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Könige der zweiten Halbzeit

Red Bull hat den längsten Atem

Sebastian Vettel - Formel 1 - GP Deutschland 2013 Foto: Red Bull 61 Bilder

Nach der Sommerpause beginnt die zweite Halbzeit der Formel 1-Saison. Können Mercedes, Lotus oder Ferrari Klassenprimus Red Bull noch vom Thron stoßen? Die Statistik spricht eine deutliche Sprache.

21.08.2013 Michael Schmidt

Im Fußball würde man von der zweiten Halbzeit sprechen. In der Formel 1 ist dieser Vergleich auch angebracht, auch wenn die zweite Hälfte der Saison immer kürzer ist als die erste. 2010 war es besonders krass. 12 Rennen vor der Sommerpause, 7 danach. 2011 fiel mit 11:8 schon etwas ausgewogener aus.

Der Trend setzt sich fort. Im letzten Jahr bestand die erste Halbzeit aus 11 und die zweite aus 9 Grand Prix. In diesem Jahr steht es mit 10:9 fast unentschieden. Das Verhältnis spielt eine wichtige Rolle bei der Betrachtung, welche Teams in der zweiten Saisonhälfte aufdrehen und welche nach hinten durchrutschen.

Wer entwickelt am längsten?

Der erste Teil der Saison ist geprägt vom technischen Wettrüsten. Fast jedes Rennen kommen Updates, von Red Bull bis Toro Rosso. Hier zählen die Qualität des Basismodells und der Output der Technikabteilung.

Die zweite Halbzeit beginnt grundsätzlich mit den beiden Klassikern Spa und Monza. Die beiden Rennstrecken fallen aus dem Rahmen, weil die Ingenieure auch dann neue Teile ans Auto bringen, wenn die Entwicklung für das laufende Jahr längst eingefroren wurde. Die Streckencharakteristik verlangt danach.

Sobald die Formel 1 auf ihre Übersee-Tour geht, schlafen die Aktivitäten der Konstruktionsbüros am aktuellen Auto langsam ein. In dieser Saison mehr als in den Jahren zuvor. Wegen der großen Regelreform für 2014.

Die Könige der zweiten Saisonhälfte sind in der Regel die Teams, die das nötige Kleingeld haben, parallel zum Bau des neuen Autos noch etwas Weiterentwicklung am aktuellen Modell zu betreiben. Aber auch jene Rennställe, die ihr Auto besser verstehen als die anderen. Force India ist so ein Beispiel.

Red Bull in beiden Halbzeiten auf Rang 1

Um es kurz zu machen. Red Bull gewinnt alle Wertungen, wenn man die Saison vor und nach der Sommerpause jeweils isoliert betrachtet. Seit 2010 haben die Dauer-Weltmeister jeweils in beiden Teilen der Meisterschaft die meisten Punkte geholt. Gäbe es eine Einzelwertung wäre Red Bull 2010, 2011 und 2012 sechs Mal auf Platz 1 gestanden.

Die Verfolger lassen diese Konstanz vermissen. Ferrari sieht noch am besten dabei aus. Der Traditionsrennstall verbesserte sich 2010 von Platz 3 auf 2, hielt 2011 Rang 3 in beiden Saisonhälften und steigerte sich in der Vorsaison von Platz 4 auf 2.

Das überrascht, weil Ferrari nach der Sommerpause technisch meistens zurückgefallen ist. Der Grund für den Aufschwung ist relativ einfach. Felipe Massa wacht regelmäßig erst am Ende der Saison auf und steuert dann die Punkte bei, die man sich von ihm erwartet.

Negativer Trend bei Mercedes

Bei Mercedes ist der Trend eher negativ. 2010 und 2011 hielten die Silberpfeile Platz 4 in beiden Hälften. Kein großes Kunststück, da die Konkurrenz fehlte. Im letzten Jahr wurde es bitter. Der Fünfte der ersten Saisonhälfte wurde nur Siebter in der zweiten Halbzeit. Trotz großer Bemühungen der Techniker ging es mit der Entwicklung des Fahrzeugs rückwärts statt vorwärts.

