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Lewis Hamilton im Interview

"Motivation war für mich nie eine Frage"

Lewis Hamilton Foto: Daniel Reinhard 32 Bilder

In seinem dritten Jahr lernt Weltmeister Lewis Hamilton erstmals die Schattenseite in der Formel 1 kennen. Mit seinem McLaren-Mercedes kann der 24-jährige Brite derzeit nicht mithalten. Statt um Siege zu fahren dümpelt er im Mittelfeld herum.

16.06.2009

Wie würden Sie Ihre Saison bislang beschreiben?
Hamilton: Sie war bisher ganz sicher nicht fantastisch. Der Start war ziemlich dramatisch, aber inzwischen hat sich alles wieder beruhigt. Wir haben viel gelernt. Das alles war eine ziemliche Herausforderung für mich und mein Team.

Hatten Sie so etwas vor der Saison erwartet?
Hamilton: Sicher nicht. Wir hatten 2008 und 2007 so starke Jahre und dann versucht, uns für diese Saison sogar noch besser aufzustellen. Es war ein wenig eine Reise ins Ungewisse mit neuem Reglement und deutlich veränderten Autos. Angekommen sind wir mit einem Auto, das zwar gut aussieht, aber noch nicht wirklich schnell genug fährt.

Wo sehen Sie die Gründe für diese Situation?
Hamilton: Das Problem ist das Design des Autos. In Hochgeschwindigkeitskurven ist das Auto nicht so gut wie die Spitze. Deshalb verlieren wir viel Zeit in den schnellen Kurven. Es fehlt an Abtrieb.

Lewis Hamilton erstellt ein Kunstwerk 2:59 Min.

Gibt es Hoffnung, den Rückstand auf die Spitze noch aufzuholen?
Hamilton: Dieses Jahr? Ich denke kaum, wenn man sich die Statistiken anschaut und realistisch ist. Das Auto von Brawn ist schnell und bisher nicht einmal ausgefallen, seit es fährt. Es ist die Messlatte, schnell und fährt immer weiter. Ein Grund dafür ist auch unser Motor, der Mercedes-Motor, den wir entwickelt haben. Das ist für mich der beste Motor, den es derzeit gibt. Brawn hat ihn auch bekommen und sie machen damit einen fantastischen Job.

Sollte Ihr Team deshalb nicht seine ganze Kraft schon jetzt für die Entwicklung des Autos für das kommende Jahr einsetzen?
Hamilton: Nein. Wir müssen aus diesem Jahr lernen und deshalb weiter hart arbeiten. Wir müssen das Auto die ganze Saison über verstehen lernen und trotzdem mit einem Auge auf die Entwicklung des Wagens für das kommende Jahr schauen. Aber der einzige Weg vorwärtszukommen, ist zu wissen, wo wir stehen und welche Fehler wir gemacht haben.

Der Mercedes-Motor läuft bestens, ist damit also Partner McLaren schuld an den Problemen?
Hamilton: Es ist das McLaren-Mercedes-Team. Wir verlieren und gewinnen als Team. Niemand trägt allein die Schuld. Natürlich hilft im Moment der Mercedes-Motor, uns auf einem bestimmten Level zu halten und der uns zumindest Mittelfeldplätze ermöglicht. Der Motor ist nicht das Problem.

Fällt es Ihnen schwerer, sich derzeit zu motivieren?
Hamilton: Motivation war für mich nie eine Frage. Ich bin mit einem großen Maß an Entschlossenheit geboren. Motivation hat mir nie gefehlt. Ich plage mich auch im Moment nicht herum. Ich genieße die Herausforderung, das Auto zu verbessern und das Team in die richtige Richtung für die Zukunft zu führen.

Haben Sie besondere Unterstützung gesucht für die aktuelle Lage?
Hamilton: Ich hatte niemals jemanden für spezielles Fahrtraining oder einen Coach für beispielsweise Mentaltraining. Und ich denke nicht, dass ich das jemals brauchen werde.

Im vergangenen Jahr kamen Sie als WM-Kandidat und Held der Nation nach Silverstone. Wird Ihnen das dieses Jahr fehlen?
Hamilton: Ich kann in diesem Jahr nicht den Titel gewinnen, aber das ist nicht mein Fehler. Trotzdem ist Silverstone immer etwas Besonderes für mich, weil ich großartige Unterstützung dort bekomme. Meine Familie kommt zum Rennen, sehr viele Besucher stehen hinter mir, auch wenn ich nicht gewinnen kann. Das Tolle ist, dass wir dennoch einen britischen Fahrer haben, der den Wunsch der Fans erfüllen kann.

Sie sprechen von WM-Spitzenreiter Jenson Button. Kann ihn noch jemand auf dem Weg zum Titel aufhalten?
Hamilton: Es ist nie vorbei, bis es vorbei ist. Ich denke, Jenson ist derzeit der stärkste Fahrer. Er hat das richtige Selbstbewusstein. Wenn man die ganze Zeit gewinnt, dann baut sich das auf. Er hatte eine Menge harter Jahre, in denen er den Grundstein gelegt hat. Jetzt zieht er auf und davon. Ich denke, ihn kann keiner mehr stoppen.

Ist er für sie nur Kollege oder Freund?
Hamilton: Er ist einfach einer meiner Konkurrenten. Ich bin mit den meisten befreundet. Wir sprechen alle miteinander und respektieren uns, aber sind trotzdem harte Rivalen.

Stört es Sie, dass gerade ein britischer Fahrer Ihnen wohl den Titel abnehmen wird?
Hamilton: Überhaupt nicht. Ich habe im letzten Jahr den Titel gewonnen. Wenn ich das passende Auto hätte, würde ich auch jetzt wieder um die Weltmeisterschaft kämpfen. Es macht keinen Unterschied für mich. Jeder Rennfahrer hat gute und schlechte Jahre. Man muss daraus lernen und im nächsten Jahr stärker zurückkommen.

Haben Sie nach der Lügen-Affäre von Australien wirklich an den Rücktritt aus der Formel 1 gedacht?
Hamilton: Nein. Ich musste alles einfach analysieren und sicherstellen, dass so etwas nicht wieder passieren kann, und dies ist der Fall.

Haben die Ereignisse Ihr Verhältnis zum Team beschädigt?
Hamilton: Ich denke, es hat das Verhältnis nicht beeinträchtigt. Es ist wie bei einem Freund oder Familienmitglied: Wir haben so eine lange Beziehung, dass eine Sache sie nicht verderben kann. Wir stehen da drüber. Ich hatte eine unglaubliche Unterstützung vom Team, sie haben großes Vertrauen in mich und umgekehrt. Sicherlich haben wir jetzt gerade harte Zeiten und freuen uns, dass bald auch wieder bessere kommen.

Wie nehmen Sie die anhaltenden Spekulation über Ihren künftigen Teamgefährten wahr?
Hamilton: Ich habe das ein oder andere gehört, aber ich bin sehr zufrieden mit Heikki Kovalainen als Teamkollege. Er ist aufmerksam, freundlich und sehr talentiert. Er ist sehr stark und hat dabei geholfen, das Team vorwärtszubringen. Ich genieße es, mit ihm zu arbeiten und hoffe, dass er bleibt.

Wenn nicht, wäre Nico Rosberg eine Alternative?
Hamilton: Es könnten theoretisch eine Menge anderer Fahrer kommen. Keine Ahnung.

Wie wäre denn Ihr idealer Teamgefährte?
Hamilton: Vielleicht jemand, der gleichberechtigt ist, einem den Rücken freihält, Punkte sammelt, das Team weiterbringt und mithilft, Titel zu gewinnen.

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