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Krieg in der Formel 1

FIA plant Alternativ-Motor für 2017

IndyCar-Motor Honda 2015 Foto: IndyCar 11 Bilder

Bernie Ecclestone und FIA-Präsident Jean Todt wollen die Macht der Motorenhersteller brechen. Deshalb wird der Verband einen Alternativ-Motor für 2017 ausschreiben - einen 2,2 Liter V6 Biturbo. Jedes Team kann dann einen kostengünstigen und siegfähigen Motor kaufen. Die Hersteller werden diesen Plan anfechten.

24.10.2015 Michael Schmidt

Die Formel 1 fährt gerade gegen die Wand. Mercedes dominiert nach Belieben, und es ist kein Ende der Überlegenheit in Sicht. Die Technologie ist zu teuer und zu komplex. Experten zweifeln daran, dass der Vorsprung von Mercedes in den nächsten Jahren jemals aufgeholt werden kann. Trotz mehr Freiheiten bei der Entwicklung. "Wenn Ferrari, Renault und Honda das glauben, lügen sie sich an. Zeit kann man sich nicht kaufen", sagen die Experten.

Es gibt 4 Motorenhersteller, aber 2 Teams haben für 2016 noch keinen Motor. Wenn Mercedes, Ferrari, Honda und Renault auf stur schalten, dann gehen Red Bull und Toro Rosso leer aus. Weil die Werke ihre eigenen Teams schützen wollen. Das schlimme daran: Es gibt keinen Passus im Reglement, der die Hersteller dazu zwingt, eine bestimmte Anzahl von Teams zu beliefern.

Und es gibt auch keinen festgeschriebenen Preis. In der Diskussion waren zuletzt 12 Millionen Euro für neue Motoren, 8 Millionen für alte. Doch entsprechender Antrag der FIA diesen Fehler auszubügeln, wurde von den Autokonzernen abgelehnt.

Stattdessen haben sie den Verband um neue Geschenke angebettelt. Honda, Renault und Ferrari wollen die im Reglement festgeschriebenen Entwicklungsrestriktionen aufweichen, in der Hoffnung damit schneller den Rückstand zu Mercedes aufzuholen. Die FIA stimmte zu.

Weiter baten die Hersteller darum, in Zukunft neue und alte Motoren auf den Markt zu werfen. Auch das hat die FIA abgenickt. Als der Verband im Gegenzug seine Forderungen durchbringen wollte, lief er bei den Herstellern gegen eine Wand. Ferrari drohte sogar mit seinem Veto-Recht.

Alternativ-Motor soll schon 2017 kommen

Spätestens da war auch dem Hybrid-Verfechter Jean Todt klar: Die Motorenhersteller halten alle Zügel in der Hand. Sie bestimmen, wer Motoren bekommt und welche Spezifikation an die Kunden geliefert wird. Damit halten sie den Schlüssel in der Hand, wer schnell und wer langsam ist.

Das war der Auslöser für Todt, sich mit Hybrid-Gegner Bernie Ecclestone zu verbünden. Um den gordischen Knoten in der Motorenmisere zu lösen, soll schon 2017 ein Alternativ-Motor auf den Markt geworfen werden. Die Präsentation ist für kommende Woche geplant. Das Triebwerk soll gut genug sein, einen Mercedes zu schlagen. Und es soll für jeden erhältlich sein. Der Preis ist auf 6 Millionen Euro festgesetzt.

Bei dem Kundenmotor soll es sich um einen 2,2 Liter V6-Biturbo handeln. Das ist die Basis der IndyCar-Motoren, die derzeit von Chevrolet und Honda in der US-Szene angeboten werden. Ob ein Standard-KERS dazukommt wird noch diskutiert. Die Technik dazu wäre kostengünstig verfügbar. Anhand von Simulationen bestimmt die FIA dann, wo das Boost-Limit liegen soll, damit so ein Motor konkurrenzfähig ist.

Die FIA wird wahrscheinlich bereits in der kommenden Woche eine Ausschreibung starten. Man erwartet, dass Cosworth und Ilmor Angebote einreichen. Ilmor wäre bestens gerüstet. Die Truppe von Mario Illien baut die IndyCar-Motoren für Chevrolet. Ilmor müsste das Triebwerk nur von Alkohol auf Benzin umrüsten.

Der Spritverbrauch wird im Vergleich zu den Hybrid-Rennern deutlich steigen. Man rechnet mit 30 bis 40 Liter mehr für die Renndistanz. Und das bedingt den Bau neuer Autos, weil der Tank größer werden muss. Deshalb ist das Debüt des Motors erst 2017 möglich. Der Alternativ-Motor ist auch einer der möglichen Rettungsanker für Red Bull. Womit klar wird, warum die Österreicher im Augenblick nur einen Motor für ein Jahr suchen.

Motoren-Hersteller werden mit Aussstieg drohen

Jetzt ist Krieg programmiert. Um den Vorschlag durchzudrücken, bräuchte die FIA die Mehrheit der Teams. Die bekommt sie, auch wenn viele Rennställe durch Verträge langfristig an die Hersteller gebunden sind. Doch die Kundenteams können es riskieren, auf die Straße gesetzt zu werden. Weil ihnen ein 6-Millionen-Motor viel eher das langfristige Überleben sichert.

Die Hersteller werden gegen den Plan der FIA Sturm laufen und alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, das zu verhindern. Wenn sie fürchten müssen, von einem Auto mit einem Standard-Motor mit relativ simpler Technik geschlagen zu werden, machen die immensen Investitionen in die Entwicklung der aktuellen V6-Turbos keinen Sinn mehr.

Möglicherweise kündigen Mercedes, Honda und Renault unter den Umständen einen Ausstieg ab 2017 an. Ferrari wird vielleicht drohen, aber schlussendlich doch an Bord bleiben. Weil die Formel 1 Teil der Legende ist.

Es wird im Augenblick auch spekuliert, dass Ecclestone und Todt ihren Plan nur als Druckmittel einsetzen, um das zu erreichen, was die Hersteller gerade ablehnen: Preiswerte Motoren für alle. Doch wäre damit nichts gewonnen. Mercedes würde weiter dominieren, und die Hersteller halten politisch das Heft in der Hand. Der Formel 1 stehen stürmische Zeiten bevor.

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