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Hamilton stolz auf Arbeit neben der Strecke

"Nicht durch Glück Dreifach-Champion"

Lewis Hamilton - GP Bahrain 2016 Foto: Wolfgang Wilhelm 73 Bilder

Lewis Hamilton hat am Rande des GP Rennens in Bahrain verraten, warum er das Snapchat-Verbot nicht nachvollziehen kann, warum Niki Lauda ein wichtiger Bestandteil des Mercedes-Teams ist und warum er stolz auf seine Arbeit neben der Rennstrecke ist.

06.04.2016 Tobias Grüner
Stimmt es, dass Sie sich ein Piano ins Hotelzimmer von Melbourne bestellt haben?

Hamilton: Nicht ganz. Ich habe sie gefragt, ob sie ein Zimmer mit Klavier haben. Ich versuche mir das Spielen gerade selbst beizubringen. Sie hatten glücklicherweise gerade ein Klavier da, weil eine Künstlerin in ihrem Zimmer für ein Konzert geübt hat. Es wurde dann in mein Zimmer gestellt. Ich versuche jetzt immer ein Zimmer mit Klavier zu bekommen.

Auch in Bahrain?

Hamilton: Da habe ich keines in meinem Zimmer. Es ist aber eins im Haus.

Wir haben gehört, dass Sie keine Videos aus dem Fahrerlager mehr über Snapchat verbreiten dürfen. Wer hat Ihnen das verboten? Das ist doch gute Werbung für die Formel 1.

Hamilton: Das stimmt. Sie haben dem Team Bescheid gesagt. Und die haben mir die Anweisung weitergeleitet. Das ist wirklich verrückt. Die TV-Kameras haben nur den Blick von außen und sie bekommen nicht alles mit. Die Fans würden aber gerne wissen, was in meiner Garage passiert. Ich würde ihnen gerne einen tieferen Einblick in mein Leben geben, als ihn die TV-Kameras bieten können. Das schadet doch niemandem. Im Gegenteil: Das tut dem Sport gut.

Sie können die Entscheidung also nicht nachvollziehen?

Hamilton: Doch, ich weiß schon, dass es kommerzielle Interessen gibt. Und dass die TV-Rechte viel Geld kosten.

Sollte sich die Fahrergewerkschaft GDPA darum kümmern?

Hamilton: Ich glaube nicht, dass es ein Thema für die GPDA ist. Viele Fahrer sind ja gar nicht in den sozialen Medien aktiv. Ich kommuniziere gerne mit den Fans. Sebastian (Vettel) mag das zum Beispiel aus welchen Gründen auch immer nicht. Das ist seine persönliche Entscheidung. Ich glaube aber nicht, dass es irgendwie schlecht für den Sport sein kann, wenn ich eine Snapchat-Aufnahme aus meinem Cockpit mache. Das gibt den Fans einfach eine andere Perspektive. Ich würde auch gerne mein Lenkrad zeigen und was ich verstelle. Aber ich glaube, es wäre nicht gut, wenn ich unsere Settings veröffentliche.

Also steckt ja vielleicht Mercedes selbst hinter dem Verbot.

Hamilton: Nein (grinst). Dieses Team wird von Menschen geführt, die im Geiste jung geblieben sind und meine Einstellung verstehen. Sie wissen, dass es eine coole Art der Kommunikation ist. Es bringt der Marke Aufmerksamkeit.

Manchmal gibt es negative Reaktionen auf Ihre Postings. Haben Sie bei Kritik jemals daran gedacht, das Engagement zu reduzieren oder aufzuhören.

Hamilton: Nein. Es interessiert mich auch nicht, was die Leute sagen. Ich möchte natürlich nicht respektlos erscheinen. Jeder kann seine eigene Meinung haben. Und ich lese mir die Kommentare auch gerne durch.

James Hunt wird heute noch dafür verehrt, dass er damals eine ähnliche Einstellung hatte. Und Sie werden oft dafür kritisiert, wenn Sie vergleichbare Dinge machen. Fühlen Sie sich unfair behandelt?

Hamilton: Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Aber noch einmal: Es macht überhaupt keinen Unterschied für mein Leben, was die Leute sagen. Ich treffe viele Fans, die mich auf meine Snapchats ansprechen. Ich war zum Beispiel mitten in Toronto in einem Kino. Bevor der Film anfing, habe ich gepostet, wo ich mich gerade aufhalte. Beim Rausgehen haben 40 bis 50 Fans auf mich gewartet. Ich konnte es kaum glauben. Sie standen da in kompletter Fankleidung. Ich wusste gar nicht, dass unser Team-Kit in diesem Teil Kanadas überhaupt erhältlich ist. Das finde ich toll und es gibt mir so viel positive Energie.

Fühlen Sie sich wohl mit diesem Rock'n Roll-Image im Fahrerlager?

Hamilton: Ich denke gar nicht so viel über mein Image nach. Genieße ich mein Leben? Absolut! Sie können das nennen wie Sie wollen. Alle Menschen sind unterschiedlich. Es ist doch gut, wenn ein Charakter einzigartig ist. Es gibt immer noch viel zu viele Menschen, die denken dass sie sich anpassen müssen, um akzeptiert zu werden. Je mehr Menschen aus dieser Blase ausbrechen und zu sich selbst finden, desto besser.

