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Lewis Hamilton im Interview

"Ich bin nicht relaxt"

Lewis Hamilton Foto: xpb 73 Bilder

WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton macht im Gespräch mit auto motor und sport.de ein erstaunliches Bekenntnis. Der WM-Titel von 2008 ist für ihn kein Ruhekissen. Von wegen locker. "Ich kämpfe, als hätte ich noch nie eine Weltmeisterschaft gewonnen."

24.07.2010 Michael Schmidt

McLaren hat Sie und Jenson Button für PR-Zwecke ein Formel 1-Auto zusammenbauen und ein Zelt aufstellen lassen. Welche Aktion war die spannendste?
Hamilton: Die, als wir das Auto zusammengebaut haben. Das Zelt war einfach. Ich habe Jenson um 30 Sekunden geschlagen. Das mit dem Auto war echt kompliziert, auch wenn ich seit Jahren den Jungs zuschaue, wie sie am Auto arbeiten. Aber Zuschauen und Selbermachen ist ein Riesenunterschied. Es war eine tolle Erfahrung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass viele Fahrer hier im Feld wissen, wie das geht.

Red Bull hat das schnellere Auto, aber sie führen die WM an. Was machen Sie besser?
Hamilton: Unser Auto ist zuverlässiger, und wir minimieren unsere Fehlerquote. Die anderen machen Fehler, und wir profitieren davon.
 
Kann man das lernen: Die Chancen nutzen, die sich einem bieten?
Hamilton: Gegen Defekte bist du machtlos. Das ist ein Teamsport. Alle müssen einen guten Job machen, wenn man seine Chancen nutzen will.
 
Können Sie die Saison überstehen, wenn Red Bull weiterhin das schnellere Auto hat?
Hamilton: Auf keinen Fall. Sie werden an ihrer Zuverlässigkeit arbeiten, sie werden weniger Fehler machen. Deshalb müssen wir unser Auto verbessern, damit wir den Druck hochhalten können. Nur so zwingen wir sie in Fehler.
 
Wo ist der Red Bull noch schneller?
Hamilton: Sie sind unglaublich gut in schnellen und mittelschnellen Kurven. Das spricht für einiges mehr an Abtrieb.
 
Haben Sie in Silverstone zu viele neue Dinge am Auto probiert?
Hamilton: Glaube ich nicht. Jedes Team hat seinen eigenen Stil. Wir bringen jedes Rennen neue Teile. In Silverstone war das Paket etwas umfangreicher als sonst. Es wäre unmöglich gewesen, das in Einzelschritten zu bringen. Es war ein in sich geschlossenes System. Ich weiß, dass einige andere Teams lieber ein paar Rennen warten, und dann einen großen Entwicklungsschritt ausprobieren, aber das ist nicht unsere Arbeitsweise. Für uns hat sich unsere Philosophie bewährt.
 
Ist es ein Vorteil für McLaren, dass Sie und Button gut zusammenarbeiten, während es bei Red Bull Differenzen zwischen den Fahrern gibt?
Hamilton: Es ist insofern ein Vorteil, dass wir uns auf die Entwicklung des Autos konzentrieren können.
 
Sie haben mit Alonso erlebt, was Red Bull jetzt durchmacht. Wie viele Punkte haben Sie damals hergeschenkt?
Hamilton: Das war eine Zeit, in der vieles falsch gemanagt wurde. Wir haben daraus gelernt. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.
 
Die englische Presse sucht nach Kontroversen zwischen Ihnen und Button. Hatten Sie vor der Saison Bedenken, dass es dazu kommen könnte?
Hamilton: Ich hatte keinerlei Bedenken. Warum auch? Mit Heikki Kovalainen bin ich wunderbar ausgekommen. Warum sollte das mit Jenson anders sein? Ich kannte ihn ja schon vorher und wusste, was ich zu erwarten hatte.
 
Hilft es, dass Sie beide bereits Weltmeister waren. Sind Sie mehr relaxt?
Hamilton: Ich bin nicht relaxt. Ich kämpfe als hätte ich noch nie eine Weltmeisterschaft gewonnen.
 
Ist Ferrari noch ein Faktor?
Hamilton: Absolut. Sie haben das zweitschnellste Auto im Feld. Noch vor uns. Du musst immer das Schlimmste erwarten. Wenn Ferrari seinen Speed umsetzt, können sie uns noch gefährlich werden.
 
Die Leute vergleichen Sie und Button mit Senna und Prost. Button der Taktiker, Sie der Angreifer. Stimmen Sie dem zu?
Hamilton: Ich finde, das ist ein oberflächlicher Vergleich. Ich bin nicht nur aggressiv. Wie sollte ich sonst die meisten Überholmanöver im Feld haben? Wäre ich aggressiv, würden 90 Prozent dieser Manöver in die Hose gehen. Wenn es ums Überholen geht, bin ich ein Taktiker. Ich lege mir da eine Strategie zurecht. Das hat nichts mit Aggression zu tun. Einige Leute behaupten, dass ich sie eher an Gilles Villeneuve erinnere. Ich bin weder Senna noch Villeneuve. Ich bin Hamilton. Ich mag es nicht mit anderen Fahrern verglichen zu werden. Sie sind Legenden und stehen für sich allein da. Jeder ist seine eigene Persönlichkeit.

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