Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Kostenstreit geht in die nächste Runde

20 Millionen-Dollar Spende gesucht

Bernie Ecclestone - Christian Horner - Cyril Abiteboul - Renault - Formel 1 - GP Brasilien - 8. November 2014 Foto: xpb 19 Bilder

Bernie Ecclestone und die Teams versuchen die Formel 1 zu retten. Bislang bleibt es beim Versuch. Die großen Teams werfen den kleinen vor, dass sie schlecht wirtschaften. Die Kleinen fordern einen größeren Anteil vom Kuchen. Gesucht ist ein Zuschuss von mindestens 20 Millionen Dollar pro Jahr, um die gestiegenen Motorkosten zu decken.

09.11.2014 Michael Schmidt

Die Formel 1 ist eine Vierklassengesellschaft. Ganz oben die großen Vier: Ferrari, Red Bull, Mercedes und McLaren mit Budgets zwischen 180 und 300 Millionen Euro. Ihnen gegenüber stehen Lotus, Force India, Sauber und Toro Rosso. Sie geben zwischen 110 und 170 Millionen Euro pro Jahr aus. Williams kann sich nicht entscheiden. Der Rennstall aus Grove zählt sich zu den Großen, gehört aber vom Budget her eher in die zweite Gruppe. Marussia und Caterham haben eine vierte Kategorie aufgemacht. Sie sind in der Hand von Insolvenzverwaltern.

Ungerechte Verteilung der Einnahmen

Das Ungleichgewicht im Feld wird dadurch befeuert, dass Bernie Ecclestone den Kuchen ungleich verteilt. Ferrari, Red Bull, Mercedes und McLaren bekommen zusammen über 60 Prozent der Einnahmen. Dadurch geht die Schere zwischen arm und reich immer weiter auf. Auf der anderen Seite sind die Kosten über den Winter überproportional gestiegen. Die neuen Motoren kosten die Teams rund 25 Millionen Euro mehr als die alten im letzten Jahr.

Die aus Sicht der Privatteams ungerechte Verteilung der Einnahmen und die gestiegenen Fixkosten haben bereits zwei Teams in den Ruin getrieben. Lotus, Force India und Sauber könnten die nächsten sein. Auch bei Toro Rosso wird es eng. Man hört, dass Dietrich Mateschitz seinem B-Team die Mittel kürzen will, und dass sich Hauptsponsor Cepsa zu Real Madrid verabschiedet. Williams hat im ersten Halbjahr 22 Millionen Euro Verlust gemeldet. Trotz der Abfindung von Pastor Maldonados Sponsor PDVSA. Und das war eine Einmalzahlung.

Motorkosten wurden den Teams aufgezwungen

Am Samstag trafen sich Bernie Ecclestone und die Teamchefs zu einer Krisensitzung in Sao Paulo. Mit dem Ergebnis, dass die kleinen Teams eine Spende über jenen Betrag einfordern, die sie die neuen Motoren und ihre Installation mehr belasten. Also zwischen 20 und 30 Millionen Dollar pro Team. Zu den Begünstigten sollen Lotus, Sauber, Force India, Toro Rosso und Williams zählen. "Wir haben die neuen Motoren nicht gewollt. Diese Kosten wurden uns aufgezwungen", spricht Lotus-Chef Gerard Lopez im Namen der Privatteams.

Das Geld soll aus zwei Töpfen kommen. Die vier privilegierten Teams müssten sich von einem Teil ihrer Extrazahlungen trennen. Den Restbetrag muss CVC zuschießen. Mit einer Einmalzahlung ist es nicht getan. Die Kosten kommen jedes Jahr auf die Teams zu. Lotus, Force India und Sauber wollen eine nachhaltige Lösung. Die Parteien, die jetzt in der Pflicht stehen, schieben sich die Verantwortung gegenseitig zu. CVC wartet auf ein positives Signal von den Topteams. Die wollen sich aber erst bewegen, wenn CVC eine höhere Ausschüttung zusichert. "Dann könnte man sogar über Gratismotoren für die Kunden reden", meint Niki Lauda. Der Österreicher bilanziert: "Das Verteilungsproblem hat nichts mit uns zu tun. Das muss CVC lösen."

Am Dienstag nach dem GP Brasilien sollte es zu einem Gespräch mit CVC-Chef Donald Mackenzie kommen. Angeblich ist er bereit, die Schatulle zu öffnen, wenn die großen Teams mitspielen. Da bestehen aber Zweifel. Ferrari und Red Bull pochen auf ihre Verträge. Sie sind der Meinung, dass die Inhaber der kommerziellen Rechte einen größeren Teil der Einnahmen ausschütten müssen.Bernie Ecclestone spielte sein übliches Verwirrspiel. Am Sonntagmorgen sagte er in alle Mikrofone: "Die Verhandlungen sind beendet." Fünf Minuten später traf er sich mit Lotus-Chef Lopez mit dem Vorschlag: "Lass uns über eine Kostendeckelung reden."

Positionen sind verhärtet

Doch auch CVC beruft sich auf Verträge. Der größte Anteilseigner der Formel 1 braucht Geld, um die Anleihen zu refinanzieren, die man auf das Formel 1-Geschäft aufgenommen hat. Im März 2012 besorgte sich CVC 2,3 Milliarden Dollar bei den Banken mit der Formel 1 als Sicherheit. Jetzt noch einmal eine Milliarde. Beides muss bis 2020 zurückgezahlt werden.

Wie weit die Parteien noch voneinander entfernt sind, zeigt sich am Klima der Sitzung. Ecclestone nahm den Ball der Topteams auf und warf den Rebellen vor, dass sie über ihre Verhältnisse leben. Als Beispiel für gutes Wirtschaften wurde Williams genannt. Was ein schlechtes Beispiel angesichts der bereits ausgewiesenen Verluste ist. Ecclestone wärmte alte und schlechte Ideen neu auf. Zum Beispiel drei Autos pro Team oder das Auffüllen des Feldes mit GP2-Autos.

Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn fragt sich: "Welche Agenda steckt hinter solchen Vorschlägen? Ist das der Weg zu Kundenautos und einer Zweiklassengesellschaft. Dann bleiben am Schluss drei oder vier Hersteller übrig, und wir haben eine DTM. Was das bedeutet, sieht man an den Zuschauerzahlen. Bei Kundenautos würde die Lizenz völlig entwertet" Die Gefahr bei diesem Modell ist, dass beim Ausstieg eines Herstellers auch das Kundenteam stirbt. "Weil es seine Strruktur und Kompetenz aufgegeben hat, eigene Autos zu bauen."

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden