Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Kritik an FIA-Strafen

Wird Grosjean zu hart bestraft?

Button vs. Grosjean - GP Ungarn 2013 Foto: xpb 65 Bilder

Es gab nicht viele Überholmanöver beim GP Ungarn, aber die wenigen, die es gab, waren spektakulär. Und kontrovers. Romain Grosjean wurde gleich zwei Mal bestraft. Andere kamen mit einem blauen Auge davon. Waren die Strafen der Sportkommissare gerecht?

01.08.2013 Michael Schmidt

Der Hungaroring ist auch mit DRS eine Rennstrecke, auf der Überholen schwierig ist. Auch in diesem Jahr gab es nur wenige Positionswechsel auf der Strecke, und dabei durften die Piloten erstmals an zwei Stellen den Heckflügel öffnen. Weil der Gegner an diesen Punkten vorgewarnt war, probierten einige Fahrer einen Überraschungsangriff in Passagen, wo es der Vordermann nicht vermutete. Teilweise mit der Brechstange.

Im Fall Romain Grosjean griffen die Sportkommissare hart durch. Der Franzose bekam gleich zwei Durchfahrtstrafen. Eine saß er im Rennen ab, die andere gab es in Form von 20 Strafsekunden nach der Zielflagge. Beide Manöver waren zugegebenermaßen hart. Die Strafen aber auch. Wir blicken noch einmal auf die strittigen Zweikämpfe zurück.

Grosjean gegen Massa

Es passierte in Kurve 4. Langgediente GP-Zuschauer werden sich erinnern. Dort trickste Nigel Mansell 1989 in einem sensationellen Coup Ayrton Senna aus. Grosjean probierte das gleiche mit Felipe Massa. Er wollte in dem 205 km/h schnellen Linksknick außen vorbei. Der Franzose hatte die Nase seines Lotus bereits vorn, musste dann aber mit allen vier Rädern von der Rennstrecke. 3 Zentimeter rutschte er neben die weiße Linie.

Grosjean blieb auf dem Gas und zog vorbei. Die Sportkommissare bestraften ihn wegen Erlangen eines Vorteils durch Verlassen der Strecke. Grosjean verteidigte sich: "Ich lag bereits vorn. Hätte ich reingezogen, wäre ich mit Massa kollidiert. Ich habe so einen Unfall vermieden", verteidigte sich der Franzose.

Selbst Felipe Massa räumte ein: "Grosjean hat die Strafe nicht verdient." FIA-Rennleiter Charlie Whiting sah es anders: "Wir haben da einen Präzedenzfall, als Vettel letztes Jahr in Hockenheim Button überholt hatte. Romain war zwar vorne, aber konnte das Überholmanöver nur abschließen, indem er neben die Strecke fuhr. Er hätte entweder zurückstecken oder hinterher den Platz an Massa wieder abtreten müssen."

Wir meinen: Diese Strafe war zu hart. Es war ein klasse Manöver, bei dem Grosjean schon vor Verlassen der Strecke vor Massa lag. So etwas wollen die Zuschauer sehen. Wer solche Attacken abwürgt, erreicht nur, dass die Fahrer in Zukunft lieber hintereinander herfahren.

Grosjean gegen Button

Tatort Schikane. Dort kann man nur überholen, wenn der Gegner mitspielt. Bei Jenson Button brachen in der 24. Runde die Reifen total ein. Sebastian Vettel hatte ihn in Kurve 4 überrascht. Grosjean rempelte sich vor der Schikane mit ausgefahrenen Ellbogen vorbei, weil ihm sonst die Straße ausgegangen wäre.

Der Lotus-Mann lag bereits eine halbe Länge vor dem McLaren als er immer weiter nach links zog und seinem Gegner schließlich der Platz ausging. Button fluchte über die harte Fahrweise seines Rivalen. "Er hat mich abgedrängt." Die Sportkommissare gaben Grosjean die Schuld für die Kollision, die aber für beide ohne Folgen blieb.

"Grosjean hat den Fehler eingesehen und sich bei Button entschuldigt", erzählte Whiting. Trotzdem hätten die Sportkommissare da beide Augen zudrücken können. Button war wegen seiner Reifenprobleme ohnehin auf dem Weg in die Box. Seine Verfolger Vettel, Grosjean und Alonso fuhren um Welten schneller.

Massa gegen Rosberg

Felipe Massa hat häufig Kollisionen in der ersten Runde. Diesmal traf er in Kurve 5 den Mercedes von Nico Rosberg im Heck. Dabei ging der linke Frontflügel zu Bruch. Etwas Ähnliches ist ihm schon mit Adrian Sutil beim GP Bahrain passiert.

Für Rosberg bedeutete der folgende Ausrutscher in die Auslaufzone der Kurve das Ende aller Hoffnungen auf einen Podiumsplatz. Er fiel schon in der Startrunde auf Rang 12 zurück. Wenn überhaupt, dann hätte man hier dem Brasilianer eine Strafe geben können. Massa hatte keine Chance, Rosberg zu überholen.

Vettel gegen Räikkönen

Mit Jenson Button hatte es geklappt. Doch Kimi Räikkönen war auf der Hut. Als Sebastian Vettel den Finnen in Kurve 4 außen angriff, da machte Räikkönen die Lücke zu. Vettel war dabei noch nicht ganz auf gleicher Höhe. In der Hitze des Gefechts beschwerte sich der Weltmeister am Funk über Kimis kompromisslose Fahrweise. "Er hat mir keinen Platz gelassen."

Red Bull-Berater Helmut Marko schlug in die gleiche Kerbe: "Vettel hat im letzten Jahr in Monza eine Durchfahrtstrafe bekommen, weil er Alonso in der Curva Grande angeblich neben die Strecke gedrängt hatte. Warum geht Räikkönen für den gleichen Tatbestand leer aus?"

Teamchef Christian Horner beschwichtigte: "Kimis Verteidigung war hart aber fair. Das hat auch Sebastian zugegeben, nachdem er sich das Video angeschaut hat. Er hätte es im umgekehrten Fall nicht anders gemacht." Die Sportkommissare hielten zu Recht die Füße still.

Webber gegen Hamilton

Lewis Hamilton hatte zwei entscheidende Überholmanöver auf dem Weg zu seinem ersten Mercedes-Sieg. Nach seinem ersten Boxenstopp kam er am Ende der Zielgeraden sofort an Button vorbei. Vettel stellte sich zehn Runden hinter dem McLaren an. Kritisch wurde es noch einmal, als Hamilton nach dem letzten Stopp hinter Mark Webber auf die Strecke ging.

Es dauerte aber nur drei Kurven, dann presste sich Hamilton in dem bergab führenden Rechtsknick innen an dem Red Bull vorbei. Webber ging die Straße aus. Er musste durch die Auslaufzone.

Der Australier beschwerte sich nicht: "Lewis hatte den Vorteil frischer Reifen. Es war ein tolles Manöver von ihm. Er wäre auch vorbeigekommen, wenn ich auf der Strecke dagegengehalten hätte. Ich wollte aber keinen Schwung verlieren und blieb auf dem Gas. Da musste ich eben einen weiten Bogen fahren." Auch hier gab es keine Kritik aus dem Rennbüro. Wir sagen: Eine Entscheidung mit Augenmaß.

Was halten Sie von den strittigen Manövern beim GP Ungarn? Wurde zu hart, zu lasch oder richtig bestraft. Sagen Sie uns Ihre Meinung.

Umfrage
Waren die Strafen beim GP Ungarn 2013 berechtigt?
Ergebnis anzeigen
Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden