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Lenkproblem führt zu Alonso-Crash

"Erinnere mich an jede Sekunde"

Fernando Alonso - McLaren-Honda - GP Malaysia - Donnerstag - 26.3.2015 Foto: xpb 24 Bilder

Fernando Alonso hat seinen Medizin-Check bestanden. Der Spanier sprach 32 Tage nach seinem Testunfall in Barcelona erstmals über seinen Crash. Er erinnert sich an jede Sekunde des Unfalls. Trotzdem bleiben weiter Fragen.

26.03.2015 Michael Schmidt

Kurz nach 13 Uhr Ortszeit gab es Entwarnung. Fernando Alonso darf am GP Malaysia teilnehmen. nichts anderes hatte man erwartet. Der Spanier bestand den obligatorischen Medizin-Test, dem sich jeder Fahrer unterziehen muss, der bei einem Unfall Kopfverletzungen erlitten hat. Heikki Kovalainen 2008 beim GP Türkei, Felipe Massa 2010 beim GP Bahrain und Sergio Perez 2011 beim GP Kanada mussten auch durch diese Prozedur.

Der 20-minütige Computer-Check testet den Probanten auf Reaktion, Koordination, Gedächtnis, Motorik sowie auf visuelle und akustische Reize. Er ist aber keine Garantie dafür, dass der Fahrer dann auch wirklich fit ist. Sergio Perez erinnert sich an sein geplatztes Comeback nach seinem schweren Trainingsunfall 2011 in Monte Carlo. „Ich habe den Test bestanden. Als ich im Auto saß, bekam ich plötzlich Kopfweh.“ Der Mexikaner musste auf das Rennen verzichten.

McLaren-Lenkung hat plötzlich blockiert

Zwei Stunden nach seiner Rennfreigabe sprach Alonso erstmals über jene verhängnisvolle 21. Runde in Barcelona, Von wegen Gedächtnisverlust oder Blackout. "Ich erinnere mich an jede Einzelheit dieses Tages und des Unfalls, weiß, welche Setup-Änderungen wir vorgenommen haben, weiß auch, dass Vettel erst vor mir lag, dann hinter mir, weil er aus der Boxengasse kam. Mitten in der Kurve ist plötzlich die Lenkung blockiert. Das Auto bog nach innen ab, ich habe vom fünften in den dritten Gang runtergeschaltet und hart gebremst, konnte den Aufprall aber nicht mehr verhindern."

Spekulationen, der Wind könnte ihn aus der Bahn getragen haben, weist der Spanier zurück: "Dazu war ich viel zu langsam. Bei dem Speed hätte nicht einmal ein Hurrican das Auto bewegt. Wenn es der Wind gewesen wäre, hätte ich mit der Lenkung korrigiert, und es hätte mich nach außen abgetragen."

Alonsos Aussagen zum Unfall stehen im krassen Gegensatz zu der Einlassung des Teams, dass der McLaren technisch in Ordnung gewesen ist. Auch das versucht Alonso zu erklären: "Die Daten zeigen tatsächlich nichts. McLaren und mein Manager mussten aber etwas sagen, weil der Druck der Öffentlichkeit zu groß wurde. Das hat die ganzen Spekulationen angefeuert. Mein langer Krankheitsstand hat dazu auch noch beigetragen."

Alonso kann sich nur vorstellen, dass eine Modifikation an der Lenkung zu dem Problem beitgetragen hat: "Wir haben wegen meines speziellen Fahrstils einige Komponenten an der Lenkung verändert. Weil wir nicht wissen, warum die Lenkung blockierte, sind wir jetzt auf die Standardeinstellungen der Lenkkinematik zurückgegangen, so wie sie auch Jenson Button fährt. Außerdem hat McLaren zusätzliche Sensoren angebracht, damit wir bei einem ähnlichen Problem vorgewarnt sind. Vor 20 Jahren hätten wir noch viel weniger über so einen Unfall gewusst, und die Fahrer wären trotzdem wieder eingestiegen."

McLaren hat jede Schraube gecheckt

So weit, so gut. Doch trotz der Aussage sind nicht alle Fragen gelöst. Kein Fahrer steckt ein ungeklärtes Problem mit der Lenkung so einfach weg. Wenn es an der falschen Stelle passiert, kann es fatale Folgen haben. Alonso dagegen scheint sich keine Sorgen zu machen: "Ich habe null Sorgen. McLaren hat im letzten Monat jede Schraube des Autos doppelt und dreifach gecheckt. Danach ist kein Auto in der Startaufstellung sicherer als unseres. Ich wurde in den letztes Wochen so oft von Ärzten gecheckt, dass ich wahrscheinlich der medizinisch am besten untersuchteste Fahrer aller Zeiten bin."

