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Keine Chassis-Schulden

Force India dementiert Krisen-Gerüchte

Force India - 2015 Foto: Force India 33 Bilder

Force India wird erst zum letzten Test in Barcelona mit dem neuen Auto auftauchen. Die Verzögerung der Entwicklung nährte die Gerüchte, wonach dem indischen Rennstall das Wasser bis zum Hals steht. Force India dementiert und liefert seine Version der Misere.

06.02.2015 Michael Schmidt

Force India fehlte in Jerez. Und doch wurde über den WM-Sechsten des Vorjahres eifrig diskutiert. Von Pleite war die Rede, von hohen Schulden, davon, dass möglicherweise der Saisonstart in Australien auf dem Spiel steht. Die erneute Verschiebung des Testdebüts des neuen Force India VJM08 goss weiteres Öl ins Feuer. Man erzählte sich, dass Force India wegen offenstehender Rechnungen kein Chassis, keinen Tank, keine Motoren, kein Getriebe und keine Windkanalzeit bei Toyota bekommt.

Nach Ansicht von Force India werden die schlechten Nachrichten von ehemaligen Mitarbeitern oder Managern gestreut, die mit dem Team noch offene Rechnungen haben. Im übertragenen Sinn. Doch sind wirklich alle Geschichten aus der Luft gegriffen? Gerade in der Formel 1 gilt: Wo Rauch aufsteigt, ist oft auch Feuer. Wir haben bei Sportdirektor Otmar Szafnauer in den kritischen Punkten nachgefragt und seine Version der Geschichte gehört.

Alter Chassis-Hersteller wechselt Fabrik

Stichwort Chassis. Force India und seine Vorgänger-Teams lassen seit 15 Jahren bei EPM die Karbonröhren fertigen. Laut Szafnauer wurde die Zahlungsfrist von 30 Tagen immer eingehalten. "Es gibt keine Schulden bei unserem Lieferanten." Es gibt aber auch kein Chassis. Wie passt das zusammen?

EPM ist mit seiner Fabrik im Winter umgezogen, weil das Spezialunternehmen mittlerweile so viele neue Aufträge aus der IndyCar- und Sportwagenszene bekommt, dass die alte Produktionsstätte aus allen Nähten platzte.

Bei diesem Umzug seien Maschinen beschädigt und neue offenbar nicht fristgerecht angeliefert worden. Das Chassis für den neuen Force India hatte Anfang Dezember Termin. Als es am Ende des Monats wegen der genannten Probleme noch immer nicht fertig war, musste sich Force India kurzfristig Ersatz suchen.

"Ausgerechnet zu einer Zeit, in der diese Firmen Hochkonjunktur haben. Wir mussten zwei weitere Wochen auf einen Slot warten", erklärt Szafnauer das Problem. Deshalb traf das neue Chassis erst vor zwei Wochen in der Fabrik in Silverstone ein.

Formel 1-Tank nur gegen Vorkasse

Anders ist die Situation mit Tank-Hersteller ATL. Die US-Firma hat ein Monopol. Man erzählt sich, dass zwei mittlerweile insolvente Teams dort ihre Rechnungen nicht bezahlt hätten. ATL änderte daraufhin die Zahlungsmodalitäten. Es gibt Tanks nur noch gegen Vorkasse. Für alle.

Normalerweise ist ein Zahlungsziel von 30, 60 oder gar 90 Tagen nach Lieferung in der Branche übrig. Für große Teams mit gut gefüllter Kasse war der härtere Kurs von ATL verschmerzbar. Für kleinere nicht so einfach. Mittlerweile sei aber auch diese Rechnung bezahlt und der Tank ausgeliefert, heißt es bei Force India.

Auch bei Motoren und Getriebe gibt es keine Altschulden. "Wir haben unser Geld von Force India für 2014 bekommen", bestätigte Mercedes-Außenminister Niki Lauda in Jerez. Mercedes gibt seinen Kunden wegen schlechter Erfahrungen aus der Vergangenheit ebenfalls wenig Spielraum. Werden die Raten nicht pünktlich bezahlt, werden Motor und Getriebe zurückgehalten.

Dass jede Zahlungsfrist bis zur letzten Sekunde ausgekostet wird, ist in dem Geschäft der Normalfall. Die erste Rate von Bernie Ecclestones Zahlung kommt üblicherweise im Februar. Neue Sponsoren überweisen in der Regel zum ersten Mal nach einem halben Jahr. Deshalb sind der Dezember und Januar aus Sicht der kleinen Teams die schwierigsten Monate. Weil da noch Ebbe in der Kasse herrscht.

Force India testet gerade im Windkanal

Der Fall Toyota. Force India entschied sich in diesem Jahr für den Toyota-Windkanal in Köln. Weil er besser ist als der eigene in Brackley und später auch den Einsatz eines 60-Prozent-Modells erlaubt. Seit November testet Force India dort. Auch Toyota hat die Daumenschrauben für seine Klientel angezogen. Die Finanzkrise im Motorsport macht vorsichtig. Ein Drittel der Mietkosten muss vorab beglichen werden. Sonst bleibt die Tür vom Windkanal zu.

Anfang Januar hatte das Team von Vijay Mallya die erste Aero-Sitzung mit dem neuen Auto in Köln. Seit dem 5. Februar läuft die zweite. "Wären wir unseren Verpflichtungen nicht nachgekommen, wären wir jetzt nicht im Windkanal", sagt Szafnauer.

Die Umstände haben den ersten Test des neuen Autos nun schon zwei Mal verschoben. "Der Verzicht auf Jerez fiel uns nicht schwer. Auf der Rennstrecke lernst du nicht viel. Dass wir die erste Testwoche in Barcelona sausen lassen müssen, schmerzt uns mehr", gibt Szafnauer zu. Deshalb sollen die Stammpiloten und ein Testfahrer auf dem Vorjahresmodell wenigstens die neuen Reifen kennenlernen.

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