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Kimi Räikkönen im Interview

Ich lasse alles auf mich zukommen

Kimi Räikkönen Lotus Renault 2012 R30 Valencia Foto: Lotus F1 93 Bilder

Kimi Räikkönen ist nach zwei Jahren Pause wieder da. Der Finne beginnt bei Lotus eine zweite Karriere. auto motor und sport hat den Weltmeister von 2007 über die Gründe für sein Comeback, seine Ziele und sein Leben als Rallyefahrer befragt.

07.02.2012 Michael Schmidt
Warum kehren Sie in die Formel 1 zurück?

Räikkönen: Wenn du Rennen fahren willst und wie ich die Wahl hast, dann gehst du zuerst in die Formel 1.

Aber was gab den Ausschlag?

Räikkönen: Als ich in der Nascar ein Rennen gefahren bin, wurde mir klar, wie sehr mit das Rennfahren mit Rad- an Radkämpfen gefehlt hat. Das soll nicht heißen, dass ich vom Rallyefahren die Nase voll habe. Am liebsten würde ich beides tun. Aber das geht nicht.

Hätte Sie das Fahren im Kreis in der Nascar-Serie wirklich gereizt?

Räikkönen: Ich hatte eine tolle Zeit dort. Die Teams dort sind sehr professionell. Es ist einfach eine ganz andere Art von Rennsport. Ich könnte mir vorstellen, dass irgendwann noch einmal zu versuchen. Wenn du es richtig machen willst, musst du aber in die USA umziehen. Du kannst das Ovalfahren mit nichts anderem vergleichen. Das Fahren im dichten Pulk, immer mit Fahrzeugkontakt, immer mit hohem Speed an der Mauer vorbei, hat seine eigenen Gesetze. Und dann hängt noch viel davon ab in welchem Team du fährst.

Was kann man von Ihnen nach zwei Jahren Pause erwarten?

Räikkönen: Ich habe mir noch keine Gedanken gemacht, wo ich stehe und welche Resultate ich von mir erwarten kann. Ich werde die Dinge auf mich zukommen lassen. Nastürlich will ich wieder Rennen gewinnen, aber wenn das nicht möglich ist, müssen wir eben hart arbeiten, um das Auto zu verbessern. Es ist unmöglich, zu diesem frühen Zeitpunkt Prognosen abzugeben. Die Regeln haben sich geändert, keiner weiß, was die neuen Autos können.

Was hat sich in Ihrer Abwesenheit verändert?

Räikkönen: Abgesehen von den Autos kaum etwas. Ich  blicke in die gleichen Gesichter. Ich weiß, was mich erwartet. Was mich an der Formel 1 reizt ist das Rennfahren. Mit dem Rest muss ich leben, ob ich ihn nun mag oder nicht. Da hat sich seit meinem Abschied nichts geändert, außer vielleicht, dass die Testarbeit etwas zurückgefahren wurde. Aber das hatte sich schon am Ende meiner Zeit mit Ferrari abgezeichnet.

Haben Sie die Formel 1 in den letzten zwei Jahren verfolgt?

Räikkönen: Ende letzten Jahres habe ich mir ein paar Rennen am Fernsehschirm angeschaut. Das mit dem DRS-Flügel wirkte auf mich etwas lächerlich. Überholen ist nun keine große Kunst mehr. Du stellst den Flügel flach und fährst einfach vorbei. Der Vordermann kann sich nicht wirklich verteidigen. Ich akzeptiere aber, dass es die Show besser macht.

Sie haben schon alles erreicht in der Formel 1. Was motiviert Sie noch?

Räikkönen: Die Leute, die mir vorwerfen, ich sei nicht motiviert, kennen mich doch gar nicht. Es sind immer die gleichen. Wäre ich nicht motiviert, hätte ich vor zwei Jahren aufgehört. Natürlich fällt es leichter, wenn man vorne mitfährt. Aber dass ich in meinem letzten Ferrari-Jahr nicht mehr um den Titel gekämpft hatte, lag nicht an mir. Da fährst du dir die Seele aus dem Leib, und die Ergebnisse sind trotzdem enttäuschend. Von außen mag da der Eindruck entstehen, man sei nicht mehr motiviert. Aber das ist natürlich Unsinn. Es ist immer leicht in solchen Situationen die Schuld beim Fahrer zu suchen. Nach meinem Gefühl bin ich 2009 besser gefahren als je zuvor.

Lotus ist letztes Jahr ins Mittelfeld abgerutscht. Sind Sie bereit dafür, nicht mehr an der Spitze sondern weiter hinten zu kämpfen?

