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Jenson Button im Interview

"Zu viel Nachdenken verwirrt nur"

Jenson Button GP England 2012 Foto: McLaren 68 Bilder

Jenson Button gilt in der Formel 1 als der Reifenflüsterer. Doch in diesem Jahr hat ausgerechnet der routinierte McLaren-Pilot mehr Probleme mit den Gummis als andere. Im Interview mit auto motor und sport erklärt der Brite, woran es liegt und wie er wieder zurück in die Erfolgsspur kommen will.

07.07.2012 Tobias Grüner
Die Saison hat gut für Sie begonnen. Dann wurde es aber Schritt für Schritt immer schlechter. Haben Sie schon eine Erklärung dafür gefunden? Und wann geht es wieder aufwärts?

Button: Das weiß niemand. Nach China lag ich noch einen Punkt hinter Lewis (Hamilton). Danach in Bahrain hatten wir Probleme mit der Zuverlässigkeit. Sonst wäre ich Fünfter geworden. Barcelona war nicht so gut. Da war ich einfach nicht schnell genug. In Monaco hatte ich einen Unfall. In Kanada haben wir eine neue Aufhängung ausprobiert und konnten die wegen Technik-Problemen vor dem Rennen nicht testen. Da habe ich mir die Reifen zu schnell zerstört. Es war also immer etwas anderes, das schief ging. Valencia war es vom Gefühl im Auto schon wieder sehr gut, auch wenn das Ergebnis am Ende nicht ganz gepasst hat. Ich hatte ein Kupplungsproblem am Start und Pech mit dem Safety-Car und habe dadurch einige Plätze verloren. Es scheint, als ginge alles schief, was schief gehen kann. Ich hoffe, dass sich dieser Trend nun bald ändert.

Es fällt auf, dass sie vor allem im Qualifying etwas hinter Lewis Hamilton hinterherhinken.

Button: Es ärgert mich natürlich, dass es im Qualifying nicht so klappt. Aber normalerweise läuft es im Rennen für mich umso besser. Und das war zuletzt leider nicht der Fall. Das ist richtig frustrierend für mich. Besonders in Sachen Reifenverschleiß hatte ich immer eine Stärke. Und in den letzten Rennen war ich in diesem Punkt schlechter als die meisten anderen. Und ich weiß nicht, woran das liegt. Ich habe meinen Fahrstil nicht geändert. Vielleicht muss ich das jetzt mal in Betracht ziehen. Aber es hat zwölf Jahre gut funktioniert. In den meisten meiner Formel 1-Rennen war ich im Vergleich zu meinem Teamkollegen gleich schnell oder schneller. Ich weiß einfach nicht, was gerade los ist.

Haben Sie keine Anhaltspunkte?

Button: Wir sind mit dem Auto in eine Richtung gegangen, die für mich einfach nicht funktioniert hat. Ich bin deshalb wieder Schritt für Schritt zurückgegangen.

Ist es nur eine Sache des Setups oder brauchen Sie spezielle Updates, um das Problem anzugehen?

Button: Ich denke, es ist vor allem ein Balance-Problem, dem ich erst auf den Grund gehen musste. Ich hatte Probleme, Temperatur in die Reifen zu bekommen. Aber das war es nicht alleine.

Ist es schwierig mit einem Teamkollegen wie Lewis Hamilton, der einen komplett anderen Fahrstil hat?

Button: Nein, letztes Jahr hat es ja auch sehr gut funktioniert. Das war eigentlich kein Problem. Wir sind beim Setup normalerweise auch nicht so verschieden. Das ist das Seltsame: Dieses Jahr ist das anders und wir wissen nicht warum. Wir haben aber, glaube ich, nun etwas besser verstanden, was wir tun müssen.

Können Sie das etwas genauer erklären?

Button: Nein. Aber es hat mit vielen Faktoren zu tun. Mit aerodynamischem und mechanischem Grip. Aber auch mit der Elektronik, mit KERS und der Motorbremse, dem Differential, der Gasannahme, den Motoreinstellungen - es gibt einfach so viele Dinge, mit denen wir herumspielen, um uns zu verbessern.

Sie hatten auch schon früher schwere Zeiten. Zum Beispiel, als sie mit Honda im Hinterfeld rumgefahren sind. Ist diese Situation noch frustrierender, nicht genau zu wissen, warum Sie so langsam sind?

