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Leser fragen F1-Experten

Die Antworten von Schumi, Sutil und Haug

Michael Schumacher Foto: Daniel Reinhard 23 Bilder

Die auto motor und sport-Leser haben uns wieder fleißig Fragen geschickt. Rekordchampion Michael Schumacher, Force India-Pilot Adrian Sutil und Mercedes-Sportchef Norbert Haug haben sich die Zeit genommen, ausführlich Stellung zu nehmen. Hier sind die Antworten.

21.04.2011

Fragen an Michael Schumacher:

Frage von "Alex H.": Hallo Michael Schumacher, gerne würde ich Dich in dieser Saison noch einmal siegen sehen. Auf welcher Strecke rechnest Du Dir die besten Chancen aus. Welcher Kurs kommt dem Auto am meisten entgegen?

Schumacher: Das ist schwer zu sagen. Ich weiß, auf welchen Strecken ich besonders gerne fahre, zum Beispiel in Spa, jedoch ist es unmöglich jetzt schon zu wissen, welcher Kurs unserem Auto am meisten entgegen kommt. Vor dem GP China hatten wir nicht erwartet, dass wir im Rennen so guten Speed haben würden. Deshalb halte ich mich mit Prognosen zurück. Momentan befinden wir uns in einem Aufholprozess, in dem das Auto ständig  weiter entwickelt wird. Und übrigens: auch ich würde gerne ein Rennen gewinnen...

Frage von "Lukas": Ferrari-Boss Luca di Montezemolo sagte neulich: "Früher waren das Auto und der Fahrer zu je 50 Prozent am Erfolg beteiligt. Heute hat sich das verschoben, das Auto macht 70 Prozent des Erfolgs aus. Das wird auch daran deutlich, dass junge unerfahrene Fahrer mehr Chancen haben als früher." Wie sehen Sie die Entwicklung in der Formel 1. Wird die Formel 1 zu stark technologisiert?

Schumacher: Über den Anteil des Fahrers am Erfolg zu spekulieren ist nicht mein Ding. In der Formel 1 muss alles stimmen, damit ein Team erfolgreich ist. Ein guter Fahrer braucht ein gutes Auto, um zu gewinnen, das ist nun einmal so. Ich finde nicht, dass die Formel 1 zu sehr technologisiert ist, denn gerade die Vielseitigkeit der Ansprüche an den Fahrer sorgt dafür, dass die erfolgreichsten Fahrer eben alles beherrschen."

Frage von "dbwmhn": In der letzten Saison hast Du mit außergewöhnlich guten Starts überzeugt, eine Fertigkeit, die in Deiner "ersten Karriere" gar nicht unbedingt so im Vordergrund stand, zumindest nicht augenscheinlich. Auch in den ersten drei Rennen dieser Saison waren Deine Starts die mit Abstand besten im Feld. Meine Frage daher: Ist das Auto so ein guter Starter oder welches Geheimnis steckt dahinter, dass Dir diese in vielen Rennen meist besser gelingen, als dem Rest des Feldes?

Schumacher: Natürlich liegt es nur am Fahrer! Aber im Ernst, ich denke schon, dass ich über die Jahre die Erfahrung gesammelt habe, um zu wissen wie man gut startet und sich in den ersten Kurven nach vorne arbeitet. Dazu brauche ich natürlich das entsprechend gut vorbereitete Auto, und das gibt mir mein Team.

Fragen an Adrian Sutil:

Frage von "Dreamfly13": Ihr Team macht von Saison zu Saison kontinuierliche Fortschritte, wann glauben Sie, dass man den Anschluss an das vordere Mittelfeld erreichen kann?

Sutil: Wir sind wesentlicher besser als erwartet in die ersten drei Rennen gestartet, auch wenn die Punkteausbeute noch größer hätte ausfallen können. Aber nach den letzten Barcelona Tests hatte ich den Eindruck, dass wir noch weiter weg sind. Ab Barcelona sollten wir soweit sein um wieder aus eigener Kraft um die ersten 10 Positionen zu kämpfen.

