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Lotus E23 für 2015 im F1-Technik-Check

Risiko-Verbot nach Vorjahres-Flop

Lotus E23 - Technik-Check - Formel 1 - 2015 Foto: xpb 25 Bilder

Nach dem Flop im Vorjahr muss der neue Lotus E23 für die Saison 2015 einschlagen. Mit Mercedes-Motor und eigenwilligen Aerodynamik-Lösungen soll das schwarz-goldene Auto zum regelmäßigen Punktelieferanten werden. In unserem Technik-Check zeigen wir, wo sich der E23 von seinem Vorgänger und der Konkurrenz unterscheidet.

17.02.2015 Michael Schmidt

Im letzten Jahr hat sich Lotus mit einem technisch riskanten Projekt die Finger verbrannt. Die Nase mit den zwei Stoßzähnen und das gewagte Kühlkonzept für den Motor waren ein Flop. Deshalb gab die Teamleitung die Devise aus: Zurück zu den Wurzeln.

Die Ingenieure in Enstone kennen das Spiel. Sie haben 2012 schon einmal auf ein fehlgeschlagenes Experiment reagiert und einen Alleskönner gebaut, mit dem Kimi Räikkönen Dritter in der Weltmeisterschaft wurde. Lotus wollte diesmal wieder ein Auto bauen, das leicht zu fahren und einfach abzustimmen ist. Zumindest das scheint gelungen.

Romain Grosjean strahlte nach seinem ersten Testtag in Jerez. "Ich habe jede meiner 50 Runden genossen. Das ganze Paket fühlt sich einfach besser an. Ich hatte von Anfang an Vertrauen in das Auto. Die meisten Schwachstellen wurden beseitigt, und die, die noch da sind, können wir einfach abstellen."

Das fiel uns auf

Der Lotus E23 hat ziemlich genau den Radstand des neuen Williams FW37. Er ist also ein langes Auto. Lotus investiert im Vergleich zum Williams etwas mehr Platz zwischen Vorderräder und Seitenkästen. Die Nase ist bis zum Kiel des Unterbodens auf der Unterseite so stark ausgehöhlt wie bei fast keinem anderen Auto. Nur Red Bull kann da mithalten. Die Kufe des Unterbodens wird dabei mit einem dünnen bogenförmigen Träger fixiert. Die Linie der Seitenkästen erinnert dagegen an McLaren. Mit dem Unterschied, dass sie beim Lotus voluminöser sind.

Als Umsteiger von Renault zu Mercedes wollte Lotus bei der Kühlung der Antriebsquelle kein Risiko eingehen. Man sieht es an den viel und großzügigen Kühleinlässen. Der Mercedes V6-Turbo verteilt schon genug Geschenke. Die wollte man nicht durch ein extremes Kühlkonzept verschenken. So ist der Mercedes-Motor um 10 Kilogramm leichter als der Renault-Sechszylinder und seine Nebenaggregate. Und er ist selbst nach Renault-Berechnungen noch gut 40 PS stärker. Außerdem fahrbarer und damit berechenbarer.

Die Frontpartie - Nase so kurz wie bei Mercedes

Die Nase ist exakt 85 Zentimeter lang. Also das Mindestmaß. Zumindest da liegt Lotus mit dem Werksteam auf Augenhöhe. Das Team hatte bereits letztes Jahr beim GP USA mit einer Kurzversion geübt. Da war der Crashtest kein Problem mehr. Der Frontflügel stammt noch aus dem Vorjahr. Typisch Lotus Minimalprinzip. Aus der Vogelperspektive nehmen die Flügelelemente viel weniger Platz ein als bei der Konkurrenz.

Auch an der Vorderachse blieb sich Lotus treu. Die Querlenker stehen weiterhin extrem eng zusammen, was daran liegt, dass die oberen Aufhängungsteile tief ansetzen. Die Druckstrebe lenkt am Radträger nicht dort an, wo die unteren Querlenker auftreffen, sondern fast auf Radmitte. "Eine ähnliche Geometrie hatten wir schon letztes Jahr", verrät Chefingenieur Alan Permane. Er sagt auch: "Wir waren vom Fric-Verbot am stärksten betroffen, haben jetzt aber eine Technik entwickelt, die den Verlust von Fric praktisch kompensiert."

