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Krieg zwischen Mosley und Ecclestone

Foto: dpa

Sie waren lange ein unzertrennliches Tandem. Bernie Ecclestone und Max Mosley haben mit ihrer Doppelpass-Strategie die Formel 1 groß gemacht und sie gegen alle Einflüsse von außen verteidigt. Doch nun ist es vorbei mit dem Frieden.

06.06.2008 Michael Schmidt

Sie hatten gemeinsam den Versuch der Automobilhersteller, eine eigene Serie zu gründen, abgewehrt und die Aufgaben klar verteilt. FIA-Präsident Max Mosley bekam die Kontrolle über das Reglement, Bernie Ecclestone über die kommerziellen Rechte. Ecclestone sagte über Mosley einmal: "Ich würde für Max einen Blankoscheck ausstellen." Mosley gab den Vertrauensbeweis umgehend zurück: "Sollte mir einmal etwas zustoßen, würde ich meinen Angehörigen raten, sich an Bernie zu wenden."

Natürlich gab es in den letzten 30 Jahren auch immer mal wieder Streit zwischen den beiden Drahtziehern des schnellen Geschäfts, doch wenn es ernst wurde, kämpften Ecclestone und Mosley Seite an Seite. Oft war auch Show dabei, wenn sich die beiden in den Haaren lagen. In Wirklichkeit spielten sich Max und Bernie nur die Bälle zu. Das machte es für Außenstehende so schwierig, ihre Pläne zu durchschauen.

Offener Krieg

Seit vergangener Woche wird nicht mehr geschauspielert. Seit Max Mosley in seinem Amt als FIA-Präsident bestätigt wurde, herrscht offener Krieg im Oberhaus der Formel 1. Mosley fühlt sich jetzt stärker denn je. Bernie Ecclestone schimpft über Mosley, wo er kann. Kurz vor der Vertrauensfrage vor den FIA-Delegierten nahm er erstmals offiziell Stellung zu Mosleys Sex-Skandal und empfahl seinem früheren Mitstreiter zurückzutreten.

Der Hintergrund der Ehekrise reicht in das Jahr 2007 zurück. Die FIA begann sich in Themen einzumischen, die eigentlich das Hoheitsgebiet von CVC, dem Inhaber der kommerziellen Rechte, sind. Und deren Interessen vertritt Bernie Ecclestone. Zunächst ging es nur um Kleinigkeiten wie die Kontrolle über die Fahrerlagerpässe. Mittlerweile hat sich der Zwist zwischen der FIA und CVC zu einem Krieg um die Macht in der Formel 1 ausgewachsen.

CVC wurde schnell klar, dass ihr Rechtepaket gar nicht soviel wert ist wie angenommen. Das Vetorecht der FIA gegen jeden potenziellen Käufer und die Allmacht des Verbandes in Reglementsfragen entwerten die Formel 1-Rechte und machen sie für Interessenten unattraktiv. Dazu kommt, dass sich die FIA beim Abschluss eines neuen Concorde Abkommens querstellt. Dieser Vertrag hat in der Vergangenheit das Zusammenleben der FIA, des Inhabers der kommerziellen Rechte und der Teams geregelt.

CVC benötigt Stabilität

Im Augenblick ist die Formel 1 ein rechtsfreier Raum. Die Verteilung der Einkünfte von CVC an die Teams ist in individuellen Verträgen festgelegt. Beim Reglement hat die FIA mehr Freiheiten als je zuvor. Der Verband braucht deshalb kein neues Concorde Abkommen. Für CVC ist es ein wichtiger Bestandteil, wenn man die Rechte zum Verkauf anbieten will. Ein Concorde Abkommen garantiert Stabilität.

Trotz Dementis von CVC und Ecclestone halten sich hartnäckig Gerüchte, dass es für die kommerziellen Rechte einen Interessenten gibt, und dass CVC die Rechte veräußern will, bevor ihr Wert weiter sinkt. Voraussetzung dafür ist jedoch ein neues Concorde Abkommen, das Abtreten des Vetorechts durch die FIA und ein Mitspracherecht bei den Regeln, sofern sie kommerzielle Belange betreffen.

Diesem Plan steht Mosley mit seiner Blockadepolitik im Weg. Schlimmer noch: Angeblich gibt es innerhalb der FIA Tendenzen, sich die kommerziellen Rechte zurückzuholen, um dann nach dem Vorbild des Fußballs mit den Teams gemeinsame Sache zu machen. Diesen Gerüchten zufolge prüfen FIA-Anwälte den berühmten 100-Jahre-Vertrag, in dem die FIA die TV-Rechte bis 2101 abgetreten hatte. Das war 2001 der Vorgänger von CVC, die deutsche Kirch-Gruppe. FIA-Lobbyist Alan Donnelly dementiert Spekulationen, der Verband wolle sich die Rechte sichern. Mosleys rechte Hand gibt zu bedenken: "Das würde uns die EU-Kommission sofort verbieten. Sie hat von uns eine klare Trennung von Sport und Geschäft verlangt, und es gibt keinen Grund, warum sie ihre Meinung ändern sollte.

Wer stellte die Falle?

Vor dem Hintergrund dieser Konstellation wird klar, warum es für CVC so wichtig war, dass Mosley abgewählt wird. Ecclestone steht als Geschäftsführer von CVC unter Druck. Von ihm wird erwartet, dass er die Probleme mit der FIA löst. Da kommt ihm der Versuch der FIA, sich die TV-Rechte zurückzuholen, mehr als ungelegen. Jetzt wird im Fahrerlager eifrig diskutiert, ob es zwischen dem Versuch, Mosley zu demontieren und den geschäftlichen Interessen der Beteiligten nicht einen Zusammenhang gibt.

Die Frage aller Fragen: Wer ließ Mosley in die Falle laufen, und wer hat das Video von Mosleys Ausflug ins Rotlichtmilieu in Auftrag gegeben? Ein persönlicher Racheakt wird immer unwahrscheinlicher. Da hören sich Theorien, dass Mosley mit dem Skandalvideo ganz gezielt aus seinem Amt gedrängt werden sollte, um mit einem neuen, unbedarften FIA-Präsidenten leichteres Spiel zu haben, plötzlich viel plausibler an.

Die mit der Aufklärung des Falles beauftragte Detektei Quest hat mittlerweile ein zweites Video sichergestellt, auf dem zu erkennen ist, wie eine der Prostituierten vorab instruiert wurde. Sie sollte Mosley in Szenen zu verwickeln, die man später als Nazi-Verherrlichung deuten kann. Es war eindeutig das Machwerk von Profis. Die mit der Spezialkamera ausgerüstete Prostituierte ist die Frau eines ehemaligen MI 5-Agenten, der Spezialist für Observierungen ist.

Dieser hatte zunächst angegeben, von der Sache erst hinterher erfahren zu haben und nicht in den Fall verwickelt gewesen zu sein. Auf dem besagten zweiten Video ist jedoch zu hören, dass der angeblich unbeteiligte Ex-Agent seiner Frau Anweisungen gibt, wie sie die Kamera, mit der Mosley gefilmt wurde, zu installieren hat. Mosley erhofft sich von der Enttarnung der Hintermänner eine Rehabilitierung. Und vielleicht bringt die Aufklärung auch ein ganz neues Licht in den Kampf um die Vorherrschaft in der Formel 1.

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