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Lewis Hamilton schießt Eigentor

Dreifachfehler von Hamilton

Lewis Hamilton Foto: McLaren 30 Bilder

Lewis Hamilton fuhr als Favorit nach Monza und kehrte mit leeren Händen wieder nach Hause zurück. Der WM-Zweite verspielte mit drei Fehlern leichtfertig WM-Punkte. Das tut dann besonders weh, wenn es auf einer Rennstrecke passiert, auf der ein Podestplatz fest eingeplant war.

14.09.2010 Michael Schmidt

Das ist der Alptraum jedes Fußballers: Du stehst vor dem leeren Tor und schießt daneben. Ungefähr so ging es Lewis Hamilton in Monza. Der McLaren-Pilot schenkte auf einer Rennstrecke seine WM-Führung her, wo er fest eingeplant hatte, seine Spitzenposition auszubauen. Wenn möglich mit einem Sieg.

Hamiltons Reaktion nach der Kollision mit Felipe Massa zeigte den ganzen Frust, der sich an dem unglücklichen Wochenende von Monza in ihm aufgestaut hatte. Frust über einen total verkorksten Grand Prix. Den ganzen langen Weg von der Lesmo-Kurve bis ins Fahrerlager behielt Hamilton seinen gelben Helm auf dem Kopf. Dann verschanzte er sich im McLaren-Glaspalast.

Nach Reden war ihm nicht zumute. Bis Teamchef Martin Whitmarsh Trost spendete. "Ich habe ihm keinen Vorwurf gemacht. Das war ein Rennunfall, wie er in der Hitze des Gefechts passieren kann. Wir schätzen Lewis so wie er ist. Dass er mit dem kaputten Auto bis zur Lesmokurve weitergefahren ist, war typisch Lewis. Der gibt nicht auf, bis die Räder vom Auto fallen."

Falsche Entscheidung in puncto F-Schacht

Der Unfall in der zweiten Schikane beendete ein Wochenende, das für Hamilton schon mit einem Fehler begann. Eigentlich hätte es der Weltmeister von 2008 gar nicht nötig gehabt auf die Karte Risiko zu setzen. Sein McLaren-Mercedes war auch mit einer konservativen Abstimmung siegfähig wie Jenson Button bewiesen hat. Der vertraute auf einen Spa-Flügel mit viel Abtrieb und den F-Schacht.

Hamilton wird sich vermutlich noch lange fragen, welcher Teufel ihn geritten hat, auf das Setup für minimalen Abtrieb zu setzen. Bei den Vergleichstests am Freitag war seine Version zwar um 0,056 Sekunden schneller als die von Button, doch das war nur die Momentaufnahme einer Runde. Auf die Distanz würden die Reifen und die Bremsen leiden. War es das wert nur wegen acht km/h mehr Top-Speed? Wenn Button mit seinem Setup auf den zweiten Startplatz fahren konnte, dann wäre für Hamilton sogar die Pole Position drin gewesen.

Hamilton setzt auf Top-Speed

Der dreifache Saisonsieger wollte besonders schlau sein und schoss sich damit ein klassisches Eigentor. "Ich habe geglaubt, dass ich mit dem geringen Abtrieb irgendwie klarkomme. Mir war der Top-Speed wichtig." Doch warum riskieren? Hamilton kam als WM-Spitzenreiter nach Italien. Der McLaren war für Monza ein potenzielles Siegerauto. Es gab keinen Grund etwas grundlegend anderes zu machen als die direkte Konkurrenz.

Monza bot die Chance, die Red Bull weiter abzuhängen. Um Fernando Alonso musste sich Hamilton keine Sorgen machen. Ein Sieg des Ferrari-Fahrers hätte Hamilton kaum gestört, wenn er wenigstens Zweiter oder Dritter geworden wäre. So spielte er Alonso einen Steilpass zu im Titelrennen wieder aufzuschließen.

