Eric Lopez  Eric Boullier - Lotus 2013 21 Bilder Zoom

Lotus-Besitzer Gérard Lopez exklusiv: "Es kommen keine neuen Schulden dazu"

Es gibt viele Gerüchte um das Formel 1-Team von Lotus. Kein Geld, kein Auto, eine Teilnahme unter Vorbehalt. Teambesitzer Gérard Lopez nimmt nun in auto motor und sport exklusiv Stellung zu allen Gerüchten.

Tritt Lotus in diesem Jahr überhaupt an? In der FIA-Nennliste stehen hinter dem Team zwei Sternchen.

Lopez: Wir standen auch mit dem falschen Teamnamen in der Liste, nämlich mit dem von vor zwei Jahren. Ich kann Sie beruhigen. Es bleibt alles beim Alten. Wir sind dabei.

Warum tritt Lotus bei den Testfahrten in Jerez nicht an? Seit zwei Jahren wird am neuen Auto gearbeitet. Jetzt fehlt es an zwei Wochen. Das hört sich komisch an.

Lopez: Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung unseres Autos, das vielleicht ein bisschen anders aussehen wird als andere. Aber wir glauben, dass es besser ist, die nächsten Wochen im Windkanal zu nutzen, um noch mehr aus dem Auto rauszuholen. Das bringt uns mehr als ein Test auf der Rennstrecke. Da gewinnen wir mehr in der Performance.

Fehlen Ihnen dann nicht Kilometer und erste Erfahrungen mit dem neuen Motor-Paket?

Lopez: Die Antriebseinheit wird von Red Bull, Toro Rosso und Caterham getestet. Die Erkenntnisse kommen auch uns zugute. Alles, was Renault bis zum Bahrain-Test ändert, wird auch in unserem Auto sein. Das Getriebe haben wir selbst entwickelt. Wir können also schnell reagieren, wenn da etwas schiefläuft. Das einzige, was uns an Erfahrung fehlen wird, ist die Elektronik, wie das KERS lädt und eingesetzt wird. Aber das sollte nicht die Welt sein. Das größte Problem, das man in Jerez haben kann, ist der Motor. Und das werden wir an den anderen Renault-Teams ja sehen. Sie haben es oder haben es nicht.

Es gibt ja auch noch die neuen Reifen und das Problem der Kühlung.

Lopez: Wir werden in Jerez vielleicht auf 15 oder 16 Grad kommen. Was lernt man da über die Reifen und die Kühlung? Lass uns direkt alle nach Bahrain fliegen. Da hätten wir etwas davon. In Jerez kannst du für Silverstone testen, sonst nichts. Der erste echte Test findet in Bahrain statt. Davor können wir im Werk mehr Rundenzeit finden. Wir haben uns wegen der Reifen kurz überlegt, mit dem alten Auto zu fahren. Die Ingenieure haben davon abgeraten. Jerez hat so einen speziellen Belag, dass du da nicht viel lernen kannst. Das ist weggeworfene Zeit.

Sie haben viele Ingenieure verloren. Wie sehr ist das Team geschwächt?

Lopez: Vergangenes Jahr haben wir teilweise an drei Projekten gleichzeitig gearbeitet. Insgesamt sind wir auf 580 Leute gekommen. Jetzt können wir uns auf das 2014er Auto konzentrieren und werden deshalb die Belegschaft auf rund 500 herunterfahren. Dabei haben wir auch einige Ingenieure an die Konkurrenz verloren. Wir selbst haben ungefähr fünf neue Ingenieure dazu bekommen. Von Red Bull, Ferrari und Mercedes. Das ist das Karussell der Formel 1. Sie funktioniert nach dem darwinistischen Prinzip. Der Stärkste überlebt. Natürlich wandern dabei auch Ideen an die Konkurrenz ab, aber wir erfahren durch unsere Neuzugänge ja auch, was bei den anderen läuft. Das heißt noch lange nicht, dass wir in drei Wochen das gleiche haben. Man wird erst mittelfristig sehen, wie sich das auswirkt. Als James Allison zu Ferrari gegangen ist, sind die ja auch nicht sofort schneller geworden. Ich glaube, dass wir am Saisonende 2013 immer noch das bessere Auto hatten.

Es gab nie eine offizielle Mitteilung, dass Lotus und Renault weiter zusammenarbeiten. Gibt es einen neuen Vertrag und zu welchen Konditionen?

Lopez: Wir fahren mit dem Renault-Motor und haben lange daran gearbeitet, wie der ideale Vertrag für uns aussieht. Lotus ist ja nicht nur ein Kunde bei Renault. Unsere Ingenieure haben das KERS mitentwickelt. Von daher haben wir versucht uns so zu einigen, dass es mehr als nur eine Motorlieferung ist. Das hat die Verhandlungen etwas hinausgezögert.

Fährt Red Bull dann unter dem Label Infiniti?

Lopez: Keine Ahnung, was Red Bull macht.

Wie sieht es mit den Finanzen des Teams aus? Musste Genii wieder Budgetlöcher stopfen?

Lopez: Die Budgetlücke von letzter Saison wurde wieder von uns gedeckt. Das Quantum-Geld ist nie angekommen. Wir haben die Sache jetzt abgebrochen. Für 2014 steht mit unserem neuen Sponsor PDVSA das Budget komplett. Wir werden keine neue Schulden machen. Genii gehört zu 98 Prozent immer noch uns.

Wie viele Schulden hat das Team?