"Das haben wir jetzt abgestellt", freut sich Ross Brawn. Auch bei McLaren ist die Formkurve meistens leicht rückläufig. Von Platz 2 auf 3 im Jahr 2010, Rang 2 gehalten in 2011 und erneut von 2 auf 3 in der abgelaufenen Saison. Gleiches gilt für Lotus. 2010: Platz 5 und 5. 2011: Platz 5 und 8. 2012: 3 und 4.

Force India König der zweiten Halbzeit

Force India ist mit Ausnahme von 2010 das Team der zweiten Saisonhälfte. 2011 lag der indische Rennstall bis zur Sommerpause auf Rang 7. Danach rangierte man auf Platz 5. Im letzten Jahr fiel die Steigerung noch deutlicher aus. Achter in Halbzeit 1, Fünfter in Halbzeit 2.

Bei Sauber, Williams und Toro Rosso lässt sich kein eindeutiges Bild erkennen. Sauber steigerte sich 2010 im Verlauf der Saison, fiel 2011 aber deutlich zurück. Bei Williams war es ähnlich. Dem drittältesten Rennstall ging im letzten Jahr hinten raus die Luft aus.

Toro Rosso hielt 2010 und 2012 Platz 9 in beiden Saisonhälften, kam dafür 2011 nach der Sommerpause groß in Fahrt. Das Red Bull-Juniorteam sammelte trotz drei Rennen weniger fast so viele Punkte wie im ersten Teil der Saison. Aus Platz 8 wurde Rang 6. In der Endabrechnung blieb trotzdem nur der achte Gesamtrang.

Ferrari steigert sich drei Mal

Aussagekräftiger sind die Prozentzahlen. Die durchschnittliche Punktezahl pro Rennen zeigt, wer sich wirklich verbessert oder verschlechtert hat. Das einzige Team, das in der zweiten Saisonhälfte grundsätzlich den Punkteschnitt überboten hat, war Ferrari. 2010 fanden 36,8 Prozent der Rennen nach der Sommerpause statt, 2011 waren es 42,1 Prozent und 2012 45 Prozent. Ferrari holte in den vergangenen drei Jahren in der zweiten Saisonhälfte 39,8 (2010), 42,7 (2011) und 52,7 Prozent seiner Gesamtpunktzahl.

Lotus wiederum ist der einzige Teilnehmer, der sich in der zweiten Halbzeit jedes Mal verschlechtert. Die Zahlen: 34,9 (2010), 9,6 (2011) und 36,6 Prozent (2012). Hat das am Ende doch etwas damit zu tun, dass dem Team aus Enstone am Saisonende das Geld knapp wird? Red Bull liegt in allen sechs Saisonhälften immer relativ nahe am Idealwert. Was für die Ausgeglichenheit der dreifachen Weltmeister spricht.

Mercedes fiel 2012 am stärksten ab

Die größten Ausreißer verteilen sich auf verschiedene Teams. Toro Rosso holte 76,9 Prozent der Gesamtpunktzahl in der ersten Saisonhälfte 2010. 63,2 Prozent hätte der Verteilung der Rennen entsprochen. Der Star von Teil 2 des Jahres 2010 war Sauber. Da kamen ab Spa 21 der insgesamt 44 Punkte aufs Konto. Macht 47,7 Prozent. Bei nur 36,8 Prozent der Rennen.

Lotus war 2011 das positive und negative Beispiel. 90,4 Prozent aller Punkte wurden bis zum GP Ungarn erzielt. Klar über dem Schnitt der Rennen mit 57,9 Prozent. Dafür kamen im Herbst der Saison nur 9,6 Prozent der Punkte dazu. 42,1 Prozent hätten es sein müssen.

Force India stand da mit 62,3 Prozent am besten da. Im letzten Jahr verteilten sich die Rennen mit 55:45 Prozent auf die beiden Saisonhälften. Bei der Punkteverteilung sorgte Mercedes mit 74,7 Prozent in Halbzeit 1 und mit 25,3 Prozent in Halbzeit 2 für die beiden Extreme.

Das beste Team zwischen Spa und Interlagos war erneut Force India. Nico Hülkenberg und Paul di Resta sammelten 62 der gesamt 108 Punkte, obwohl die Ingenieure die Entwicklung am Auto eingestellt hatten. Genau das war der Schlüssel zum Erfolg. Fahrer und Ingenieure verstanden das Auto besser.

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