.de sprach mit dem Mann, der immer noch Weltmeister ist, am kommenden Wochenende aber in Brasilien seinen Titel schon verlieren könnte.

03.11.2010 Michael Schmidt

Haben Sie die Titelverteidigung schon aufgegeben?
Jenson Button: Überhaupt nicht. Der Punktestand spricht zwar gegen mich, aber ich erinnere nur an das Beispiel Räikkönen vor drei Jahren. Der hatte 17 Punkte Rückstand zwei Rennen vor Schluss. Hätte er nicht an seine Chance geglaubt, wäre er nicht Weltmeister geworden. In meinem Fall müssen mir jetzt die anderen helfen. Sie müssen ausfallen, wenn ich noch Weltmeister werden will.

Sie waren im Vorjahr der Gejagte, wissen wie sich der Spitzenreiter in der WM fühlt. Was würden Sie ihm raten?
Button (lacht): Ich will ihm gar keinen Rat geben. Fahre so schnell wie möglich und crashe in so viele Autos wie möglich.

Ist es einfacher aufzuholen als einen Vorsprung zu verteidigen?
Button: Der Führende hat als einziger etwas zu verlieren. Seinen Punktevorteil. 15 Punkte für einen dritten Platz sind heute mehr wert als vorher sechs, weil es soviele Fahrer gibt, die vorne reinfahren und den anderen Punkte wegnehmen können. Meine Situation 2009 war anders. Ich hatte zum Schluß kein Siegerauto mehr. Zum Glück haben die anderen genug Fehler gemacht.
 
Sind Sie mit Ihrer Saison zufrieden?
Button: Im Prinzip ja. Das wichtigste war nach sieben Jahren bei einem Team mich bei einem anderen auf Anhieb zu integrieren. Ich habe das Auto in eine Richtung entwickelt, die schon ganz gut, aber noch nicht perfekt für mich ist. Abstriche muss ich bei der Qualifikation machen. Da habe ich nur selten eine gute Balance mit meinem Auto gefunden. Da fehlt mir die Konstanz. Mein Fazit? Zwei Rennen vor Schluss habe ich immer noch theoretische Chancen auf den Titel. Nicht schlecht für mein erstes Jahr in meinem Team. Ich kann einigermaßen happy sein.
 
Wie wichtig waren die zwei Siege zu Saisonbeginn?
Button: Sehr wichtig, weil sie meine Position im Team gestärkt haben. Ich spürte sofort, wie ich vom Team Unterstützung zurückbekam. Das habe ich nicht so schnell erwartet.
 
Hat der WM-Titel irgendetwas an Ihrem Leben geändert?
Button: Ich bin selbstbewusster geworden, glaube mehr an meine Fähigkeiten, an meine Urteilskraft. Das haben meine beiden Siege zu Saisonbeginn unter schwierigen Bedingungen gezeigt. Ich habe zur richtigen Zeit die richtigen Entscheidungen getroffen. Das hatte nichts mit Glück zu tun. Mit dem WM-Titel hatte ich das erreicht, wovon ich seit meinem achten Lebensjahr geträumt hatte. Den meisten ist das nie vergönnt. Die Leute hören mir heute besser zu.
 
War es schwierig, sich in ein neues Team zu integrieren?
Button: Für mich war es einfach. Es gab keine Vorurteile. McLaren hat von mir nur Resultate erwartet. Obwohl das Auto bereits fertig entwickelt war, konnte ich noch meinen Input geben und das Auto in eine Richtung bringen, die mir besser passt. Das Team hat schnell realisiert, dass ich nicht nur zum Fahren gekommen bin, dass ich mich in das Team einbringen will. Und auch Lewis hat verstanden, dass zwei Fahrer mehr sehen als einer. Insbesondere weil er und ich eine so unterschiedliche Fahrweise haben. Der Nutzen daraus wird im kommenden Winter noch größer sein, weil ich dann von Anfang an dabei bin.

Wie Sie bereits sagten, ist Ihr Fahrstil komplett anders als der von Lewis Hamilton. Können Sie von ihm überhaupt etwas lernen?
Button: Wir fahren sehr ähnliche Setups, aber unser Fahrstil ist praktisch konträr. Ich beziehe das nicht auf den generellen Fahrstil, also eher aggressiv oder rund. Wenn Sie auf dem Datenblatt seine und meine Kurven übereinanderlegen, sehen Sie, dass wir in den Details praktisch das Gegenteil voneinander sind. Der Unterschied ist viel größer als bei meinen Teamkollegen davor. Trotzdem lernen wir voneinander. Lewis ist sehr schwer zu schlagen, weil er immer superschnell ist, vor allem in einem Auto, das ihm passt. Das ist meine Herausforderung.
 
Entgegen aller Voraussagen kommen Sie gut mit Hamilton zurecht. Warum?
Button: Wir arbeiten gut zusammen. Außerhalb der Rennstrecke verbringen wir kaum Zeit miteinander. Es ist ein Arbeitsverhältnis, mehr nicht. Wir sind beide Weltmeister, haben unterschiedliche Erfahrungen in unseren Karrieren gemacht und haben deshalb einen großen Erfahrungsschatz und guten Informationsaustausch.
 
Was waren Ihre Highlights und Enttäuschungen 2010?

Button: Mal abgesehen von den beiden Siegen habe ich Silverstone genossen. Von Startplatz 14 vor meinem Heimpublikum noch auf Platz vier zu fahren, das war ein Saisonhöhepunkt. Es hat als Zugabe obendrauf eigentlich nur das Podium gefehlt. Barcelona war vielleicht das enttäuschendste Rennen. Ich war Fünfter und hing hinter Schumacher fest. Mein Speed wäre gut genug gewesen, viel weiter vorne zu landen. Der Ausfall in Monaco nach einer Runde gehört zu den Dingen, die passieren können. Spa war auch schlimm. Ich wurde von Vettel von der Bahn geräumt. Das war ja nicht mal ein Überholversuch. Ich war draußen, und er konnte noch weiterfahren.
 
Haben Sie Fehler gemacht?
Button: Im Rennen nicht. In der Qualifikation ja. Manchmal mit dem Setup, manchmal auch in der entscheidenden Runde.

Ist es nicht frustrierend, ohne Fehler nur Fünfter in der WM zu sein?
Button: Viele Dinge liegen nicht in deiner Hand. Wenn ich in Spa Zweiter geblieben wäre, hätte ich da die WM angeführt. Ich habe letztes Jahr durch Konstanz die WM gewonnen. Alonso hat seine beiden Titel ebenfalls mit dieser Qualität gewonnen. Wenn die Red Bull ihre Trainingsleistung im Rennen immer umgesetzt hätten, würden sie jetzt mit 150 Punkten führen. Du gewinnst auch mit dem schnellsten Auto nicht automatisch die Meisterschaft.
 
Sie kämpfen gegen vier Gegner. Ist es schwierig, alle im Auge zu halten?
Button: Es ist unmöglich. Deshalb musst du dich nur auf dich konzentrieren und versuchen das bestmögliche Resultat herauszufahren. Der Fahrer, der in der WM vorne liegt, hat es am schwersten. Er wird zwar sagen, dass die Rennen zum Schluss Rennen wie jede andere sind, aber das stimmt nicht. Der Führende muss immer rechnen, muss schauen was die anderen machen. Doch da beginnt das Problem. Alle hast du nie im Auge. Und in diesem Jahr ist es besonders verzwickt. Wenn du in einmal ein schlechtes Rennen ablieferst, hast du nicht einen vor dir, sondern gleich vier.
 
Sie Sie im WM-Finale eher relaxt oder hungrig?
Button: Beides. Ich bin relaxt, weil ich mein Ziel bereits erreicht habe. Ich bin hungrig, weil ich es ein zweites Mal schaffen will. Ich wäre dann der einzige Engländer, dem das zwei Mal hintereinander gelungen ist. Und der erste seit Fangio, der es hintereinander in zwei verschiedenen Teams geschafft hat.
 
Sie wurden letztes Jahr in Interlagos Weltmeister. An was erinnern Sie sich?
Button: Es hat mir den Titel gebracht, und es war eines meiner härtesten Rennen überhaupt. In Brasilien einen Brasilianer als einen deiner Gegner zu haben ist hart. Die Brasilianer haben es mich nach meinem schlechten Training und nach der Trainingsbestzeit von Rubens spüren lassen. Ich bin am Abend mit mir ins Gebet gegangen, und am Sonntag kam ich an die Rennstrecke und sagte mir: Du musst heute die Weltmeisterschaft gewinnen. Danach waren soviele Emotionen, dass ich sie schwer beschreiben kann. Erst habe ich an der Strecke gefeiert, dann am Abend mit dem Team. Ich bin aber nach fünf Minuten gegangen, zurück ins Hotel gefahren und habe mich in meinem Zimmer eingeschlossen. Ich war so müde, so ausgebrannt und doch so happy zugleich. Ich wollte einfach nur allein sein.
 
Fahren Sie die letzten beiden Rennen nach dem Motto: Alles oder nichts?
Button: Ich werde sicher keine verrückten Aktionen starten. Wenn ich das Gefühl habe, dass meine Vorderräder am Kurveneingang vor denen des anderen Autos liegen könnten, dann greife ich an. Wenn es nur bis zum Seitenkasten reicht, lasse ich es bleiben. Ich kenne meine Grenzen.

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