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Lotus-Besitzer Gérard Lopez exklusiv

"Fahrerwahl wird keine Lachnummer"

Gerard Lopez - Lotus - 2013 Foto: xpb 56 Bilder

Lotus-Teambesitzer Gérard Lopez ist sauer. Auf die Kritik von anderen Teams an den Finanzen von Lotus, auf die Gerüchte um Kimi Räikkönen und die Wahl seines Nachfolgers. Im Gespräch mit auto motor und sport nimmt der Luxemburger Geschäftsmann Stellung.

16.11.2013 Michael Schmidt
Ist Kimi Räikkönen krank geworden, weil er kein Gehalt bekommen hat?

Lopez: Das Geld hat damit wenig zu tun. Wir haben das in Abu Dhabi geklärt. Natürlich bekommt er sein Geld. Vielleicht hat ihm sein neuer Arbeitgeber geraten, dass es besser wäre, sich so schnell wie möglich behandeln zu lassen. Ich spreche fast jeden Tag mit Kimi. Zwischen uns gibt es keine Probleme. Das wichtigste ist, dass er mit dem Rücken keine Probleme mehr hat.

Wie groß war Ihre Liste für das Räikkönen-Cockpit?

Lopez: Insgesamt sieben Leute. Aber sehen Sie mir nach, wenn ich nicht alle nennen kann. Wäre uns das im Rennen Nummer 10 oder 11 passiert, wäre auf der Liste nur ein Fahrer gestanden.

Welcher?

Lopez: Ganz klar Davide Valsecchi. So wie letztes Jahr Jérôme d‘Ambrosio. Aber in der jetzigen Situation, wo es um Platz 2 geht, dürfen wir den Davide nicht einfach so für die letzten zwei Rennen reinwerfen und ihm sagen: Du fährst jetzt gegen die Ferrari-Jungs. Das wäre unfair gewesen. Deshalb mussten wir ihn leider von der Liste nehmen. Und nicht, weil er es nicht verdient hätte.

Warum haben Sie Michael Schumacher kontaktiert?

Lopez: Michael ist ein guter Fahrer und er hat Erfahrung. Er war nicht die erste Wahl, aber er stand auf der Liste. Er hatte aber andere Pläne.

Warum hat es mit Nico Hülkenberg nicht geklappt?

Lopez: Es ist schade für uns, aber garantiert auch schade für Nico. Wie ich es verstanden habe, wurde er plötzlich bezahlt. Damit war er für uns nicht mehr frei.

Fährt Pastor Maldonado im nächsten Jahr für Lotus?

Lopez: Ich habe auch gelesen, dass er in Venezuela schon als fix gemeldet wurde, aber unterschrieben ist noch nichts. Er ist aber ein seriöser Kandidat für nächstes Jahr. Andere Kandidaten fallen jetzt raus, weil sie woanders bereits unterschrieben hat. Wie immer unsere Wahl ausfällt, sie wird keine Lachnummer sein. Genauso haben wir es seinerzeit mit Romain gemacht. Genau das Gegenteil von dem, was uns damals geraten wurde. Hätte ich auf das gehört, was uns da erzählt wurde, würde Grosjean heute in der Bank arbeiten. Plötzlich aber haben alle Romain selbst entdeckt.

Wird Quantum noch für seine 35 Prozent am Team bezahlen?

Lopez: Sie haben nur noch wenig Zeit. Entweder sie erfüllen ihre Vertragsverpflichtungen, oder wir müssen unsere Konsequenzen ziehen.

Brauchen Sie dann das Geld von Maldonado?

Lopez: Ich brauche dann einen Sponsor. Ob das Geld mit einem Fahrer kommt oder allein, ist mir egal. Ich nehme auch Fernando Alonso mit seinem Sponsor.

Sie werden oft dafür kritisiert, dass Lotus mehr Geld ausgibt als es hat. Was sagen Sie dazu?

Lopez: Manche Journalisten in der Formel 1 tun so, als würden sie für das Wall Street Journal arbeiten. Die machen Finanzanalysen, die an der Wirklichkeit vorbeizielen. Darauf will ich gar nicht antworten, sonst geht das wie ein Schneeball hin und her. Viele dieser Geschichten werden auch gezielt im Fahrerlager gestreut. Die Leute, die von den Rechteinhabern mehr Geld für den gleichen oder für einen schlechteren Job bekommen als wir, erlauben sich über unsere Finanzen zu reden. Das empfinde ich als eine Sauerei. Wenn wir das Geld bekommen würden, was die kriegen, dann würden wir kein Geld verlieren, keiner würde darüber reden, und wir würden weiter vorne fahren als die. Während andere 100 Meter laufen, legen wir in der gleichen Zeit 200 Meter zurück. Vielleicht stört es einige Leute, dass wir trotzdem aufs Podium steigen.

Warum tut sich ein Team wie Lotus so schwer, bei den gezeigten Leistungen auf der Strecke einen Sponsor zu finden?

Lopez: Die Formel 1 bietet guten Sport an, aber er ist zu teuer. Es ist ja nicht so, dass potenzielle Sponsoren generell uninteressiert wären. Wenn ich aber zu einem Sponsor sage, dass er nicht 15 oder 20 Millionen Dollar zahlen muss, sondern 40, 50 oder 60, dann schrecken viele zurück. Das ist eine Hausnummer, und die gibt der Markt nicht her. Wenn ich vorne mitfahren will, brauche ich aber so einen Sponsor. Da stimmt etwas nicht im System. Ich hätte schon fünf Mal einen Sponsor für 20 Millionen unterschreiben lassen können, dann aber für einen Zeitraum von drei, vier oder fünf Jahren. Das heißt, dass mir immer noch die anderen 20 Millionen über diesen Zeitraum fehlen. Ich müsste also garantiert immer 20 Millionen aus eigener Kasse drauflegen. Momentan plane ich von Jahr zu Jahr, in der Hoffnung, der große Sponsor kommt noch. Wenn nicht, muss ich am Ende das Ganze drauflegen. Das ist das Perverse an der Formel 1. Ich könnte auch happy damit sein, im Mittelfeld mitzufahren. Dann müsste ich keinen Dollar in das Team stecken. Deshalb ist es respektlos von Leuten kritisiert zu werden, die gar nicht mit ihrem eigenen Geld dabei sind.

Ist es ein Wunder, dass Sie mit ihrem Budget um WM-Platz 2 kämpfen?

Lopez: Das ist kein Wunder, sondern gute Arbeit. Oder bessere Arbeit als viele andere. Wir investieren das Geld privat und verpulvern nicht die Kohle irgendeiner fremden Firma. Das ist der Unterschied.

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