Frage von "HistoryFan": Paul di Resta war jetzt im Qualifying drei Mal weiter vorne und im Rennen auch zwei Mal. Natürlich lag das nicht immer nur am fahrerischen Können, trotzdem: Wie sehr gibt es da eigentlich Druck vom Team? Was sind so die Kommentare der Mechaniker, der Teamchefs, wenn die Zeiten von euch beiden verglichen werden?

Sutil: Paul ist ein erstklassiger Fahrer, der einen richtig guten Job macht und einen tollen Einstand hatte. Er kommt aus einer starken Serie und hat die DTM als Meister abgeschlossen. Ich war mir bewusst, dass ich mit Paul einen harten Brocken als Teamkollegen bekomme, was ich auch unterstützt habe. Es gibt vom Team überhaupt keinen Druck oder Vorwürfe an mich. Das ich im Qualifying 0:3 hinten liege, ist ganz sicher nicht das, was ich mir vorgestellt habe. Von außen betrachtet sieht das auch nicht gut für mich aus. Wer sich jedoch die Mühe macht und die Umstände anschaut, sollte zu dem Ergebnis kommen, das es auch 3:0 für mich stehen könnte, wenn die Dinge anders gelaufen wären. Ich suche und brauche ganz sicher keine Entschuldigungen, aber in Melbourne lag ich im Qualifying deutlich vor Paul bis zur Start und Zielkurve. In Malaysia war ich in Q1 vor ihm und in Q2 hat mein Team mir leider den falschen Luftdruck verpasst, was ein deutliches Untersteuern verursachte und eine bessere Zeit verhinderte. In Shanghai musste ich meine schnelle Runde auf weichen Reifen abbrechen, weil Petrov für eine rote Flagge sorgte. Danach gab es keine Zeit mehr um eine weitere Runde zu starten. Wie gesagt, es steht 0:3! Für mich gibt es Erklärungen dafür und ich bin weiter davon überzeugt, das interne Duell am Ende für mich zu entscheiden. Ich bin froh, dass ich einen starken Teamkollegen habe der mich pusht und motiviert ihn zu schlagen.

Frage von "hanswurst": Glauben Sie, dass Nico Hülkenberg 2012 eine echte Chance hat, Sie oder Di Resta bei Force India zu verdrängen? Und wie sehen Sie ihre Chancen, selbst das Team zu wechseln und in ein besseres Auto zu kommen. Bis jetzt sieht es ja leider nicht danach aus, als wären Sie schneller als Di Resta.

Sutil: Ob ich 2012 eine Chance bekomme in ein besseres Auto zu wechseln, hängt ganz sicher von meiner Leistung dieses Jahr ab. Wir haben jetzt drei Rennen absolviert und es kommen noch 16 oder 17 weitere Rennen. Ganz sicher mache ich mir jetzt noch keinen Kopf was 2012 wird. Ich weiß was ich kann und werde alles daran setzen 2011 das eine oder andere Highlight zu setzen. Wir alle kennen das Geschäft und wissen wie schnell sich Dinge ändern. Für mich ist die zweite Saisonhälfte und das Ergebnis am Ende der Saison wichtiger als jetzt nach drei Rennen schon in Panik zu verfallen.

Fragen an Norbert Haug:

Frage von "Passe": Wie sicher sind die Arbeitsplätze im Team, wenn die Podiumsflaute auch in den nächsten Rennen anhalten sollte? Man muss doch auch personell mal was ändern, wenn die bestehende Truppe das nicht auf die Reihe bekommt? Ferrari hat ja vor der Saison Personal von der Konkurrenz abgeworben.

