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Formel 1: Rezept gegen die Langeweile?

Zehn Vorschläge für mehr Action

Formel 1 - GP Bahrain - Schumacher Foto: dpa 16 Bilder

Der Formel 1-Saisonauftakt in Bahrain war zugegebenermaßen kein Thriller. Vorschnelle Kritiker schoben den eintönigen Rennverlauf auf das Verbot der Tankstopps. Doch das Problem ist viel komplizierter. Wir zeigen Lösungsansätze und bitten Sie, uns Ihre Vorschläge zu schicken.

22.03.2010 Michael Schmidt

Der GP Bahrain erntete schlechte Kritiken, was allerdings auch an der großen Erwartungshaltung lag. Das Comeback von Michael Schumacher. Der Zweikampf Hamilton gegen Button bei McLaren. Fernando Alonsos erster Auftritt im Ferrari. Sebastian Vettels zweiter Anlauf auf den WM-Titel. Viele offenen Fragen, viel Potenzial für Spannung. Und dann steigt die Formel 1 mit einem Langeweiler in die Saison ein.
 
In den Top Ten gab es nicht ein Überholmanöver, sieht man einmal davon ab, dass Vettel in seinem angeschlagenen Red Bull Alonso, Massa und Hamilton ohne große Gegenwehr passieren lassen musste. Insgesamt gab es nur zwei Positionsverschiebungen in den Punkterängen. Nico Rosberg und Mark Webber verloren Plätze beim Boxenstopp. Da konnten auch ein paar Zweikämpfe im Mittelfeld und bei den Hinterbänklern die Stimmung nicht heben.

Langeweile ist kein neues Problem

Woran lag es, dass der GP Bahrain zu einer Prozession verkam? Vorschnelle Kritiker schoben den eintönigen Rennverlauf auf das Verbot der Tankstopps. Doch das ist etwas kurz gedacht. Ob mit oder ohne Tankstopps, deshalb wird auf der Strecke nicht mehr überholt. Es gibt höchstens mehr Platzverschiebungen durch Boxenstopps. Ist es das, was wir sehen wollen? Eher nicht. Die Zuschauer wollen Rad-an-Rad-Kämpfe auf der Strecke erleben.

Und was manch einer vielleicht schon vergessen hat: Auch der GP Bahrain 2009 war ein Langeweiler. Nicht ein Überholmanöver in den Punkterängen. Trotz Tankstopps. Überhaupt bot Bahrain mit Ausnahme von 2006 eher dürftige Kost. Sind wir mal ehrlich: Wieviel gute Rennen gab es im vergangenen Jahr? Genau sechs: Australien, Malaysia, Deutschland, Belgien, Italien und Brasilien. Der Rest war Taktik und Hinterherfahren.

Verfolger deutlich im Nachteil

Interessanterweise bieten oft die alten Rennstrecken die besseren Rennen und nicht die neuen, die eigentlich so konzipiert wurden, dass man besser überholen kann. Das Hauptproblem schleppt die Formel 1 schon seit zehn Jahren mit sich herum. Die Autos können nicht mehr dicht hintereinander fahren. Das liegt an der extremen Aerodynamik. Das Problem ist nicht nur, dass die Autos nach hinten einen Tornado verwirbelter Luft abstrahlen. Die Aerodynamik ist mittlerweile so sensibel, dass sie nur noch eine saubere Anströmung verträgt. Das wurde durch den Doppeldiffusor noch schlimmer. Er braucht eine absolut verwirbelungsfreie Anströmung, um optimal zu arbeiten. 

