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Exklusive Longrun-Analyse

Mercedes nach Tests Geheimfavorit?

Michael Schumacher & Mark Webber - F1-Test - Barcelona 2012 Foto: xpb 22 Bilder

Die harte Währung bei Testfahrten sind die Rennsimulationen. auto motor und sport hat sich eine geheime Analyse der letzten acht Testtage von Barcelona besorgt und mit 2011 verglichen. Demnach hätte Mercedes sogar die Nase vorn. Doch Vorsicht. Auch bei dieser Rechnung gibt es mögliche Fehlerquellen.

09.03.2012 Michael Schmidt

Die Analyse der Testzeiten ist eine Wissenschaft für sich. 7.371 Runden spulten die Teams in Barcelona ab. Wer sich die Mühe macht und die Datenflut zu analysieren, bekommt am Ende immerhin einen Eindruck davon, wie sich die Formel 1-Reihenfolge in den ersten Grand Prix-Rennen darstellen könnte.

Der erste Blick geht natürlich auf die Bestzeiten. Wer die schnellsten Runden der einzelnen Teams als Basis seiner Hochrechnung für die Saison nimmt, muss Lotus auf seinem Tippzettel ganz vorne haben. In Jerez fuhr Romain Grosjean die Bestzeit, in Barcelona sein Teamkollege Kimi Räikkönen. Der Finne lag mit 1.22,030 Minuten knapp vor Sauber-Pilot Sergio Perez mit 1.22,094 Minuten und Jenson Button im McLaren mit 1.22,103 Minuten.

Nach dieser Rechnung müssten sich Red Bull und Mercedes Sorgen machen. Red Bull kam nie unter 1.22,662 Minuten, Mercedes nie unter 1.22,932 Minuten. Wir wissen natürlich alle, dass beide Teams noch einiges in der Hinterhand haben. Die Preisfrage ist wie viel.

Zeitenanalyse der Barcelona-Longruns

Besser zur Analyse eignen sich Dauerläufe und Rennsimulationen, im Formel 1-Deutsch Longrun genannt. Auch hier gibt es starke Schwankungen, je nach Setup oder Reifenzustand. "Wenn die Fahrzeugbalance für die verwendeten Reifen nicht stimmt, kannst du ganz schnell abstürzen", doziert Mercedes-Teamchef Ross Brawn.

Wer einen Stint mit einem gebrauchten Reifensatz beginnt, sieht bei gleicher Spritmenge deutlich schlechter aus wie einer, der die gleiche Sequenz mit frischen Reifen desselben Gummityps angeht. Die Beobachter an der Strecke sehen nur, wer auf welchen Reifen unterwegs ist. Sie wissen aber nicht, wie viele Runden die bereits abgespult haben. Ein entscheidender Faktor bei der Einschätzung der Rundenzeiten.

Die Teams wissen untereinander ganz genau Bescheid. Sie haben alle Rundenzeiten, Sektorwerte, Temperaturen und die Tageszeit parat. Und sie erfahren jeden Abend von Pirelli, wer wann mit welchen Reifen gefahren ist. Diese Parameter gehen in die Hochrechnungen der Analysten mit ein. Sie nehmen jeden Longrun ab acht Runden, der in den acht Testtagen von Barcelona gefahren wurde, bewerten ihn mit den Rahmenbedingungen, erstellen Best- und Worstcase-Szenarien und bilden daraus einen gemeinsamen Nenner. Eine durchschnittliche Rundenzeit für alle Dauerläufe.

Referenz: Vergleich F1-Test 2011 vs. GP Spanien 2011

Dieser Wert wird ins Verhältnis mit den Erfahrungen des Vorjahres gesetzt. Auch da gab es nach acht Testtagen in Barcelona einen Mittelwert. Und dieser wurde dann mit der durchschnittlichen Rundenzeit beim GP Spanien drei Monate später an gleicher Stelle abgeglichen. Generell ist die Strecke von Barcelona bei höheren Temperaturen im Mai etwas langsamer. Dafür haben die Ingenieure in diesen drei Monaten aber auch schon wieder ein paar Zehntel Rundenzeit gefunden.

Im Rückblick auf 2011 lässt sich herauslesen, wer bei den Testfahrten in welche Richtung trickst. Wer im Rennen schneller fuhr, hat entweder in den drei Monaten besser entwickelt oder bei den Tests nicht alles gezeigt. Er hat dann eine Rennsimulation eben nicht mit 140, sondern 150 oder 160 Kilogramm Benzin begonnen. Umgekehrt muss man davon ausgehen, dass beim Testen tendenziell mit weniger Sprit gefahren wurde, um Aufmerksamkeit zu erlangen oder seine eigenen Nerven zu beruhigen.