Umrüstung am Samstag nicht mehr möglich

Die Wahl des Setups war schon deshalb ein Fehler, weil es für Hamilton nach dem dritten Training eigentlich kein Zurück mehr zur konservativen Variante gab. Selbst wenn er da seinen Fehler eingesehen hätte. Dazu waren die beiden Konfigurationen zu verschieden. Für Buttons Abstimmung wäre der siebte Gang viel zu lang übersetzt gewesen. Dann hätten auch die Anschlüsse in den unteren Gängen nicht mehr gepasst. Und die Getriebeabstufung darf am Samstag nicht mehr angefasst werden.

Die Qualifikation gab Hamilton schon einen Vorgeschmack, was am Sonntag passieren würde. Sein Top-Speed-Vorteil würde in dem Augenblick verpuffen, in dem sich das Feld sortiert haben würde. "Das Auto ist so stark gerutscht, dass ich im Ausgang der Parabolica nicht am vorausfahrenden Fahrzeug dran bleiben konnte. Je weniger Abtrieb du hast, umso mehr spürst du die Turbulenzen der anderen Autos."

Hamilton mit Fehler im Qualifying

Unter diesem Gesichtspunkt verstand BBC-Reporter Martin Brundle nicht, warum Hamilton im Finale des Abschlusstrainings so dicht hinter Mark Webber fuhr. "Lewis hatte genug Zeit, zwischen sich und Webber eine größere Lücke zu lassen. Ihm musste klar sein, dass er mit seinem Auto in den Turbulenzen Probleme bekommt." Hamilton gab zu: "Mit einer freien Runde wäre ich vielleicht einen Platz weiter vorne gelandet."

Der fünfte Startplatz setzte Hamilton unnötig unter Druck. Er musste in der Startrunde Plätze gutmachen, weil er später dazu nicht mehr in der Lage sein würde. Dieser Zwang ist in Monza gefährlich, weil die ersten beiden Schikanen ein Nadelöhr sind. Am ersten Bremspunkt ging noch alles gut. Hamilton zog an Webber vorbei auf Platz vier.

Dritter Hamilton-Fehler: Crash mit Massa

Dann passierte ihm der dritte Fauxpas. Statt sich damit zufrieden zu geben, wollte Hamilton mehr. Er nahm die beiden Ferrari ins Visier. Es musste ihm klar sein, dass Felipe Massa nicht nachgeben würde. Er hatte den Auftrag Alonso abzuschirmen. Außerdem stoßen Hamiltons optimistische Attacken im Startgetümmel bei seinen Kollegen sauer auf. "Der stellt dir auch in aussichtslosen Situation ein Rad rein, in der Hoffnung, der andere gibt nach", beschwerte sich Sebastian Vettel nach den Hamilton-Attacken in Valencia und Silverstone.

Massa hatte nie die Absicht nachzugeben: "Ich fuhr die Schikane schon weiter innen an als Fernando. Also war für Lewis gar kein Platz mehr. Ich spürte nur einen Schlag von hinten und hoffte, dass mein Auto nichts abgekriegt hat." Hamilton nahm die Schuld an dem Unfall sofort auf seine Kappe. "Ich hätte mit dem Angriff auf Platz drei besser ein bisschen gewartet."

Titelkampf wieder offen - Webber Favorit

Der McLaren-Star büßte schwer für seine drei Fehler. Alonso, der eigentlich schon aus dem Titelkampf war, machte die Maximalpunktzahl auf ihn gut. Teamkollege Button verkürzte den Abstand von 35 auf 17 Punkte. Das schützt Button weiter vor einer offenen Stallregie. Bei der geringen Differenz seine Karten auf einen Fahrer zu setzen, wäre fünf Rennen vor Schluss fahrlässig. Vettel holte 12 Punkte auf Hamilton auf und ist wie Alonso und Button wieder voll im Geschäft. Und zu allem Überfluss ging die WM-Führung auch noch an Webber über. Und der Australier hat für die kommenden Rennen in Singapur und Suzuka das bessere Auto.

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