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Kostspielige Materialschlacht

Irrer Entwicklungswettlauf in der Formel 1

GP Deutschland 2009 Foto: dpa 60 Bilder

Das Wettrüsten nahm am Nürburgring noch einmal Tempo auf. McLaren-Mercedes, Renault und BMW präsentierten große Entwicklungsstufen. Auch Ferrari und Williams rüsteten auf. Nur Red Bull und Brawn GP hielten sich etwas zurück. Bis zum nächsten Grand Prix.

14.07.2009 Tobias Grüner

Red Bull hatte das große Wettrüsten in Silverstone mit einer B-Version eingeläutet. Obwohl 60 Prozent der Aerodynamik neu war, weigerte sich Red Bull von einem R5B zu sprechen. Genaugenommen hätte es schon der R5D sein müssen, denn es handelte sich um das vierte Facelift dieser Saison. Auch die anderen Teams sind bereits bei der C-, D- oder E-Version angelangt, wenn man den Umfang der Änderungen mit denen der Jahre zuvor vergleicht.

Toro Rosso bekommt Red Bull-Updates

Der bei Toro Rosso abgesägte Sebastien Bourdais wunderte sich: "Was im letzten Jahr der Entwicklungsschritt für eine ganze Saison war, kommt 2009 bei einigen Teams von einem Rennen auf das nächste." Toro Rosso ist beim GP Ungarn in 14 Tagen dran. Dann trägt der STR4 das gleiche Gesicht wie das Red Bull-Erfolgsmodell von Silverstone und vom Nürburgring.

In der Eifel holten McLaren-Mercedes, Renault und BMW zum großen Befreiungsschlag aus. Bei McLaren und Renault kann man sagen, dass die Bemühungen der Ingenieure ins Schwarze getroffen haben. Sie Silberpfeile fanden sieben, Renault fünf Zehntel. BMW verbesserte sich, aber zu wenig. Schätzungen liegen bei zwei bis drei Zehntel. Ohne Testfahrten sind die großen Entwicklungspakete ein Vabanquespiel.

Licht am Ende des McLaren-Tunnels

McLaren machte zum ersten Mal in diesem Jahr einen echten Schritt nach vorne. "Davor war alles verpufft, weil der Frontflügel nicht funktionierte", bedauert Teamchef Martin Whitmarsh. Das Aeropaket mit Frontflügel, Diffusor, Motorabdeckung und Auspuff gab es nur für Lewis Hamilton. Der sieht wieder Licht am Ende des Tunnels. "Für einen Sieg fehlen zwar noch ein paar Facelifts. Aber wir haben jetzt eine Basis."

Heikki Kovalainen machte kein glückliches Gesicht. Er musste mangels Teilen noch das Vorgängermodell fahren. "Ich sehe aus wie ein Idiot", fluchte der Finne, "weil nur die Insider wissen, wie groß der Unterschied zwischen den beiden Versionen ist. Der neue Frontflügel bringt mit dem alten Heck nicht viel. Er generiert vorne mehr Abtrieb, bringt mehr Top-Speed, löst aber das Problem nicht, weil uns im Heck der Abtrieb gefehlt hat."

Alonsos Renault eine halbe Sekunde schneller

Auch bei Renault gab es zwei unterschiedliche Autos. Der neue Frontflügel samt flacherer Motorabdeckung, geänderten Radkappen und modifiziertem Diffusor blieb Fernando Alonso vorbehalten. Den niedrigeren Tank zur Absenkung des Schwerpunkts bekamen beide Fahrer. Die neuen hydraulischen Dämpfer, die weicher ansprechen, hatten zunächst beide Autos an Bord. Bei Piquet wurden sie am Samstagmorgen wieder ausgetauscht, weil sie drei Mal innerhalb einer Stunde blockierten.

Nelson Piquets Einschätzung, dass Alonsos Modellvariante um eine halbe Sekunde pro Runde schneller war, wird von Chefingenieur Pat Symonds geteilt. "Wenn der Unterschied so deutlich ist, fühlt man sich als Team gegenüber dem benachteiligten Fahrer schuldig. Aber die Entwicklungsschritte sind so auf der heißen Nadel gestrickt, dass bei größeren Umbauten oft die Zeit für die Produktion knapp wird." Wird das Wettrüsten bis zum Saisonende so weitergehen? "Der Umfang an Modifikationen schon", sagt Symonds, "aber ich erkenne Anzeichen, dass nun die Kurve, die die Verbesserung der Rundenzeit beschreibt, langsam abflacht."

BMW-Sauber tritt auf der Stelle

Das wird man bei BMW-Sauber nicht gerne hören. Dort gibt es noch Aufholungsbedarf. Der neue Unterboden und der daraufhin angepasste Frontflügel brachten noch nicht den erhofften großen Schritt nach vorne. "Wir sind aber auf dem richtigen Weg", urteilt Nick Heidfeld. Er sehnt jetzt händeringend die nächsten beiden Schritte herbei, die für Valencia und Singapur geplant sind. "Alles dreht sich um den Doppeldiffusor", bestätigt Technikchef Willy Rampf, "und um die frage, wie ich die Eintrittslöcher in den oberen Kanal immer weiter nach vorne bringe, und wie ich immer mehr Volumen für den oberen Diffusor schaffe."

Während im Verfolgerfeld der Entwicklungswettlauf auf Hochtouren läuft, haben sich die beiden Top-Teams eine kurze Ruhepause gegönnt. Red Bull retuschierte den vorderen Teil des Unterbodens und die Leitbleche vor den Seitenkästen. Brawn GP brachte die schon für Silverstone geplanten Änderungen an Front- und Heckflügeländerungen und neuen Bremsbelüftungen. Peanuts im Vergleich zu dem, was McLaren, BMW und Renault aufgeboten haben. Jetzt muss Brawn GP nachlegen. Für Budapest sind neue Flügel hinten und vorne, eine weitere Variation des Diffusors und eine flachere Motorabdeckung geplant.

Toro Rosso von Force India überholt

Den größten Schritt erhofft sich Toro Rosso. Sebastien Buemi will endlich raus aus dem Tabellenkeller, in dem das Team seit dem GP Türkei festgenagelt scheint. "Das umgebaute Auto soll uns neun Zehntel bringen" sagt der Schweizer. "Ich wäre aber schon froh, wenn es nur sieben wären." Aufrüstung tut Not, denn die Force India sind an Toro Rosso vorbeigezogen. "Die werden bald Punkte holen. Da müssen wir nachziehen."

Adrian Sutil erbrachte am Nürburgring den Beweis, wie stark die Force India geworden sind. Der Deutsche qualifizierte sich trotz einer Spritmenge für 25 Runden für Startplatz sieben. Und er wäre ohne die Kollision mit Kimi Räikkönen locker in die Punkte gefahren. Es ist das beste Auto dieses Teams seit den seligen Jordan-Tagen. Geschäftsführer Ian Phillips behauptet: "Wir haben seit Saisonbeginn 1,7 Sekunden gefunden. Und beim GP Europa in Valencia kommen noch mal ein paar Zehntel dazu."

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