Test-Analyse: Mercedes und Sauber für Überraschung gut

auto motor und sport hat sich eine solche detaillierte Testanalyse besorgt und mit eigenen Hochrechnungen abgeglichen. Das Ergebnis ist eine Sensation. Wenn die Kalkulationen stimmen, dann könnte Mercedes in diesem Jahr um den Sieg mitfahren. Zumindest auf einem Streckentyp wie Barcelona. Der neue Silberpfeil war mit einer durchschnittlichen Longrun-Zeit von 1.29,235 Minuten das schnellste Auto in Barcelona.

Auf Platz zwei liegt, man glaubt es kaum, der neue Sauber mit 1.29,640 Minuten. Allerdings galt das Auto aus Hinwil auch im Vorjahr nach den Wintertests als Geheimtipp. Beim Rennen war es dann durchschnittlich um 1,957 Sekunden langsamer als bei den Probeläufen im Winter.

Späte Updates als Fragezeichen bei Red Bull und McLaren

Hinter Sauber folgen dicht gestaffelt Red Bull mit 1.29,706 Minuten, McLaren mit 1.29,923 Minuten und Lotus mit 1.30,014 Minuten. Bei Red Bull und McLaren ist das Bild allerdings unscharf. Beide haben in den letzten beiden Tagen stark modifizierte Autos nach Barcelona gebracht. Darunter litten die Rundenzeiten. Ingenieure und Fahrer mussten ihre halbneuen Autos erst einmal wieder neu kennenlernen.

Der Abgleich mit 2011 zeigt, dass die Testergebnisse von Mercedes im Vergleich zu der Vorstellung später im Rennen ziemlich repräsentativ waren. 2011 hatten sich die Silberpfeile zwischen Test und Rennen nur um 0,206 Sekunden verbessert. Auch Red Bull lag im Rennen nahe an seiner Testperformance. Unterschied: 0,118 Sekunden.

Bei McLaren fiel der Sprung im letzten Jahr aus verständlichen Gründen größer aus. Die Testversion des MP4-26 war mit vielen Problemen behaftet. Ein neues Auspuffsystem verhalf McLaren gleich beim Saisonauftakt zu einem riesigen Sprung nach vorne.

Ferrari beim Test eher mit weniger Sprit?

Der Blick auf 2011 zeigt auch, dass Ferrari, Lotus, Sauber und Force India bei ihren Testprogrammen traditionell mit etwas weniger Benzin an Bord unterwegs waren. Das könnte bedeuten, dass man deren Testergebnisse 2012 auf mit einem leichten Korrekturfaktor nach oben versehen muss.

Für Ferrari eine Bankrotterklärung. Mit einer durchschnittlichen Testzeit 2012 von 1.30,484 Minuten liegt man ohnehin schon über eine Sekunde hinter Mercedes. Sollte das auch noch schön gerechnet sein, wird es bitter. Auch Williams hat nach dieser Rechnung ein Problem. Das blauweiße Auto ist auf eine Runde nicht schlecht, hat aber wie im Vorjahr Defizite im Renntrimm. Der Abstand zu Force India und Toro Rosso ist deutlich.

Melbourne nicht repräsentativ

Das Bild von Barcelona kann sich nicht 1:1 auf Melbourne übertragen lassen. Der Kurs im Albert Park ist ein ganz anderer Streckentyp. Hier gibt es kaum schnelle und lang gezogene Kurven. Hier sind ein gutes Bremsverhalten und gute Traktion die Joker. So wie in Jerez. Und da hinterließ Red Bull klar den besten Eindruck. Mercedes fuhr in Jerez nur mit dem alten Auto.

Malaysia ähnelt schon eher Barcelona, doch da erwarten uns ganz andere Asphalttemperaturen. 50 statt 25 Grad. Pirelli-Reifenchef Paul Hembery warnt: "Da könnten wir in Bezug auf die Reifen ein völlig anderes Verschleißverhalten sehen als in Barcelona." Vielleicht halten Ross Brawn, Norbert Haug, Michael Schumacher und Nico Rosberg deshalb den Ball so flach. Wer jetzt in zu großer Euphorie macht, muss am Ende den Spott ertragen, wenn es nicht klappt.

In unserer Fotogalerie haben wir das Kräfteverhältnis nach der Longrun-Analyse im Detail.

TeamTest 2011Rennen 2011Differenz Test/RennenTest 2012Differenz zu 2011
Mercedes1.32,2731.32,067- 0,206 s1.29,235- 3,048 s
Sauber1.30,6141.32,571+ 1,957 s1.29,640- 0,974 s
Red Bull1.30,4121.30,294- 0,118 s1.29,706- 0,706 s
McLaren1.31,0731.30,280- 0,888 s1.29,923- 1,150 s
Lotus1.30,9491.31,650+ 0,701 s1.30,014- 0,935 s
Ferrari1.29,6121.30,280+ 0,668 s1.30,484+ 0,872 s
Force India1.31,4221.32,749+ 1,327 s1.30,614- 0,808 s
ToroRosso1.31,0891.32,417+ 1,328 s1.30,717- 0,472 s
Williams1.31,6441.32,674+ 1.030 s1.31,241- 0,403 s
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