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Lauda & Marko prophezeien

"Nur die Hälfte kommt ins Ziel"

Helmut Marko & Niki Lauda 2013 Foto: xpb 61 Bilder

Die beiden Österreichischen Formel 1-Experten Niki Lauda und Helmut Marko rechnen damit, dass in Melbourne nur die Hälfte der Fahrer die Zielflagge sehen. Red Bull-Berater Marko gibt zu, dass der Sasisonstart für sein Team mindestens 2 Monate zu früh kommt.

04.03.2014 Tobias Grüner

Es war eine launige Runde am Montagabend beim Red Bull-Sender ServusTV. Mercedes-Aufsichtsrat Niki Lauda und Red Bull-Berater Helmut Marko diskutierten über die Erkenntnisse der 3 Testwochen und ihre Erwartungen für den Saisonstart. Wer Lauda und Marko kennt, weiß dass beide eine Art Hassliebe verbindet. Sie sind die einzige Brücke zwischen Mercedes und Red Bull - zwei Teams, die ansonsten nicht sehr viele Berührungspunkte besitzen.

In den letzten 4 Jahren war das Kräfteverhältnis klar geregelt. Gegen die Dauer-Weltmeister um Sebastian Vettel hatte das Silberpfeil-Team nicht viel zu melden. In diesem Jahr könnte das aber anders aussehen. Bei den Testfahrten deutete sich eine neue Hackordnung an. Red Bull sitzt zusammen mit Motorenpartner Renault tief in der Misere. Das Auto läuft nicht zuverlässig, und wenn es mal fährt, läuft es nicht rund.

Red Bull noch nicht bereit für Saisonstart

"Wir sind nicht da, wo wir sein sollten. Der Saisonauftakt kommt für uns mindestens zwei Monate zu früh", gibt Marko in gewohnter Deutlichkeit zu. "Das wird ganz schwer, das aufzuholen. Momentan wissen wir nicht, in welchem Zeitrahmen es möglich ist und ob es überhaupt möglich ist." Bei Mercedes sieht man die Probleme der Konkurrenz natürlich nicht ungern. Die Teams mit dem Stern-Motor im Heck zeigten sich bei den Testfahrten deutlich zuverlässiger.

"Wer früher anfängt, ist früher fertig", frotzelte Lauda in Richtung Marko. Der Red Bull-Konsulent wollte den Spott aber nicht auf sich sitzen lassen: "Kannst Du das auf Französisch sagen? Der Motor kommt von Renault. Die Message muss dorthin gehen." In den Aussagen des LeMans-Siegers von 1972 spiegelt sich der Frust über die Zusammenarbeit mit dem Antriebspartner wieder. Marko nimmt auch hier kein Blatt vor den Mund.

"Wir haben von Renault keine genauen Daten bekommen, zum Beispiel wie heiß es wird, wie viel Luftdurchfluss braucht man und dergleichen. Wir sind in Jerez zum ersten Mal mit dieser Antriebseinheit konfrontiert gewesen. Da sind Kinderkrankheiten aufgetreten, die sich weiterentwickelt haben. Alle vier Renault-Teams sind ungefähr ein Viertel so viel wie Mercedes gefahren. Das sagt ja schon alles", schimpft der Grazer.

Red Bull gibt schwarzen Peter an Renault weiter

Marko hat noch weitere Gründe für die Misere parat: "Problem war, dass Renault im Gegensatz zu Mercedes und Ferrari den Motor nur als Motor ohne Getriebe auf dem Prüfstand laufen ließ. Mit dem Getriebe kommen thermische Probleme, Vibrationen und dergleichen dazu. Und erst als die gesamte Einheit zusammen eingesetzt wurde, hat man gesehen, welche Probleme auftreten."

Marko weiter: "Die Probleme sind beim ersten Test erst akut geworden und auch von Renault erst wahrgenommen worden. Sie haben gedacht, sie bringen einen Antriebsstrang der funktionieren wird. Wir und die anderen Renault-Teams arbeiten jetzt mit voller Kraft, mit Tag und Nacht-Einsätzen auf den Prüfständen. Niki kann ja schon auf Benzinverbrauch schauen. Wir müssen jetzt erstmal sehen, dass das Aggregat rund läuft."