Lopez: Wir haben rund 114 Millionen Pfund Schulden, und davon sind über 80 Millionen Verbindlichkeiten bei uns selbst. Wieso sollen wir jetzt hingehen, und von unserem Team die Rückzahlung dieser Schulden verlangen? Das macht keinen Sinn. Wir haben das so gemacht, weil es fiskalisch für uns interessant ist, und weil wir keine Marke haben, die als Sponsor auftreten könnte. Da könnten wir das eingelegte Geld als Marketingausgaben absetzen. Das Geld sitzt weiter in unserer Firma, und es sitzt gut und sicher dort. Irgendwann werden wir schauen, wie wir das Geld wieder herausnehmen. Im Moment kommt es darauf an, dass der Rennstall vorne mitfährt. Ich hätte schon längst kostendeckend arbeiten können. Dazu hätte ich nur 250 Leute entlassen müssen.

Wurde Kimi Räikkönen bezahlt?

Lopez: Er hat einen Teil seines Gehalts bekommen, und er wird auch den Rest erhalten.

Gab es bei Lotus eine Palastrevolution? Welche Rolle spielt Ihr Partner Andrew Ruhan?

Lopez: Andy Ruhan ist ein guter Freund von mir. Wir fahren sogar Rennen zusammen, zuletzt bei den 24 Stunden von Dubai. Er ist wie ich ein total Geschädigter, was Autos und Rennsport angeht. Wirklich total. Vor zwei Jahren hatte er angefragt, ob er im Formel 1-Team mitmachen könnte. Dafür haben wir ihm zwei Prozent der Firma überschrieben. Er ist aber gleichzeitig ein Partner bei Genii. Wir machen auf anderen Ebenen ungefähr elf Projekte zusammen. Immobilien in New York, in der Kraftstoff-Versorgung in Afrika, im Technologiebereich, in der Telekommunikationsbranche. Weil Andy ein sehr starker Organisator ist, haben wir jetzt entschieden, dass er als Co-Chairman mit mir im Formel 1-Team arbeitet. Er intern, ich extern. Die Arbeit unseres Geschäftsführers Patrick Louis war abgeschlossen. Er hat geholfen, die internen Prozesse zu ändern, den Windkanal und den Simulator auf den letzten Stand zu bringen. Als wir das Team übernommen haben, gab es 17 verschiedene Chefs. Heute gibt es noch vier. Das ist auch das Verdienst von Patrick. Wir brauchen ihn jetzt in unserer Automotive-Sparte als Aufsichtsrat. Eric Lux konzentriert sich auf den Immobilienbereich. So entstand eine Vakanz. Und die füllt jetzt Matthew Carter aus. Die ganzen Geschichten, dass Andy Ruhan mich zur Seite geboxt hat, sind absoluter Blödsinn. Da muss ich einige Leute enttäuschen, die darin eine Verschwörung gesehen haben. Ich bin weiter in meiner alten Funktion dabei.

Es gibt Gerüchte, Sie haben etwas mit dem ehemaligen Sportwagen-Bauer De Tomaso zu tun?

Lopez: Da ist momentan noch nichts daran. Wir sind bei Ruf dabei ein Karbon-Chassis für Sportwagen zu entwickeln, das industriell in großer Stückzahl gebaut werden kann. Wir nutzen da eine neue Technologie ohne Autoklaven. Außerdem haben wir bei Ruf den eigenen V8-Motor mit Direkteinspritzung. Der hat als Sauger rund 600 PS, mit Bi-Turbo zwischen 800 und 900 PS. Weil Ruf weiter exklusive Autos in einer Stückzahl von 2.000 bis 3.000 bauen wird, suchen wir jetzt Partner, bei denen wir diese Bausteine Chassis und Antriebsstrang platzieren könnten, um größere Stückzahlen zu erzielen. Da ist de Tomaso eine Option, und das zählt zu den neuen Aufgaben von Patrick Louis. Das hat aber nichts mit der Formel 1 zu tun.

Was können wir von Ihrer Fahrerpaarung Grosjean/Maldonado gegen die Top-Teams Hamilton/Rosberg, Alonso/Räikkönen und Vettel/Ricciardo erwarten?

Lopez: Ich bin Realist. Auch wenn die Leute sagen werden, der spinnt, behaupte ich, dass wir eine der schnellsten Fahrerpaarungen der Formel 1 haben. Vor zwei Jahren hätte ich gesagt, die Paarung ist schnell, aber explosiv. Heute ist das anders. Romain zählt für mich zu den vier schnellsten Piloten, vielleicht sogar drei. Schneller als einige Namen, die sie da genannt haben. Er ist jetzt stark im Kopf und sehr beständig. Pastor muss den letzten Schritt noch machen. Er ist sauschnell. Wir kennen ihn sehr gut. Pastor hat vor sechs Jahren mit seiner Familie bei unserem Teamchef Eric Boullier gelebt. Der war damals noch Teammanager von DAMS. Pastor muss jetzt durch die gleiche Phase gehen wie Romain. Er muss lernen, dass ein Grand Prix nicht aus ein paar schnellen Runden besteht, sondern aus einem ganzen Wochenende. Er muss seinen Speed besser kontrollieren.

Das lernt er bei Lotus besser als bei Williams?

Lopez: Ja, weil wir ihn kennen, und weil wir ihm das Umfeld dazu bieten. Bei uns im Team darf jeder sagen, was er will. Der Schuss ging zwar für uns schon ein paar Mal nach hinten los, wenn ich an ein paar Sprüche von Kimi denke, aber ich will das so. Dagegen geht es bei anderen Teams, die alles kontrollieren wollen, so steril zu wie im Krankenhaus. Romain ist in unserem Umfeld aufgeblüht. Das wird auch Pastor helfen. Außerdem sprechen sehr viele bei uns im Team spanisch. Da wird er sich zuhause fühlen. Wenn unser Auto funktioniert, dann müssen wir uns mit unseren Fahrern nicht verstecken. Garantiert.

Michael Schmidt

Autor

Foto

Lotus

Datum

15. Januar 2014
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