Wann kam bei Ihnen der Punkt, an dem Sie sich entschieden haben, ein eigenes Leben zu leben?

Hamilton: Das war ein Prozess über längere Zeit. Die Trennung von meinem Vater als Manager hat die Fesseln gesprengt. In meiner McLaren-Zeit begann ich mit der ersten Tätowierung am Arm. Ich habe gemacht, was ich wollte. Das war der Anfang. Der Wechsel zu Mercedes war dann der letzte Schritt.

Wie hat Ron Dennis reagiert? Wollte er Sie bestrafen?

Hamilton: Nein, aber ich erinnere mich an 2006. Da hatte ich etwas längere Haare auch an den Seiten. Ron kam in Monaco in der Startaufstellung ständig an und sagte mir, ich soll sie abschneiden. Ich habe ihn gefragt, was ihn meine Haare angehen. Damals war ich aber noch zu schüchtern. Ich habe es einfach weggelächelt. Was ich damit sagen will: Es gab überhaupt keinen Grund, mich zu kontrollieren. Er hätte mich einfach so sein lassen sollen, wie ich bin. So war das damals aber. Mir geht es einfach darum, dass ich niemandem vorschreiben will, wie er auszusehen hat. Jeder soll das anziehen, worin er sich wohlfühlt. Und ich trage das, womit ich mich wohlfühle.

Würden Sie darauf hören, wenn Sie Toto Wolff bittet, den Style zu ändern?

Hamilton: Das würde er nicht tun. Darüber muss ich mir gar keine Gedanken machen. Das ist es ja, was ich sagen will: Wir haben einfach tolle Menschen in diesem Team. Ich sage Toto ja auch nicht, er soll sein Hemd aus der Hose ziehen. Auch Niki (Lauda) ist ein super-cooler Bestandteil dieses Teams, der einen so leben lässt, wie man ist. Er vertritt die Meinung, dass man die besten Ergebnisse abliefert, wenn man sich selbst treu bleibt. Toto, Niki, Dr. Zetsche... alle sehen das genauso hier.

Wie würden Sie Nikis Rolle im Team beschreiben?

Hamilton: Er ist einer der Chefs. Für mich persönlich ist er ein großer Unterstützer. Ich glaube, dass er eines der wichtigsten Elemente des Teams ist. Alle haben einen unterschiedlichen Charakter. Das gibt zusammen eine gute Chemie. Bei McLaren hatten wir Martin (Whitmarsh) und Ron (Dennis). Sie hatten ganz andere Herangehensweisen. Aber gegenseitig haben sie sich ausgeglichen. Als einer nicht mehr da war, ist das ganze aus dem Gleichgewicht geraten. Es ist gut, einen wie Niki im Team zu haben, der auch Rennen gefahren ist. Er kommt zu mir und fragt, wie sich das Auto anfühlt. Ich sage ihm dann, dass ich dieses und jenes Problem habe. Und er weiß genau, über was ich rede. Es ist sehr wertvoll jemanden zu haben, der selbst in einem Formel 1-Auto gesessen hat und weiß, wie sich diese Umgebung unter Druck anfühlt. Wenn irgendwas schiefgeht, ist er der erste der sagt: So ist der Rennsport! Ein anderer Chef würde das vielleicht gar nicht verstehen und immer eine perfekte Leistung einfordern.

Viele sind der Meinung, dass sie einfach ins Auto einsteigen und Gas geben. Wogegen Nico mehr über alles nachdenkt und analysiert. Fühlen Sie sich da etwas unter Wert verkauft?

Hamilton: Ich weiß nicht genau, wie sich diese Meinung gebildet hat. Jeder hat seine eigene Arbeitsweise. Aber ich komme sicherlich nicht einfach an der Strecke an und fahre das Auto. Ich habe zum Beispiel gerade mit meinen Ingenieur zusammengesessen und über Starts geredet. Wir sind einige Dokumente durchgegangen. Ich habe ihm dann gesagt, dass ich das schon gelesen habe. Er war überrascht. Und ich habe ihm geantwortet: Nur weil ich es nicht hier vor Deinen Augen gelesen habe, heißt es nicht, dass ich meine Hausaufgaben nicht mache. Ich bin nicht durch Glück dreifacher Weltmeister geworden. Nicht ohne Grund kann ich diese Anzahl an Rennsiegen vorweisen. Ich bereite mich zuhause in meinem Zimmer vor. Oder auf dem Flug. Ich mag es nicht, ein ganzes Buch oder eine ganze Datei in einem Stück abzuarbeiten. Ich öffne vielleicht eine E-Mail pro Tag. Die verdaue ich dann intensiv. Dann kommt die nächste. So ist meine Arbeitsweise. Ich wünschte, die Leute würden mehr von der technischen Seite sehen. Ich bin da wirklich ein bisschen stolz auf mich selbst. Und das ganze mit meiner Lese- und Rechtschreib-Schwäche - da hatten es andere Leute sicher einfacher. Es ist ein super Gefühl, wenn man dann mit diesen superintelligenten Ingenieuren in einem Raum sitzt und ich meine praktische Sichtweise einbringen kann, um die ganzen tollen Ideen der Ingenieure in etwas zu verwandeln, das ich auf der Strecke nutzen kann.

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