Button: Für ein paar Stunden am Samstag und Sonntag ist es schon frustrierend. Aber davon abgesehen ist mein Leben ziemlich gut. Es ist schon hart und macht einen zwischenzeitlich unglücklich. Aber dann muss man sich einfach klarmachen, dass es dafür Gründe gibt. Ich habe ja nicht einfach verlernt, wie man ein Auto abstimmt. Wir werden das hinbekommen. In einer Saison hat man immer zwei, drei schlechte Rennen. Meine kamen jetzt direkt auf einen Schlag und ich hoffe, dass es jetzt vorbei ist.

Sind die Reifen der wichtigste Faktor, um schnell zu sein?

Button: Das ist so seltsam in diesem Jahr. In manchen Rennen muss man besonders auf die Reifen aufpassen und weniger Boxenstopps machen. In anderen Rennen ist es besser, einfach Vollgas zu fahren, die Reifen zu zerstören und sich immer wieder neue zu holen. Man denkt einfach zu viel darüber nach. Das habe ich schon immer so gemacht. Bisher hat mir das geholfen, aber in diesem Jahr schadet es mir mehr. Manchmal macht es keinen Unterschied, ob man auf die Reifen aufpasst oder nicht. Das ist frustrierend, weil ich die Formel 1 liebe, so wie sie ist und in der Vergangenheit war - so wie ein kleines Strategie-Spiel. Dieses Jahr verwirrt man sich selbst einfach zu stark, wenn man zu viel nachdenkt. Es ist besser einfach zu fahren.

Ist diese Unsicherheit nicht auch interessant?

Button: Für die Fans ist das sicher aufregend. Aber ich mag es persönlich nicht. Vielleicht kapieren andere, was während eines Rennens abgeht, aber ich leider nicht. Und das ist das erste Mal so in meiner Karriere.

Sie gelten ja als Reifenflüsterer. Hat man Sie mit der neuen Pirelli-Generation einer Stärke beraubt?

Button: Ja, weil ich die Reifen noch weniger verstehe als andere. Manchmal versucht man sie zu schonen, und dabei verschleißt man sie sogar noch mehr. Das ist einfach nicht logisch.

McLaren hat nach einigen Fehlern in dieser Saison an den Boxenstopps gearbeitet. Sind sie zuversichtlich, dass es in Zukunft besser klappt?

Button: Auf jeden Fall. Wir sind eines der Spitzenteams und da fallen solche Fehler bei den Boxenstopps natürlich mehr auf. Es stimmt, dass wir da ein paar Probleme hatten, aber wir hatten auch Boxenstopps, die sehr schnell waren. Natürlich verliert man mehr Zeit, wenn man einen Fehler macht, als man gewinnt, wenn man besonders schnell ist. Ich gehe fest davon aus, dass wir konstanter werden. Besonders hier in Silverstone kann man dadurch viel Zeit gewinnen, weil wir wohl oft zum Reifenwechsel kommen müssen.

Was macht Sie so sicher?

Button: Wir haben viel geändert. Die Positionen sind nun anders besetzt. Wir haben einen neuen Wagenheber vorne. Die Radmuttern sind jetzt schon fest an den Rädern dran. Die ganzen Veränderungen wurden sehr schnell eingeführt. Das führt am Anfang automatisch zu Problemen. Bei den anderen gab es auch Fehler, als sie diese Neuerungen eingeführt haben. Aber bei denen war es über eine längere Zeit verteilt. Bei uns kam alles in vier, fünf Rennen. Jetzt haben wir aber genug Fehler gemacht. Es reicht.

Es hat sich in dieser Saison noch kein klarer WM-Favorit herauskristallisiert. Viele Teams können Rennen gewinnen. Was halten Sie als Pilot in einem Spitzenteam davon?

Button: Es gibt einfach keine Spitzenteams mehr. Das ist toll für den Sport, wenn alles so eng zusammenliegt. Es wäre aber noch besser, wenn die Teams verstehen würden, warum sie schnell sind und warum nicht.

Ihr Tipp für Silverstone? Wer ist Ihr Favorit?

Button: Ich selbst! (grinst) Außer mir? Ich habe so ein Gefühl, dass die Sauber hier gut sein könnten.

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