Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Kleine Teams unter Druck

Kundenteams durch die Hintertür

Ferrari vs. Red Bull - GP Kanada 2013 Foto: Ferrari 105 Bilder

In den Hinterzimmern der Formel 1 werden bereits Pläne geschmiedet, wie man die Zahl der Testtage erhöht. Die großen Teams setzen dabei die kleinen unter Druck und versprechen Kostenreduzierungen an anderer Stelle. Die kleinen Teams fürchten um ihre Existenz. Und sie haben den Verdacht, dass ein böser Plan dahintersteckt.

08.06.2013 Michael Schmidt

Die Testsaison 2014 beginnt am 21. Januar in Jerez. Dem Viertagestest sollen zwei Testwochen in Bahrain, Abu Dhabi oder Katar folgen. Insgesamt zwölf Testtage. Der Saisonauftakt findet wahrscheinlich am 2. März in Bahrain statt. Bis jetzt hört sich alles vertraut an, sieht man mal davon ab, dass acht Tage im Mittleren Osten getestet werden soll.

Doch die großen Teams wollen mehr. Es ist so gut wie beschlossene Sache, dass 2014 auch unter der Saison getestet werden soll. Nur der FIA-Weltrat Ende Juni kann den Plan noch kippen. Dann wird unter anderem über den Antrag abgestimmt, ab 2014 unter der Saison vier mal zwei Testtage einzuführen.

Die großen Teams haben sich gegen die kleinen durchgesetzt. Die Abstimmung musste zwei Mal durchgeführt werden, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Im ersten Anlauf hatten Mercedes, Lotus, Force India, Williams, Toro Rosso und Caterham dagegen gestimmt. Im zweiten fiel Mercedes um.

Über die Gründe kann man nur spekulieren. Wahrscheinlich um Bernie Ecclestone einen Gefallen zu tun, der die Ausweitung von Testfahrten auf Druck von Ferrari und Red Bull unterstützt.

Jeder Motor eine Million Euro extra

Der irrwitzige Plan kommt zur falschen Zeit. Mindestens die Hälfte der Teams kämpft ums Überleben. Acht zusätzliche Testtage kosten nach Aussagen von Experten bis zu zehn Millionen Euro mehr. "Du brauchst ein eigenes Testteam, ein eigenes Chassis und extra Motoren", zählt Force India-Sportdirektor Otmar Szafnauer auf. "Jeder zusätzliche Motor kostet eine Million Euro."

Force India hat gegen den Antrag gestimmt. Sauber und Marussia dafür, obwohl sie sich mehr Testfahrten gar nicht leisten können. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Sie müssen im Sinne von Ferrari abstimmen. Sonst gibt es keine Motoren zum Vorzugspreis.

Kostenersparnis ist Augenwischerei

Die großen Teams locken die kleinen damit, dass dafür die Windkanalstunden von 40 auf 30 pro Woche und die Computerkapazitäten von 40 auf 30 Teraflops reduziert werden, und dass man jeden richtigen Testtag mit 1:1 Windkanaltagen verrechnen darf. Doch das ist reine Augenwischerei. "Die Einsparungen dort kompensieren bei weitem nicht die Mehrkosten", sagt ein Teamchef.

Außerdem sind die Restriktionen in der Fabrik praktisch nicht zu überprüfen. Windkanalzeit wird erst ab 15 Meter pro Sekunde berechnet. Die Teams interpretieren schon jetzt die Anlaufzeit des Windkanals unterschiedlich. Red Bull beginnt erst zu zählen, wenn die Anlage mit vollem Speed arbeitet. Man argumentiert damit, dass der eigene Windkanal schon alt ist und länger braucht, um unter Volllast zu laufen.

"Das ist auch der Grund dafür, warum sich Red Bull so gegen eine Kostendeckelung stemmt. Viele kleine Beschränkungen sind viel schwieriger zu überwachen als eine große", behaupten Red Bulls Kritiker.

Kleine Teams sollen Chassis kaufen

Eigentlich müsste es auch den großen Teams einleuchten, dass mehr Testfahrten die kleinen Teams noch schneller in den Ruin treiben. Vermutlich ist das sogar Absicht. Ferrari und Red Bull treiben unbeirrbar ihre unselige Kundenauto-Idee voran.

Sie wollen das Feld in zwei Lager aufteilen. Hersteller und Kunden. Die kleinen Teams sollen die Autos nicht mehr selbst bauen, sondern bei den großen kaufen. Nur so können sie ihren großen Apparat von 600 Angestellten und mehr behalten. Bei einer Kostendeckelung müssten sie Personal abbauen.

Die Langzeit-Folgen sind den großen Teams egal. Die Zahl der Chassishersteller wird schnell schrumpfen, weil kein Kunde ein Auto haben will, das am Ende des Feldes rumfährt. Und einer ist immer Letzter. Die IndyCar-Serie hat in den späten 80er und 90er Jahren gezeigt, was passieren kann. March, Lola und Reynard haben Chassis auf den Markt geworfen. Teilweise haben die Teams noch in der laufenden Saison den Hersteller gewechselt, weil eines der drei Chassis chancenlos war.

In der Formel 1 könnte man sich zwar durch Langzeit-Verträge dagegen absichern. Doch wo ist die Motivation, wenn ich weiß, dass ich drei Jahre lang hinterherfahren muss? Es gibt noch eine weitere Gefahr, und die hat das Abstimmungsergebnis gezeigt. Der Kunde kann nicht frei entscheiden. Er ist in der Hand des Chassisproduzenten. So werden auf und neben der Strecke Allianzen geschmiedet.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden