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Juan Pablo Montoya im Interview

"IndyCar für Fans, F1 fürs Fernsehen"

Juan-Pablo Montoya - IndyCar 2015 Foto: IndyCar 15 Bilder

Juan Pablo Montoya kämpft aktuell um seinen zweiten IndyCar-Titel nach 1999. auto motor und sport hat sich mit dem zweifachen Indy 500-Sieger über die Unterschiede zwischen IndyCar und Formel 1 unterhalten.

20.08.2015 Michael Schmidt
Was kann die Formel 1 von den IndyCars lernen. Oder umgekehrt?

Montoya: Hier in den USA denkt jeder darüber nach, wie man sich bei gleicher Technik einen Vorteil verschafft. In der Formel 1 gibt es mehr Unterschiede bei der Technik. Und doch bauen sie so viele Sachen ans Auto, die für mich keinen Sinn machen. Hunderte von Sensoren, viel zu viel Information für das Team. Was die Formel 1 lernen kann? Gebt den Fahrern das Kommando zurück.

Also weg mit den Sensoren?

Montoya: Die Sensoren können drin bleiben. Wenn die Ingenieure nach dem Training oder dem Rennen ihre Daten auslesen wollen, warum nicht. Nur während des Fahrens sollten sie nicht verfügbar sein. Da muss der Fahrer auf sich alleine gestellt sein. Wenn du zu hart fährst, bezahlst du dafür. Bist du zu verhalten, verschenkst du Rundenzeit. Es macht die Klasse eines Fahrers aus, die richtige Balance zu finden. So würdest du am Ende viel größere Unterschiede unter den Fahrern sehen. Weil dann alle seine Qualitäten in die Waagschale geworfen werden.

Zum Beispiel?

Montoya: Die Reifen. Wenn sie in der Formel 1 zu heiß werden, musst du vom Gas. In der IndyCar kannst du sie nur überhitzen, wenn du sie zuerst einmal richtig heiß gefahren hast. Das dauert. Wenn er mal zu heiß ist, kannst du ihn aber wieder runterbringen. Musst halt mal eine Runde langsamer fahren. In der Formel 1 ist der Reifen unbrauchbar, wenn er ein Mal überhitzt hat.

IndyCar fährt auf verschiedenen Streckentypen. Wird hier der komplettere Fahrer gefordert?

Montoya: Wir haben keine Simulatoren. Wir müssen alles auf der Strecke lernen. Ein Formel 1-Fahrer kommt schon verdammt gut vorbereitet an der Rennstrecke an. In der Formel 1 wird an einem Wochenende nicht mehr so dramatisch viel am Auto geändert. Bei den IndyCars baust du rauf und runter, bis das Auto passt. Weil alles so eng ist, kommt es auf Kleinigkeiten an. Und oft ist es eine Fahrt ins Ungewisse. Seit dem Indy500 sind wir praktisch nicht mehr auf richtigen Rennstrecken gefahren. Alles Oval oder Stadtkurse. Dann wirst du auf einer klassischen Rennstrecke wie in Mid Ohio ohne Testfahrten wieder ins kalte Wasser geworfen.

Welche Serie ist gefährlicher?

Montoya: Das Risiko ist bei uns ein bisschen höher. Aber ich mag es mit weniger Auslaufzonen. Das fordert wieder den Fahrer heraus. In der Formel 1 machst du einen Fehler und wirst nicht bestraft. Du fährst von den Asphalt-Auslaufzonen einfach auf die Strecke zurück. Hier steckst du im Kiesbett oder reißt dir einen Flügel auf der Wiese ab. Auf den Ovalen hast du natürlich gar keinen Spielraum für Fehler. Die sind schon hart. Und einfach sauschnell.

Das neue Aero-Kit hat die Autos auf Rundstrecken schneller werden lassen, aber nicht im Oval. Warum?

Montoya: Weil es zu viel Luftwiderstand aufbaut. Der höhere Abtrieb hatte seinen Preis.

Wie viele Instruktionen bekommen Sie über Funk?

Montoya: Du musst selber auf deine Reifen aufpassen. Und du musst wissen, wann und wie du Sprit sparen musst. Alles ist natürlicher. Wenn du als Rookie in die Formel 1 kommst, wird dir alles erklärt. Weil es für alles Daten gibt. Hier musst du alles selbst lernen.

Würde ein Verstappen bei den IndyCars im ersten Jahr so erfolgreich fahren wie in der Formel 1?

Montoya: Er wäre sicher bei einigen Rennen gut unterwegs. Aber insgesamt hätte er mehr Probleme. Die Ovale wären absolutes Neuland für ihn. IndyCar ist ein andere Welt. Weniger perfekt, und deshalb schwieriger.

Hätten Sie gerne ein Formel 1-Lenkrad im Auto?

Montoya: Das einzige, was ich gerne bei mir im Auto hätte, wären die Diff-Einstellungen der Formel 1. Da kannst du das Auto von Kurve zu Kurve perfekt trimmen. DRS würde auch helfen. Push to pass bringt dir auf der Geraden 6 bis 7 km/h. In der Formel 1 kriegst du mit DRS das Doppelte und mehr.

Braucht der Rennsport diese Überholhilfen?

Montoya: Motorsport ist am Ende eine Show. Wenn Überholen nicht möglich ist, stimmt die Show nicht.

Ist es mit den IndyCars einfacher einem anderen Auto zu folgen?

Montoya: Wir haben den Vorteil, dass die meisten unserer Rennstrecken aus langsamen Kurven bestehen. Da ist es einfacher, dicht aufzuschließen. In den schnellen Kurven hast du ähnliche Probleme. Du spürst, wie der Abtrieb verloren geht. Mit dem neuen Aero-Kit ist es sogar noch ein bisschen schwieriger geworden.

Sind bei den IndyCars Aerodynamik und Motorleistung in Balance?

Montoya: Der Abtriebsgewinn seit letztem Jahr war dank der Aero-Kits gewaltig. Aber wir bräuchten mehr Leistung. Wer will das nicht?

Sie haben beide Highlights gewonnen: Indy und Monte Carlo. Was war mehr befriedigend?

Montoya: Der erste Indy-Sieg und Monte Carlo haben sich nichts geschenkt. Der diesjährige Sieg in Indy war speziell. Weil 15 Jahre dazwischen lagen. Weil ich es mit Penske geschafft habe. Und weil ich heute viel besser verstehe, was Indy bedeutet.

Kriegt der Fan bei IndyCar mehr geboten?

Montoya: Viel mehr. Schauen Sie sich an: Jeder darf ins Fahrerlager, kann alles sehen und anfassen. IndyCar ist für die Fans gemacht, Formel 1 für das Fernsehen.

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