Zwischen den Achsen - Anflug von McLaren

Teamchef Gérard Lopez forderte von seinen Technikern eine Rückkehr zu dem Konzept, das Lotus in den Jahren 2012 und 2013 insgesamt 618 Punkte gebracht hat: "Wir hatten meistens Autos mit einer gutmütigen Aerodynamik, die verständlich und ausbaufähig war. Beim mechanischen Grip haben wir immer zu den Besten gezählt. Unsere Autos waren einfach zu fahren, einfach abzustimmen und auf jeder Rennstrecke zuhause. Ich will, dass unsere Autos wieder die DNA in sich tragen, für die sie bekannt waren."

Der Lotus E23 besticht durch einfache Linien. Die Seitenkästen erinnern mit ihrem Knick im Profil an McLaren, sind aber wuchtiger und über die gesamte Länge auch höher. Nur beim Einzug im Heck können sie mithalten. Die dreieckigen Kühleinlässe fallen relativ groß aus.

Neu sind die Bügelflügel rund um das vordere Ende der Seitenkästen. Die vertikalen Leitbleche sind unten nicht mehr auf dem Unterboden sondern an den Bargeboards fixiert. Das hat man sich von Mercedes abgeschaut.

Die Airbox ist gleich mit drei Lufteinlässen bestückt. Neben der Luftzufuhr für den Motor in der Mitte sind noch zwei zusätzliche Ohren angebracht, die den Getriebeöl- und Ers-Kühler versorgen. Insgesamt wirkt die Motorabdeckung etwas groß, was dem Auto in der Seitenansicht ein wenig von seiner Eleganz nimmt.

Das Heck - eigenwillige Flügelaufhängung

Im Heck trägt der Lotus wie im Vorjahr eine eigenwillige Handschrift. Die asymmetrisch angebrachte Heckflügelstütze, die sich links am Auspuffendrohr vorbeischlängelte, ist verschwunden. Der Flügel sitzt jetzt auf einer Strebe, die im 45 Grad-Winkel aus der Motorverkleidung nach hinten wächst.

Ähnliches gilt für die Hinterachse. Die oberen Querlenker steigen vom Getriebegehäuse aus nach oben an und biegen an der Stelle, an der sie sich vereinigen, nach unten ab. Insgesamt steht die Aufhängung so hoch wie möglich, um die Strömung oberhalb des Diffusors so wenig wie möglich zu stören.

Der Luftauslass im Heck ist deutlich kleiner als im Vorjahr. Rund um das weit überstehende Auspuff-Endrohr entweicht gar keine Luft. Sie wird seitlich davon unter zwei Wölbungen der Motorabdeckung abgeführt. Ein Monkey Seat fehlt noch.

Auch die hinteren Bremsbelüftungen sind mit ihren zwei Elementen offenbar noch in der frühen Phase der Entwicklung. Bei manchen Autos fächern sich da bis zu sechs Zusatzflügel übereinander auf. Der Diffusor ist Marke Red Bull - siebenteilig und nach außen offen.

Technik-Fazit zum Lotus E23

Lotus wird in dieser Saison sicher nicht auf Platz 8 landen. Mit einem Mercedes-Motor im Heck fast unmöglich. Die Top 5 sind realistisch. Der neue Lotus macht einen guten Eindruck. Schnörkellos, logisch, effizient. Wie weit es nach vorne geht, hängt nicht nur vom Auto ab. Das Team muss den Defektteufel in den Griff bekommen. Im letzten Jahr blieb Lotus 14 Mal mit technischen Problemen stehen.

In unserer Galerie vergleichen wir den Lotus E23 mit seinem Vorgänger und den Autos der Konkurrenz.

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