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Krieg in der Formel 1

Nur noch Neustart rettet die Formel 1

Horner & Newey - GP Abu Dhabi 2014 Foto: Red Bull 23 Bilder

In der Formel 1 herrscht Krieg. Große gegen kleine Teams. Mercedes gegen den Rest der Welt. Bernie Ecclestone reibt sich die Hände, und die FIA schaut tatenlos zu. Die Situation ist so verfahren, dass wahrscheinlich nur ein Neustart 2016 die Königsklasse retten kann.

22.11.2014 Michael Schmidt

Wer findet den gordischen Knoten für die Rettung der Formel 1? Bernie Ecclestone, der behauptet, dass die Formel 1 auf ein junges Publikum verzichten kann? Wohl kaum. Die Rechteinhaber, die keinen Dollar in die Formel 1 investieren und stattdessen nur die Kuh melken, um ihre Anleihen zu refinanzieren? Auch nicht. Die FIA, die in der Stunde der Not als interessierter Beobachter auftritt. Sie hat gar nicht mehr die Power irgendetwas zu entschieden. Weil sie sich mit Haut und Haaren an Ecclestone verkauft hat.

Die Teams selbst. Unmöglich. Sie sind zerstritten und denken nur an sich. Ihnen fehlt der Blick für das Ganze. Das Entscheidungsprocedere für Regeländerungen verletzt jedes Wettbewerbsgesetz. Weil die Strategiegruppe darüber entscheidet, welche Vorschläge in die Formel 1-Kommision weitergeleitet werden. In der Strategiegruppe sitzen nur die großen Teams, in der Kommission alle. Die Großen können somit verhindern, dass über die Interessen der Kleinen abgestimmt wird. Beispiel Kostenbremse. Sie wurde bereits in der Strategiegruppe abgewürgt.

Formel 1-Strategiegruppe ist eine Farce

Die Pressekonferenz am Freitag in Abu Dhabi hat gezeigt, wie tief die Gräben sind. Auf Kritik an der Strategiegruppe antwortete Red Bull-Teamchef Christian Horner: "Es ist nur gerecht, dass diese Gruppe über die Zukunft der Formel 1 diskutiert. Wir haben ein Versprechen bis 2020 abgegeben und deshalb ein langfristiges Interesse an dem Sport."

Das ist ziemlich scheinheilig. Red Bull, Ferrari, Mercedes, McLaren und Williams fiel es dank der Sonderzahlungen von Bernie Ecclestone leicht, diese Garantie abzugeben. Würde das Geld in der Formel 1 gerechter verteilt, hätte sich alle Teams bis 2020 verpflichten können.

Auch beim Motor zeigen sich die Parteien unversöhnlich. Mercedes verweigert seinen Konkurrenten mehr Entwicklungszeit und mehr Entwicklungsumfang. Ferrari und Renault ist der Kompromissvorschlag zu wenig. Weil der technische Rückstand ihrer Motoren zu groß ist, und weil ihnen die Zeit davonläuft.

Niki Lauda ist sauer: "Was können wir dafür, wenn die anderen erst im Sommer drüber nachdenken, was sie an ihren Motoren für 2015 ändern wollen? Warum haben sie damit nicht gleich nach dem Rennen in Melbourne angefangen?" Inzwischen sagt der Mann mit dem Kapperl: "Sollen sie 2016 ihre offene Entwicklung haben. Dann werden sie sehen, wie die Kosten explodieren."

V6-Bi-Turbo würde Hersteller vertreiben

Ferrari fordert eine offene Entwicklung. Red Bull brachte einen neuen Vorschlag ins Spiel, der durchaus Anhänger finden könnte. Das entthronte Weltmeister-Team schlägt vor, die aktuellen V6-Turbos weiter zu verwenden, allerdings ohne den komplizierten Hybridanteil. Stattdessen mit einem zweiten Turbolader, ohne Spritlimit und als Kompromissvorschlag für die Grünen ein Standard-KERS. Das würde Kosten sparen, den Lärm zurückbringen und die Hersteller müssten nicht völlig neue Motoren verwenden.

Es würde allerdings auch den Großteil der Hersteller vertreiben. Mercedes und Honda wären sicher weg. Audi oder Porsche würden nie kommen. Ferrari würde in seiner Verzweiflung vermutlich zustimmen. Ob Renault weitermacht oder nicht, muss Red Bull nicht stören. Wenn Renault aussteigt, baut der neue Partner Mario Illien die Motoren. Der Schweizer PS-Papst ist Experte für V6-Turbos. Er baut diese Triebwerke für die IndyCar-Serie. Und genau deshalb hat Red Bull den Vorschlag gemacht. Sie wollen nicht die Formel 1 retten, sondern sich selbst.

Die Krankheit der Königsklasse

Red Bulls Vorschlag zeigt das Grundproblem der Formel 1. Sie ist so teuer geworden, dass die großen Teams nicht mehr verlieren dürfen. Noch nicht einmal ein Privatteam wie Red Bull. Wer rund 300 Millionen Euro ausgibt, muss Siege vorweisen. Alles, was dem im Weg steht, wird aus dem Weg geräumt. Heute sind es die Motoren. Gestern waren es die unberechenbaren Pirelli-Reifen. Ferrari und Mercedes segeln auf dem gleichen Kurs. Das ist die Krankheit der Königsklasse.

Eigentlich kann sie nur ein totaler Neubeginn 2016 retten. "Aber mit einem Reglement, das von A bis Z durchdacht wurde. Es bringt nichts, dort ein Loch zu stopfen und da ein Problem zu lösen", sagt Gerhard Berger. Die Teams sind Teilnehmer. Nicht mehr und nicht weniger. Das Reglement wird von der FIA geschrieben. Die Einnahmen müssen gerechter verteilt werden.

Von den Teams, der FIA und Bernie Ecclestone ist ein Anstoß für einen Neubeginn nicht zu erwarten. Möglicherweise kommt er aus einer ganz anderen Richtung. In Brüssel braut sich bereits ein Gewitter zusammen. Die Diskussionen haben die EU-Kommission aufgeweckt. Die englische Labour-Abgeordnete Anneliese Dodds will das Thema in einer dringenden Angelegenheit erklären. Das könnte das Formel 1-Kartell aufbrechen. Und davor haben die großen Teams, Ecclestone und die FIA die größte Angst.

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