Dazu kommen Nebeneffekte, die den Fahrer im Windschatten spätestens nach zwei Runden zwingen, sich zurückfallen zu lassen. Wer zu dicht auffährt, verliert vorne Abtrieb. "Dadurch ruinierst du dir in kürzester Zeit die Vorderreifen und hast vorne weder aerodynamischen noch mechanischen Grip", beschreibt Vettel das Gefühl der Hilflosigkeit. Dazu kommt, dass die am Limit konzipierte Kühlung der Bremsen und Motoren nicht genügend Luft abbekommt, wenn man zu dicht auffährt. Also nichts als Nachteile für den hinterherfahrenden Fahrer. Du kannst eine Sekunde pro Runde schneller sein und kommst nicht vorbei", klagt Vettel.

Bridgestone-Reifen zu gut und zu schlecht

Auch die Reifen spielen eine entscheidende Rolle. Sie lassen im Verlaufe eines Rennens so viele Gummischnipsel auf der Strecke liegen, dass es spätestens ab Runde 20 nur noch eine Ideallinie gibt, die Haftung bietet. Daneben fährt man wie auf Eis. Die aktuellen Reifen von Bridgestone sind entweder zu gut oder zu schlecht. Zu gut in dem Sinne, dass weich und hart in ihrer Haltbarkeit in Bahrain viel zu dicht beieinander lagen. Alle Ingenieure waren sich einig: "Wir hätten mit den weichen Reifen länger fahren können als gedacht." Die Reifen sind aber auch zu schlecht, weil sie viel zu schnell überhitzen. Einmal attackiert, und schon musste der Fahrer eine langsame Runde dazwischenschieben, um wieder Grip zu spüren.

Das Verbot der Tankstopps hat höchstens dazu geführt, dass es jetzt einen statt zwei Boxenstopps gibt. Die Stopps selbst sind heute so perfekt wie gestern. Ganz selten, dass mal was schiefgeht. Der Überraschungsfaktor war auch bei den Tankstopps praktisch gleich null. Das führt uns gleich zum nächsten Problem der Formel 1: Die Perfektion killt jede Spannung. Die Autos fallen praktisch nicht mehr aus. Die Fahrer machen keine Fehler mehr. Die Teams wissen dank Telemetrie, Simulation und GPS-Analyse über alles Bescheid. Mit der Konsequenz, dass alle die optimale Strategie austüfteln.

Radikale Änderungen sind gefragt

Die Diskussion über die Tankstopps zeigt, wie krank der Sport geworden ist. Autorennen sollten ohne jedes künstliche Showelement spannend sein. Wer erzwungene Tankstopps oder Reifenwechsel braucht, um interessante Rennen zu produzieren, hat irgendetwas falsch gemacht. Das wäre ja so, als würde beim Fußball jede Mannschaft während des Spiels zwei Gratis-Elfmeter bekommen.

Das Problem lässt sich nur mit radikalen Änderungen lösen. Ein Schnellschuss wäre fatal, weil er bestimmt nach hinten losgeht. Gute Ideen müssen reifen. Und die Teams müssen endlich mal über ihren eigenen Schatten springen und nicht immer nur daran denken, ob ihnen eine Reglementsänderung hilft oder nicht. Bis 2011 ist ja noch Zeit.

auto motor und sport schlägt folgende zehn Änderungen vor:

1. Standarddiffusor:

Einführung eines Standarddiffusors mit maximal 175 Millimeter Höhe: In diesem Bereich darf man den Ingenieuren keinen Freiraum geben, denn sie werden auch bei einer maximalen Höhe von 175 Millimetern verrückte Lösungen bringen, die dann trotzdem wieder jede Menge Turbulenzen produzieren. Weil zu viel Standard gegen den Geist der Formel 1 geht, sollte die FIA mehr Freiheiten beim Chassis, den Seitenkästen, dem Heckflügel und der Nase zulassen, damit sich die Autos wieder mehr unterscheiden. Da sieht der Fan den Unterschied. Den Diffusor bekommt keiner zu Gesicht.

2. Neues Frontflügelkonzept:

Das Frontflügelkonzept muss neu überdacht werden. Vielleicht sollte man zurück zu den Flügelkonzepten der 80er Jahre, wo der Flügel Teil der Nase war. Der unter der Nase an zwei Stelzen hängende Frontflügel ist auch optisch eine Beleidigung. Als die Flügel noch aus der Nase wuchsen, konnten die Autos jedenfalls noch dicht hintereinander herfahren. Auch die Optik ist wichtig: Bei den aktuellen Autos stimmt gar nichts. Sie sind zu lang und zu schmal.

3. Begrenzung des Radstands

Kürzere Autos, notfalls über die Begrenzung des Radstandes. Mit den langen Autos wird das Überholen noch schwieriger, weil sie mehr Platz auf der Straßen einnehmen. Ein kürzerer Radstand würde die Ingenieure zu breiteren Tanks zwingen, das wiederum beeinträchtigt die Strömung Richtung Heck und kostet Abtrieb.

4. Breitere Reifen:

Der mechanische Grip muss steigen, der aerodynamische sinken. Am Einfachsten geht das durch breite Gummiwalzen.

5. Härtere Reifen

Die Formel 1 braucht Reifen, die ein ganzes Rennen durchstehen können. Außerdem sollten die Gummimischungen nicht so viel Abrieb generieren.

6. Kein Pflichtstopp:

Es muss offen bleiben, ob einer ein ganzes Rennen mit einem Reifensatz durchfährt oder die Reifen wechselt. Bei bestimmten Strecken lohnt es sich vielleicht, mit weichen Reifen und einem Stopp zu fahren statt mit den harten über die gesamte Distanz.

7. Verbot von GPS und Telemetrie:

Je weniger die Teams von sich und ihren Gegnern wissen, umso größer das Überraschungsmoment. Dem Fan ist es völlig egal, was da über die bis zu 28 Bildschirme an den Kommandoständen flimmert. Er bekommt es eh nie zu Gesicht.

8. Nur sechs Mechaniker pro Reifenwechsel:

Mehr Spannung, weniger Kosten: Zwei Mechaniker an den Wagenhebern, je einer pro Rad, plus der Lollipopmann. Da ist die Chance größer, dass nicht alle Boxenstopps unter vier Sekunden ablaufen.

9. Verbot der Starthilfen:

Die Fahrer können dank intelligenter Kupplungen den Druckpunkt besser spüren und damit das optimale Drehmoment für alle Phasen des Starts wählen. Wozu? Die besten Rennfahrer der Welt sollten auch ohne die Unterstützung starten können. Das erhöht das Überraschungsmoment. Im Augenblick ändert sich vom Startplatz bis zur ersten Kurve kaum etwas, weil jeder optimal beschleunigt.

10. Mehr Federweg:

Die Fahrer beschweren sich über jede Bodenwelle. Weil sie wegen ihrer hart gefederten Autos durchgeschüttelt werden wie in der Waschtrommel. Und das nur, weil die Ingenieure sich weigern, die Autos weicher abzustimmen. Das schadet nämlich der Aerodynamik. Wo sind wir eigentlich? Ein Rennauto, das man nicht auf einer welligen Strecke fahren kann, ist kein Rennauto. Die Bodenwellen sind das Salz in der Suppe. Wo gab es in Bahrain die spektakulärsten TV-Bilder? Beim Anbremsen von Kurve 7. Da hat man gesehen, wie die Fahrer zaubern, da flogen die Funken. Der Rest von Bahrain sah aus wie Playstation. Die Streckenbetreiber sollten damit aufhören, Bodenwellen glattzubügeln. Das würde die Ingenieure zu längeren Federwegen zwingen.

Was wollen die Fans?

Was meinen Sie dazu? Schicken Sie uns Ihre Ideen, wie die Formel 1 wieder aufregender werden könnte. Entweder in unserem Formel 1-Forum oder per Kommentar unter diesem Artikel. Wir werden Ihre Ideen dann mit den Experten in Melbourne diskutieren und Sie natürlich über die Ergebnisse informieren.

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