Red Bull hat sogar eigene Ingenieure nach Frankreich geschickt, um die größten Baustellen in Sachen Batterien und Software zu beseitigen. Marko erklärt, wo aktuell der Wurm im System steckt. "Es gibt den konventionellen Turbo-Motor, der ergänzt wird durch die zwei Energie-Rückgewinnungssysteme. Das Zusammenspiel dieser gesamten Aggregate macht es so schwierig, ein harmonisches Fahrverhalten herbeizuführen."

Größtes Problem ist die Software

"Wir kämpfen derzeit mit dem Turboloch. Das wird verstärkt, wenn die elektrische Energie zugeführt wird. Das heißt, Du steigst aufs Gas und es kommt erst nichts. Dann kommt urplötzlich die Leistung und es drehen die Räder durch. Das ist vor allem ein Software-Problem. In unserem Zustand ist es nicht möglich, kontinuierliche Rundenzeiten zu fahren. Wir sind noch zu keiner Auto-Abstimmung gekommen. Zum Glück haben wir einige Daten und können viel über den Simulator machen."

Ohne das Motorproblem wäre Red Bull wieder ganz vorne dabei, behauptet Marko. "Ich glaube, wir haben ein gutes Auto. Es gibt Kurvenmessungen, vor allem in den schnellen Kurven, da war das Auto wieder das schnellste. Aber man braucht einen Motor, der funktioniert. Wir müssen jetzt diese Anfangsphase überstehen." Auch Lauda warnt davor, den Gegner trotz der Probleme zu unterschätzen.

Marko und Lauda erwarten Ausfallorgie in Melbourne

Bis Melbourne wird bei Red Bull in Milton Keynes und bei Renault in Viry Tag und Nacht gearbeitet. Ob der Kraftakt erfolgreich ist, wird sich erst noch zeigen. Aber auch im Mercedes-Lager ist nicht alles rosarot. "Selbst die Teams, die bei den Tests viel fahren konnten, sind noch lange nicht davor gefeit, dass noch irgendwo ein zusätzliches Problem auftritt", warnt Lauda. "Ich behaupte heute, dass in Melbourne das halbe Feld ausfallen wird, wenn es schlecht läuft. Weil einfach zu wenig Testzeit zur Verfügung stand."

Marko stimmte seinem Kollegen von Mercedes zu: "Ich glaube auch wie Niki, dass nur 50 Prozent der Autos ins Ziel kommen. Und von denen wird man einige sehen, bei denen die Rundenzeiten am Ende des Rennens um 5 bis 10 Sekunden heraufschnellen, damit sie mit dem zur Verfügung stehenden Benzin über die Runden kommen."

Neben Mercedes haben beide vor allem Williams auf der Rechnung. "Ich habe schon nach den Quoten für Williams gefragt", gibt Marko zu. "Die sind rausgefahren, haben nie Probleme gehabt, waren immer schnell - nicht ganz so schnell wie Mercedes. Von den Temperaturen sind sie kühlmäßig auch gut unterwegs, was man hört. Das könnte der Geheimtipp sein."

Auch Lauda sieht die Möglichkeit, dass Mercedes von seinem eigenen Kundenteam geschlagen wird. "Kunden sind genauso wichtig wie wir selber. Wenn sie gewinnen, kann ich meinem eigenen Team nur sagen: Wenn die es können, warum können wir es dann nicht? Das sorgt auch für Motivation im eigenen Hause. Das ist ein sehr konstruktiver Konkurrenzkampf."

Und wo landet am Ende Red Bull? Markos Schützling Sebastian Vettel stapelt für den Saisonstart äußerst tief, was die Ziele angeht: "Momentan mal wäre es schon ein Erfolg, wenn wir ins Ziel kommen. Wir sind ja noch nicht so viel gefahren. Wenn die Hälfte ausfällt, dann sollten wir ein paar Punkte mitnehmen."

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