Damit sind wir schon beim zweiten großen Fragezeichen. Alonso bestreitet, jemals das Bewusstsein verloren zu haben. Auch von Erinnerungslücken will er nichts wissen. "Ich weiß noch genau, wie das Auto ein paar Mal gegen die Mauer geschlagen ist. Dann habe ich erst den Funk abgeschaltet und dann das Ers, damit die Streckenposten das Auto berühren können. Ich bin auch nicht im Jahr 1995 aufgewacht oder habe nach dem Unfall italienisch gesprochen, wie vielerorts behauptet wurde. Das einzige Loch, das ich habe, besteht zwischen zwei und sechs Uhr nachmittags. Das liegt daran, dass ich für den Helikopter-Transport sediert werden musste."

FIA-Ärzte sichern sich mit extra Checks ab

Der Medizin-Check in Sepang war laut Alonso Routine. Er selbst hätte sich für Melbourne bereits fit gefühlt, hätte aber auf den Rat seiner Ärzte gehört. Formel 1-Arzt Aki Hintsa erklärt: "Jeder Mensch reagiert anders auf eine Gehirnerschütterung. Die Rehabilitation kann bei dem einen zwei Wochen, bei dem anderen zwei Monate dauern." Hintsa betreut zur Zeit 12 der 20 Fahrer im Feld, darunter auch Fernando Alonso.

Er hat auch eine Antwort darauf, warum der Fahrer eine Gehirnerschütterung erlitt, obwohl der Aufprall mit ein Mal 16 g und dann mit 8 g relativ gering war: "Die Verzögerungswerte sind irreführend. Sie sagen nichts über die Qualität des Einschlags auf das Gehirn aus. In Fernandos Fall kam der Stoß von der Seite, komplett ungefiltert durch das Chassis. Wegen des Einschlagwinkels konnte das Auto keinerlei Energie absorbieren. Alles ging auf den Kopf des Fahrer, der hin und hergeschüttelt wurde."

Bei Alonso kamen zu dem Standard-Test der FIA noch zusätzliche Übungen hinzu. Sie wurden hervorgerufen durch die Vielzahl an wilden Spekulationen, was zu dem Unfall des Spaniers geführt haben könnte. Von einer Bewusstlosigkeit war die Rede, einem Hirnschlag, einem epileptischen Anfall oder gar Gleichgewichtsstörungen.

Die FIA-Ärzte wollten sich nach Rücksprache mit den Ärzten in Barcelona und Aki Hintsa absichern, dass nicht ein medizinisches Problem zu dem Unfall geführt hat, das sich jederzeit wiederholen könnte. Eine Stimme aus dem Umfeld des Fahrers meinte: "Wäre von Anfang an die ganze Wahrheit gesagt worden, wäre es nie zu diesen Spekulationen gekommen."

Alonsos Reha-Programm im Detail

Die Ärzte rieten von einem Einsatz in Australien ab. Weil sich das Gehirn Beschädigungen merkt, solange sie nicht hundertprozentig ausgeheilt sind. Hintsa spricht aus Erfahrung. Er ist auch im finnischen Eishockey-Sport tätig: "Dort kommen pro Saison im Schnitt 150 Spieler mit einer Gehirnerschütterung in unsere Klinik. Sie dürfen erst nach einem streng reglementierten Rehabilitationsprogramm wieder spielen."

Durch das wurde auch Alonso geschickt. Der verunglückte McLaren-Pilot begann nach einigen Tagen der Ruhe zuerst wieder mit gemächlichem Spazierengehen. Dann mit beschleunigter Gangart, dann Radfahren auf dem Hometrainer, schließlich Joggen. "Jedes Mal wird überprüft, ob der Patient irgendwelche außergewöhnlich Symptome zeigt wie Kopfweh, Schwindel oder Erschöpfung. Erst wenn er normal reagiert, darf er in die nächste Stufe aufsteigen", erklärt Hintsa.

Alonso trat am Ende auch Gerüchten entgegen, dass ihm die Pause wegen der schlechten Form seines McLaren-Honda entgegenkam. "Ich bin der glücklichste Mensch der Welt", erklärte der Heimkehrer den verblüfften Zuhörern. "Ich stehe vor einer Herausforderung, einer sehr großen Herausforderung. Aber die Siege werden sich besser anfühlen, wenn wir einmal dorthin kommen. Mit Ferrari hätte ich sicher gute Ergebnisse einfahren können, aber ich wollte nicht weiter immer nur Zweiter oder Dritter sein."

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