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Jenson Button exklusiv

"Wir haben mehr Erfahrung als Red Bull"

Jenson Button Foto: xpb 68 Bilder

Jenson Button steht knapp hinter Lewis Hamilton auf Rang zwei im WM-Klassement. Im Interview mit auto motor und sport spricht der Weltmeister über seinen Einstieg bei McLaren, sein Verhältnis zum Teamkollegen und die Vorteile gegenüber Red Bull.

23.07.2010 Michael Schmidt

Wie sieht Ihre Saisonbilanz aus?
Button: Ich bin einigermaßen happy. Auf der Habenseite stehen meine zwei Siege und die fünf Podestplätze, und dass ich nur zwölf Punkte hinter dem WM-Spitzenreiter liege. Das zählt umso mehr, weil Red Bull das schnellere Auto hat, und weil ich neu in meinem Team bin. Enttäuschend waren die Startplätze in den letzten beiden Rennen.

Gibt es einen Grund dafür?
Button: In Valencia habe ich einen Fehler gemacht, und in Silverstone habe ich es nicht geschafft, mehr Speed aus meinem Auto rauszuholen. Die Balance mit wenig Benzin im Tank stimmte nicht. Was ich auch versucht habe, das Auto wollte einfach nicht schneller werden. Das Heck fühlte sich instabil an, und das mag ich nicht. Unter den Bedingungen bin ich nicht in der Lage, das Auto am Limit zu bewegen. Da hat es sich gerächt, dass wir den Freitag wegen dem Experiment mit dem neuen Aerodynamikpaket verloren haben. Ich muss hier in Hockenheim weiter nach vorne in die Startaufstellung fahren. Du wirst nicht immer Vierter, wenn du von Platz 14 startest, so wie mir das in Silverstone passiert ist.
 
Warum nutzt McLaren seine Chancen besser als Red Bull?
Button: Wir haben mehr Erfahrung, und wahrscheinlich ist auch das Klima im Team besser. Wir hatten auch schon schwierige Zeiten, denken Sie an das Training in Malaysia, als Lewis und ich von hinten gestartet sind. Aber wir machen immer noch das Beste daraus. Wir nutzen das Paket, das wir haben, perfekt aus. Die Rennstrategien sind gut, nicht zu riskant, aber auch nicht zu konservativ. Es ist die perfekte Mischung.
 
Reicht das auch, um am Ende der Saison vor Red Bull zu stehen?
Button: Darauf können wir uns nicht verlassen. Wir müssen das Auto verbessern, wenn wir den Titel holen wollen. Bis jetzt sind wir zu jedem Rennen gefahren und haben gehofft, dass die Strecke unserem Auto passt und dass wir dann das Maximum aus dem Auto rausholen können. Wir müssen überall schnell sein.
 
Ist der Red Bull noch das schnellste Auto?
Button: Bis zum GP England war das der Fall. Aber wenn wir den angeblasenen Diffusor zum Arbeiten bringen, dann sollten wir einen großen Schritt nach vorne machen. Die Entwicklung sollte auf einer Strecke wie Hockenheim mehr bringen als in Silverstone. Da uns Streckentypen wie Hockenheim und Valencia ohnehin mehr liegen, setze ich große Hoffnungen in das Paket.
 
Wie groß war das Risiko, als Sie im Winter vom Weltmeisterteam Brawn GP zu McLaren gegangen sind?
Button: Es war ein Risiko. Ich war ein bisschen nervös, in ein neues Team zu kommen, und dann gleich eines wie McLaren. Es ist nicht irgendein Team. Hier sind so großartige Fahrer gefahren, das Team war praktisch immer in der Lage seinen Piloten ein Siegerauto zu stellen. Das verpflichtet. Für mich war die Situation, in ein neues Team zu kommen etwas Ungewohntes. Das ist mir zuletzt vor sieben Jahren passiert. Da habe ich mich natürlich gefragt, wie lange es dauert, bis ich mich einleben werde. Als ich meine erste Rede vor der McLaren-Mannschaft hielt, hatte ich echt Lampenfieber. Aber dann ging alles viel problemloser als ich es gedacht hätte. Fast so wie bei BAR vor sieben Jahren.
 
Gibt es einen Grund für diesen Vergleich?
Button: Die Konstellation ist ähnlich. Ich kam zu BAR, und Jacques Villeneuve war Teil des Teams. Jetzt treffe ich auf Lewis, der schon drei Jahre da ist. Die Aufgabe bei McLaren ist eigentlich noch einfacher als damals, weil ich ein funktionierendes Team hinter mir weiß. Ich muss nicht mithelfen, das Team aufzubauen. Meine einzige Aufgabe besteht darin, mein Auto schneller zu machen. Der Wechsel von Williams zu Benetton war etwas anderes. Ich kam als junger Fahrer mit wenig Erfahrung in ein Team, das bereits Weltmeisterschaften gewonnen hatte. Da gab es im Team viel Skepsis mir gegenüber. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich dort bei allen willkommen war.
 
Hamilton und Sie werden oft mit Prost und Senna verglichen. Trifft der Vergleich zu?
Button: Wir beide würden gerne die Erfolge haben, die diese beiden Fahrer hatten. Mir schmeichelt es, wenn ich mit Prost verglichen werde. Ich habe seinen runden Fahrstil und seine Präzision immer verehrt.
 
Welche Eigenschaft von Lewis Hamilton hätten Sie gerne?
Button: Er kann sich in ein Auto setzen und sofort schnell fahren. Das ist nicht immer hilfreich, aber eben doch manchmal. Ich bin da ganz anders, speziell, wenn das Auto übersteuert. Er holt mehr aus einem Auto, heraus das ein nervöses Heck hat. Dafür tut er sich schwerer mit einem Auto, dessen Heck auf der Straße klebt. Wir haben unterschiedliche Fahrstile, stimmen aber unsere Autos komischerweise sehr ähnlich ab. Ich bin aber mit meiner Fahrweise happy und will mir nicht zuviel von anderen Fahrern aneignen.
 
Warum funktioniert die Fahrerpaarung Button-Hamilton so gut?
Button: Vielleicht, weil wir so verschieden sind. Wir sind unterschiedlich alt, befinden uns in unterschiedlichen Stadien unserer Karriere. Und wir sind beide geradeheraus. Wir reden nicht um den heißen Brei herum. Wenn wir ein Problem haben, sprechen wir drüber. Wir haben beide den Titel schon gewonnen und wissen, wie schwer das ist. Das gibt uns eine gewisse Selbstsicherheit. Eigentlich gab es bis jetzt keinerlei Reibungspunkte zwischen uns. In der Türkei sah es von außen so aus, als könnte da etwas entstehen. Aber ich habe mit Lewis sofort darüber gesprochen, als ich aus dem Auto ausgestiegen bin.
 
Wäre es schwieriger, wenn einer von Ihnen oder beide Ihrem großen Ziel Weltmeisterschaft noch hinterlaufen würden?
Button: Das Problem in der Formel 1 ist, dass die Chance Weltmeister zu werden, nur ganz selten kommt. Wenn du dann noch keinen Titel hast, willst du diese Chance nicht verpassen. Da baut sich viel mehr Druck auf. Ich kann mir vorstellen, dass das bei den Red Bull-Fahrern im Hinterkopf herumspukt.

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