Räikkönen: Das letzte Jahr bei Ferrari hat mich schon ganz gut darauf vorbereitet. Wir sind guter Hoffnung, dass unser neues Auto besser wird. Obwohl das mit den neuen Regeln schwer vorherzusagen ist. Ganz hinten werde ich schon nicht rumfahren. Was es auch immer sein wird, ich werde mein Bestes geben.

Wie blicken Sie auf Ihren Rauswurf bei Ferrari zurück?

Räikkönen: Ich bedaure nichts. Das ist Geschichte, und ich blicke nicht verbittert auf sie zurück.

Haben Sie schon ein Gefühl für die Pirelli-Reifen bekommen?

Räikkönen: Den größten Unterschied kann ich im gebrauchten Zustand erkennen. Dann beginnt das Heck wegzuschmieren. Für mich ist es einfacher, mich an die Reifen zu gewöhnen als es das für meine Kollegen vor einem Jahr war. Sie sind von heute auf morgen von Bridgestone auf Pirelli gewechselt und hatten natürlich bestimmte Erwartungen. Für mich ist es eher wie ein Neubeginn nach meiner Pause. Ich gehe unvoreingenommen an die Reifen heran.

Neu für Sie ist auch das Rennformat. Zum ersten Mal fahren Sie ohne Tankstopps mit einem schweren Auto zu Rennbeginn.

Räikkönen: Das ist keine große Sache. Der Boxenstopp ist halt etwas kürzer. Das fahren mit einem schweren Auto ist im Vergleich zu einem leichten jetzt kein Unterschied wie Tag und Nacht. Ich muss das Fahren nicht neu lernen. Es ist immer noch der gleiche Sport. Da ein Knopf am Lenkrad mehr, dort einer weniger. Kers kenne ich noch von 2009. Für mich kommt noch der DRS-Knopf dazu. Die Bedienung wird nach ein paar Mal in Fleisch und Blut übergehen.

Wollen Sie sich bei Lotus ins Schaufenster für 2013 stellen. Da laufen viele Verträge aus, auch bei den Topteams?

Räikkönen: Leute, die Saison hat noch nicht mal angefangen, und ihre redet schon über die nächste. Ich habe keine Pläne und lasse alles auf mich zukommen.

Hat Sie im letzten Jahr irgendeiner Ihrer künftigen Kollegen beeindruckt?

Räikkönen: Da hat sich nichts geändert. Es sind immer noch die gleichen Gesichter vorne. Dass Vettel mal ein Großer wird, war schon 2009 zu erkennen.

Warum sind Sie zu Lotus und nicht zu Williams?

Räikkönen: Sagen wir so. Das was angeboten wurde und das was ich wollte, lag zu weit auseinander.

Wie wichtig war ihnen das Geld?

Räikkönen: Das ist doch immer wichtig. Es ist meine Arbeit, und ich will einen entsprechenden Lohn dafür. Aber wegen dem Geld müsste ich nicht mehr fahren. Der Hauptantrieb ist der Reiz des Fahrens.

Hatten Sie in den letzten zwei Jahren mehr Zeit für sich selbst?

Räikkönen: Ja, weil die Rallyes weiter auseinanderliegen und die Arbeit für die Sponsoren weniger ist. Ich habe es genossen, etwas mehr Zeit zu haben. Das einzige, was mir ein bisschen abgegangen ist, war das intensive Reisen. Hört sich komisch an, aber an so etwas gewöhnt man sich.

Wären Sie mit mehr Erfahrung im Rallyesport mal so gut geworden wie Sebastien Loeb?

Räikkönen:  Wer kann das schon von sich behaupten? Er hat zehn Jahre mehr Rallyeerfahrung als ich. Ich habe in meinem zweiten Jahr gemerkt, wie ich mich verbessert habe. Aber zur absoluten Spitze haben mir schon noch ein paar Jahre gefehlt. Ich weiß aber nicht, wie weit ich gekommen wäre. Es ist sicher eine der schwierigsten Sportarten. Aber setzen sie die Rallyefahrer in ein Formel 1-Auto, dann haben sie auch ihre Probleme, Es sind wirklich zwei komplett verschiedene Sportarten. Vielleicht wäre es anders gekommen, wenn ich meine Karriere als Rallyefahrer begonnen hätte.

Was ist gefährlicher: Rallyefahren oder Formel 1?

Räikkönen: In der Rallye zahlst du für einen kleinen Fehler ein großen Preis. Es steht immer irgendein Felsen, ein Baum, eine Mauer oder ein Graben im Weg. Es gibt keine 200 Meter-Auslaufzonen. Du bekommst keine zweite Chance wie in der Formel 1, wo du bei einem Fehler die Lenkung aufmachst und dich dann durch die Auslaufzone rettest. Du strapazierst dein Glück öfter in einem Rallyeauto.

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