Haug: Wir sind alles andere als eine "Hire and Fire"-Mannschaft in der Mitarbeiter kurzfristig angeworben oder entlassen werden. Unser Team besteht aus äußerst kompetenten Kollegen, die jeden Tag - wie ich selbstverständlich auch - durch harte Arbeit und konstruktiv kritisches Hinterfragen neu dazu lernen. Wenn Sie das letzte Wochenende als Vergleichsbasis nehmen, so hat sich unser Team mit den Besten der Formel 1 auf Augenhöhe gemessen - auch wenn Red Bull grundsätzlich noch schneller als alle anderen ist. Unter diesen Besten ist auch Ferrari, die seit Bestehen der Formel 1 mehr gewonnen haben, als alle anderen Wettbewerber. Mercedes und seine Partner - zu denen natürlich zuvorderst auch das GP China-Siegerteam McLaren Mercedes gehört - haben in den letzten 14 Jahren über 70 von insgesamt rund 250 Grand Prix gewonnen. Unser neues Werksteam MERCEDES GP PETRONAS will diese Erfolgsbilanz weiter ausbauen und dazu bedarf es einer Lern- und Aufbauphase. Am letzten Sonntag war der erste Sieg für Nico Rosberg mit unserem Auto zumindest in Reichweite. Und auch wenn es Rückschläge geben wird: Wir werden unser Ziel, regelmäßig um erste Plätze zu fahren, in Zukunft mit unserm eigenen Team so schaffen, wie uns das in der Vergangenheit bis hin zum letzten Sonntag mit unseren Partnerteams gelungen ist.

Frage von "redbull": Früher galten die Mercedes-Motoren immer als die stärksten im Feld. Ist das immer noch so? Und wie sehen Sie den Vergleich beim Benzinverbrauch? Ich habe gehört, dass Renault da etwas besser ist?

Haug: Ich kenne die Werte unserer Konkurrenten nicht, aber sowohl unser Motor wie auch unser KERS werden in der Branche wiederholt als Messlatte genannt. Dies haben nicht wir proklamiert, das behaupten vielmehr viele, die uns beurteilen. Dass unsere Wettbewerber hochkompetente Arbeit leisten, ob sie Ferrari, Cosworth oder Renault heißen, daran gibt es keinen Zweifel. Wer in der Formel 1 weniger Sprit als sein Konkurrent verbraucht, hat in der Regel weniger Leistung. Ich denke, dass wir im spezifischen Verbrauch bestens aussehen - im absoluten Verbrauch ist es mir lieber - siehe oben - wenn wir nicht den Bestwert definieren."

Frage von "Mark Kicke": Angeblich wurde der Mercedes für Shanghai auf eine Version zurück gebaut, die der am Ende des letzten Barcelona-Tests sehr ähnelt. Stimmt dies und wenn ja, bedeutet das, dass man die vergangenen Wochen in die falsche Richtung entwickelt hat, und nun die Ergebnisse abschreiben und wieder von vorne beginnen muss?

Haug: Wir haben am letzten Wochenende beim GP China kein anderes Auto als bei den beiden Rennen zuvor an den Start gebracht. Es ist unseren Fahrern Michael Schumacher, Nico Rosberg und unserer Mannschaft in Schanghai gelungen, die Abstimmung unserer Formel Fahrzeuge so zu gestalten, dass beide Fahrer im Rennen über die gesamte Distanz konkurrenzfähige Zeiten fahren konnten und Nico Rosberg letztlich nach 300 Kilometern knapp 14 Sekunden hinter Sieger Lewis Hamilton im McLaren Mercedes ins Ziel kam. Michael Schumacher als Achtplatziertem fehlten - vom 14. Platz gestartet - nach 56 Runden 31,026 Sekunden auf Platz 1, Michael verlor also, inklusive Verkehr und seinen Überholvorgängen durchschnittlich pro Runde weniger als eine halbe Sekunde auf Lewis Hamilton. Wie über fünfeinhalb Millionen Fernsehzuschauer in Deutschland bei RTL live verfolgen konnten, waren für Nico wie für Michael bessere Ergebnisse möglich, hätten wir uns bei der Kalkulation der im Rennen benötigten Kraftstoffmenge nicht anhand der Werte aus dem Training vertan. Ohne im letzten Renndrittel Sprit sparen zu müssen hätte Nico einen weitaus geringeren - Nico selbst meint vielleicht sogar gar keinen - Rückstand auf den Sieger gehabt. Michael hätte dann besser in den Punkterängen klassiert sein können. Aber hätte und wäre macht keine Punkte in der Formel 1 - unser Potential beim letzten Rennen ist so allerdings zutreffend beschrieben.

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