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Kein Vertrauen in Renault

Red Bull flirtet mit Mercedes

Red Bull - Renault - GP Ungarn 2015 Foto: Red Bull 28 Bilder

Trotz des Doppel-Podiums von Ungarn stehen die Zeichen bei Red Bull und Renault auf Trennung. Das frühere Weltmeister-Team hat das Vertrauen in seinen Motorenpartner verloren. Red Bull flirtet ganz offen mit Mercedes.

27.07.2015 Michael Schmidt

Red Bull und Renault funken schon lange nicht mehr auf der gleichen Wellenlänge. Jetzt ist das Tuch offenbar ganz zerrissen. Der Eindruck entsteht, wenn man die Aussagen der Teamleitung und der Fahrer zwischen den Zeilen liest. Daniel Ricciardo sagte in Ungarn: "Mit so einem Motor wie in diesem Jahr darf es nicht weitergehen. Renault muss sich deutlich steigern."

Genau das wird in Milton Keynes und Salzburg bezweifelt. Von Renault gibt es keinen schlüssigen Plan für den Rest der Saison. "Wir warten auf eine Antwort aus Paris wie es weitergeht", drückte sich Teamchef Christian Horner um eine klare Aussage herum.

So viel ist bekannt: Die Ausbaustufe soll frühestens beim GP Russland fertig sein. "Nur die Stoppuhr wird uns zeigen, ob Renault in der Lage ist, mehr Leistung aus dem Motor zu holen. Prüfstandergebnissen kannst du nicht trauen", winkt Horner ab.

Auch Teamberater Helmut Marko bezweifelt, dass die Ingenieure den Weg aus der Motormisere kennen. "Versprochen wurde schon viel. Die angekündigte Ausbaustufe soll eher moderat sein." Bei Red Bull stieß auch sauer auf, dass Renault das Ilmor-Projekt abwürgte, obwohl es bessere Daten gezeigt haben soll.

Red Bull mit Mercedes-Motoren, Toro Rosso mit Honda

Red Bull will so schnell wie möglich raus aus dem Vertrag, der sie bis 2016 an Renault bindet. Man hofft, dass sich das Thema von selbst löst. Entweder, weil Renault aussteigt oder zusammen mit Lotus als Werksteam zurückkehrt.

Wenn das nicht klappt, gibt es immer noch die Möglichkeit den Vertrag aufzulösen, weil Renault mit der Motorentwicklung weit hinter den eigenen Versprechungen hinterherhinkt. Eine weitere Saison im Mittelmaß will keiner ertragen.

Der Alternativplan sieht so aus. Red Bull fährt mit Mercedes-Motoren, Toro Rosso mit Honda-Triebwerken. Das bringt die Formel 1 in ein Dilemma. Sagen die Hersteller nein, fehlen 2016 zwei Teams.

Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz hat vor einem Monat mit Bedacht ein Ausstiegsszenario an die Wand gemalt. Das soll den Druck erhöhen. "Irgendeinen Motor müssen wir ja bekommen, wenn wir Renault verlieren", zuckte Christian Horner mit den Schultern.

Offenbar ist Red Bull bereit, die Kröte zu schlucken nur noch ein Kundenteam zu sein. Wenn auch ein Kunde erster Klasse. Mercedes und Ferrari ist jedoch klar, wen man sich da ins Haus holen würde.

Red Bull ist eine andere Hausnummer als Williams, Lotus, Force India oder Sauber. Die Truppe aus Milton Keynes hat ein Budget, das Personal und das Knowhow wie ein Werksteam. Auf dem Hungaroring waren die Red Bull in einigen Kurven schneller als die Mercedes. Als Ferrari sowieso.

Ferrari liefert nur Vorjahresmotoren

Ferrari offeriert deshalb nur Motoren, einer Spezifikation, die ein Jahr alt ist. Aus Selbstschutz. Mercedes betreibt mit seinen Kunden prinzipiell eine andere Politik. Alle bekommen gleichwertiges Material. Das ist logistisch einfacher. Deshalb kommt für Red Bull nur Mercedes als Lieferant in Frage.

Teamchef Toto Wolff gibt sich bedeckt:"Es gibt einen Vertrag zwischen Red Bull und Renault. Das respektieren wir. Aber wir kennen ja die Formel 1. In der Branche gilt der Spruch: Sag niemals nie."

Andererseits will keiner das erleben, was gerade Renault durchmacht. Red Bull springt mit seinem Partner nicht gerade zimperlich um. Bei Erfolg gewinnt das Auto. Niederlagen werden dem Motor zugeschrieben.

Bernie Ecclestone tritt als Vermittler auf. Der Formel 1-Chef braucht wieder Wettbewerb an der Spitze. Und er fürchtet, dass schlimmstenfalls alles zusammenbrechen kann. Wenn Red Bull frustriert aufhört, fehlen gleich zwei finanziell gesunde Teams. Ecclestone hat genug Probleme mit kranken Kandidaten. Da stoßen die Motorenhersteller an ihre Grenzen. Wie weit geht der Eigennutz, wie weit die Verantwortung für die Serie?

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