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Jules Bianchi nach Unfall auf Intensivstation

Crash-Pilot erleidet diffuse Hirnschäden

Jules Bianchi - GP Japan 2014 Foto: ams 16 Bilder

Jules Bianchi liegt nach seinem Horror-Crash von Suzuka auf der Intensivstation des Krankenhauses von Yokkaichi. Nach Angaben der Ärzte hat er eine schwere Gehirnverletzung mit diffusen Nervenschädigungen erlitten. Der Zustand sei kritisch aber stabil.

07.10.2014 Michael Schmidt

Formel 1-Fahrer Jules Bianchi kämpft weiter um sein Leben. Zum ersten Mal gibt es offizielle Informationen über den Zustand des in Suzuka so schwer verunglückten Piloten. Wie Marussia am Dienstag (7.10.2014) mitteilte, habe der Pilot "diffuse axonale" Hirnverletzungen erlitten. Das bedeutet, dass Nerven im Gehirn bei dem heftigen Aufprall beschädigt wurden.

Jules Bianchi nach Unfall in "kritischem aber stabilem Zustand"

Wie lebensbedrohlich die Verletzungen genau sind, wurde nicht erklärt. Nur so viel: Bianchi liegt weiterhin "in kritischer aber stabilem" Zustand auf der Intensivstation. Sein Zustand wird genau überwacht. Zur Anzahl der Operationen gab es keine offiziellen Angaben. Nach Berichten französischer Medien sollen die Mediziner 2 Eingriffe vorgenommen haben.

Auf Wunsch von Ferrari wurde auch der französische Gehirnspezialist Gerard Saillant eingeflogen, der schon Michael Schumacher nach dessen Ski-Unfall betreut hatte. Der Neurologe ist Vorsitzender der medizinischen Kommission der FIA und kümmert sich zusammen mit Gehirnchirurg Professor Alessandro Frati aus Rom vor allem um die Kommunikation zwischen den Ärzten vor Ort und der Familie von Jules Bianchi.

Die Angehörigen bedanken sich in dem offiziellen Statement für die weltweite Unterstützung für den verunglückten Piloten. Weitere Updates über den Gesundheitszustand sollen zu gegebener Zeit erfolgen.

Fan-Video zeigt mehr Unfall-Details

Über den Unfall-Hergang selbst gibt es dank eines Fan-Videos etwas mehr Details. Trotz doppelt geschwenkter gelber Flaggen, konnten Augenzeugen nicht erkennen, dass Jules Bianchi spürbar das Tempo reduzierte: "Im Scheitelpunkt brach das Heck aus. Bianchi korrigierte, doch das Auto bekam einen Konter. Der Marussia rutschte quer in das Kiesbett, wo er zu springen begann. Damit wurde die Geschwindigkeit nicht verzögert."

Adrian Sutil sah den Unfall hinter der Leitplanke kommen: "Es war fast eine Kopie von meinem Crash." In der Flugbahn des Autos stand ein Bergekran, der Sutils Sauber am Haken hatte und rückwärts rangierte. Bianchis Marussia rutschte vorwärts mit ungeheurer Wucht unter der Ballast-Ausbuchtung im Heck hindurch. An den Hinterreifen des Traktors riss er sich die komplette linke Fahrzeugseite ab. Der Überrollbügel wurde vom Ausleger des Krans abrasiert.

Der Aufprall war so stark, dass dabei der Sauber wieder vom Haken fiel. Vom Marussia blieb praktisch nur noch die Überlebenszelle übrig. Dort, wo sich der Kopf des Fahrers befindet, wurde die Karbonröhre leicht eingedrückt. Im vorderen Bereich des Chassis klaffte ein großer Riss in Längsrichtung, was dem Fahrer aber keine Verletzungen zufügte.

Auf dem Video ist unter anderem auch zu sehen, wie ein Streckenposten neben der Unfallstelle eine grüne Flagge für "freie Fahrt" schwenkte. Hier gab es in den Medien die Diskussion, ob diese grüne Flagge Schuld an dem Unfall von Bianchi gewesen ist - unsere Experten vor Ort sind dieser Frage nachgegangen.

Unfall-Auto von Polizei beschlagnahmt

Trotzdem war der Unfallwagen in einem Zustand, bei dem man sich große Sorgen um den Piloten machen musste. "Ich habe noch nie ein so übel zugerichtetes Auto gesehen", sagte einer der Beobachter am Unfallort. Die Konstellation Rennauto gegen Kran erinnert fatal an das Unglück der spanischen Rennfahrerin Maria de Villota bei Testfahrten vor zwei Jahren. Auch sie saß in einem Marussia.

Die FIA verpackte die Überreste des Autos mit der Startnummer 17 in einer der Garagen in der Boxengasse. Das Wrack wurde zwei Stunden später von der Polizei beschlagnahmt. FIA-Rennleiter Charlie Whiting ließ sofort die Übertragung der Unfallbilder stoppen.

Er informierte Lewis Hamilton, Nico Rosberg und Sebastian Vettel vor der Siegerehrung, nicht ausgelassen zu feiern. Den drei Erstplatzierten stand der Schreck der bösen Nachricht ins Gesicht geschrieben. "Ich hoffe, er wird so bald wie möglich gesund", bangte Sebastian Vettel.

Waren doppelt gelbe Flaggen genug?

Im Fahrerlager gingen derweil die Diskussionen hoch her, ob man den Unfall verhindern hätte können. "Die letzten vier Runden vor dem Unfall war es sauglatt", berichtete Felipe Massa. Adrian Sutil bestätigte, dass es schwierig war, das Auto im stärker werdenden Regen mit Intermediates auf der Straße zu halten.

Nico Rosberg meinte: "Ich hatte keine Probleme, aber wir sitzen in einem besseren Auto mit viel mehr Abtrieb. Ich kann mir gut vorstellen, dass es für meine Kollegen in schlechteren Autos echt heikel war." Vettel fügte hinzu: "An einigen Stellen war es auch für uns an der Grenze. Deshalb bin ich auch noch einmal zum Reifenwechsel in die Box, als das Safety-Car auf die Strecke ging."

Die Kritik, man hätte das Safety-Car schon früher auf die Strecke schicken müssen, wird nicht von allen im Fahrerlager geteilt. "An der Stelle wurde doppelt gelb geschwenkt. Da muss man halt vom Gas", meinte Rosberg. Lotus-Einsatzleiter Alan Permane warf ein. "Man kann nicht immer abbrechen, wenn es stärker regnet. Es gibt ja auch noch die Möglichkeit, von Intermediates auf Schlechtwetterreifen zu wechseln."

Jules Bianchi wurde umgehend geborgen und per Krankenwagen in das nahegelegenes Krankenhaus in Yokkaichi gefahren. Bei der Bergung war der 25-Jährige aus Nizza offenbar noch bewusstlos. Der CT-Scan zeigte schwere Kopfverletzungen. Bianchi wurde sofort notoperiert.

Auf einen Transfer im Helikopter wurde verzichtet. Es hätte zu lange gedauert, den Unglückspiloten umzuladen und die einbrechende Dunkelheit zwang den Hubschrauber-Piloten zum frühzeitigen Aufbruch. Eine Polizei-Eskorte sicherte einen raschen Abtransport ins Krankenhaus.

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