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Lotus 2011 mit Renault-Motoren

Cosworth-Ehe mit Lotus offiziell beendet

Cosworth-Motor Foto: xpb 61 Bilder

Lotus fährt 2011 mit Renault-Motoren. Der Vertrag mit dem bisherigen Lieferanten Cosworth wird zum Jahresende aufgelöst. Der Motorenwechsel kostet Lotus eine zweistellige Millionensumme. Renault sieht im Ausbau seiner Kundschaft eine weitere Einnahmequelle.

13.09.2010 Michael Schmidt

Die Ehe Lotus-Cosworth hielt nur ein Jahr. Am Montag nach dem GP Italien gaben Lotus und Cosworth in einer gemeinsamen Erklärung bekannt, dass die Zusammenarbeit zum Ende dieser Saison endet. Der Vertrag war bis 2012 terminiert. Deshalb muss der wiederbelebte Traditionsrennstall an Cosworth auch eine Abfindung in empfindlicher Höhe zahlen. Die Konditionen werden noch ausgehandelt. Man darf davon ausgehen, dass die Strafe für den Vertragsbruch mindestens die Leasinggebühr für zwei Jahre beträgt, in Summe zwölf Millionen Euro.

Cosworth drohte mit Gerichtsverfahren

Cosworth ist auf das Geld seiner vier Kunden Williams, Virgin, Hispania und Lotus angewiesen. Sonst rechnet sich der Preis für die Motoren nicht. Lotus hat bei der Berechnung der Abfindung wenig Verhandlungsspielraum. Cosworth hatte zwischenzeitlich sogar gedroht, vor Gericht zu gehen. Nach europäischem Recht ist es einem Hersteller untersagt, bestehende Verträge zwischen zwei Privatfirmen durch entsprechende Angebote zu unterminieren.

Im Fahrerlager erzählt man sich, dass Renault gerne die Rolle von Cosworth übernehmen würde. Im Moment beschränkt ein Abkommen der Teams die Zahl der Kunden für einen Automobilhersteller auf drei. Da Renault nur seinen Werksrennstall und Red Bull beliefert, bestand da noch Spielraum. Der französische Hersteller sieht in der Erweiterung seiner Klientel eine zusätzliche Einnahmequelle. Die Motoren der Hersteller sind um drei Millionen Euro teurer als die von Cosworth. Man kann sich also leicht ausrechnen, wie viel da unter dem Strich für Renault hängenbleibt.

Lotus erhält Zugang zu Renault-KERS

Für Lotus ist der Deal mit Renault vor allem auch deshalb interessant, weil der Rennstall aus Hingham damit auch an KERS herankommt. Wer im nächsten Jahr bei der Musik sein will, braucht einen Hybridantrieb. Da Cosworth kein eigenes System bereitstellt, wäre Lotus auf den Zukauf fremder Systeme, zum Beispiel von Williams angewiesen gewesen. Da vertraut man dann offenbar doch mehr auf ein bereits bewährtes System.

Allein auf den Motor bezogen, gibt es keine Gründe von Cosworth zu Renault zu wechseln. In Sachen Höchstleistung ist der Cosworth V8 dem Renault-Achtzylinder sogar überlegen. Auch in puncto Standfestigkeit können sich die Triebwerke des englischen Motorenbauers sehen lassen. In den 14 Grand Prix gab es noch keinen echten Motorschaden. Renault ist dem Cosworth in den Disziplinen Fahrbarkeit und Benzinverbrauch überlegen.

Hersteller bekommen mehr Macht in der Formel 1

Der Motorwechsel von Lotus ist langfristig für die Formel 1 eine gefährliche Entwicklung. Renaults Vorstoß zeigt erneut, dass die Hersteller kurzfristig denken und eigene Interessen vor die des Sports stellen. Die FIA und Bernie Ecclestone hatten vor einem Jahr alle Hebel in Bewegung gesetzt, wieder einen privaten Motorenhersteller zu installieren. Das schafft Unabhängigkeit von den Werken. Das gibt neuen Teams eine Chance in die Formel 1 einzusteigen. Die neun Millionen Euro, die man bei Mercedes, Ferrari und Renault berappen muss, sind vielen Einsteigern zu teuer.

Renaults Schachzug könnte bei den Verhandlungen über das neue Concorde Abkommen ab 2013 für Ecclestone zum Problem werden. Hinge das gesamte Formel 1-Feld am Tropf von Mercedes, Ferrari und Renault würde das die Verhandlungsposition der Teams deutlich stärken. Cosworth wird sich bis zum Beginn des neuen Motorenreglements neue Kunden suchen müssen. Drei Kunden sind zu wenig, wenn man die Leasingrate bei sechs Millionen Euro halten will. Finanzschwache Teams wie Virgin oder Hispania aber können sich eine Preissteigerung nur schwer leisten.

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