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Interview mit Lotus-Einsatzleiter Alan Permane

"Platz 5 ist noch möglich"

Alan Permane - Lotus - 2015 Foto: xpb 27 Bilder

Lotus-Einsatzleiter Alan Permane erzählt, wie Lotus mit einer schwierigen Saison und kleinem Budget umgeht, was die Stärken und Schwächen des Autos sind, und wie Lotus das Team das Duell gegen Force India noch gewinnen will.

17.10.2015 Michael Schmidt
Um wie viel schwerer war diese Saison als andere?

Permane: Es war eine schwierige Saison, speziell mental. Weniger wegen der Arbeit. Die ist die gleiche geblieben. Es gab einige Rennen, bei denen wir finanziell eingeschränkt waren und auf einige Dinge verzichten oder länger warten mussten als üblich. Aber am Ende hat immer alles geklappt. Die Saison an sich war gar nicht so schlecht. Für ein Team auf unserem Level und mit unserem Budget haben wir einen guten Job gemacht. Wir kämpfen um Platz 5 in der Meisterschaft. Und dabei haben wir noch ein paar dumme Punkte verloren.

Wie schwierig war der Motorwechsel?

Permane: Technisch nicht so sehr. Von der Arbeitsweise her mussten wir uns umstellen. Wir waren über all die Jahre mit Renault ein halbes Werksteam geworden. Plötzlich waren wir nur noch ein Kunde, wenn auch ein stark integrierter Kunde. Das war eine neue Erfahrung. Früher haben wir mit Renault zusammen entschieden, wo die Elektronikboxen, die Kabelstränge, die Kühler hinkommen. Bei Mercedes gibt es keine große Wahl. Sie sagen dir, wo sie die Teile, die zum Motor gehören, haben wollen. Und du musst ein Auto drum herum bauen. Das ist für das Chassis vielleicht nicht das absolute Optimum. Aber du weißt, woran du bist.

Jetzt ist es wahrscheinlich, dass Lotus wieder zurück zu Renault wechselt. Wir hart ist es, das Chassis so spät im Jahr für einen anderen Motor fitzumachen?

Permane: Als Ingenieur willst du so früh wie möglich wissen, woran du bist. Idealerweise im März. Wenn das aktuelle Auto zum ersten Mal fährt, stürzt sich eine spezielle Design-Gruppe schon auf das nächstjährige Auto. Jetzt müssen wir mit der Aufgabe klarkommen. Wir hätten es auch schaffen müssen, wenn wir erst in einem Monat davon erfahren hätten. BrawnGP hat 2009 vorgemacht, dass es geht. Natürlich war es einfacher mit dem V8. Du hast damals je einen Kühler für Wasser, Öl, Getriebe und Hydraulik gehabt. Jetzt gibt es viel mehr Kühlelemente. Deshalb musst du umso mehr Kompromisse machen, je später du weißt, welcher Motor ins Auto kommt.

Ist es ein Vorteil, dass Sie den Renault-Motor schon kennen?

Permane: Es ist ein bisschen schwierig für mich darüber zu sprechen, solange wir uns in einer Übergangsphase befinden. Es gibt eine Absichtserklärung, mehr nicht. Nur so viel: Das neue Auto wurde zunächst für einen Mercedes-Motor konzipiert. Und jeder Wechsel der Antriebseinheit wird eine Auswirkung auf die Qualität des Chassis haben.

Was sind die guten und die schlechten Punkte des Autos?

Permane: Unsere Fahrer klagen am meisten über die Traktion. Die ist einer unserer Schwachpunkte. Und da liegt eine Menge Rundenzeit verborgen. Andererseits haben wir ein Auto, das einfach zu fahren ist und Fehler verzeiht. Das 2014er Auto war im Vergleich dazu viel weniger berechenbar.

Wie groß war das Problem, mit nur drei Getriebe-Einheiten über die Saison zu kommen?

Permane: Das war extrem schwierig. Wir hatten einige Schäden wegen zu langer Laufzeit. Von der Logistik her ist es unheimlich schwierig, mit nur drei Getrieben zu überleben. Ein Fahrer muss das ganze Wochenende das gleiche Getriebe fahren. Wir konnten nicht nach Belieben Entwicklungsteile einsetzen, weil wir wegen der Getriebemisere immer auf den Kilometerstand aufpassen mussten. Die Sorge ist überall, dass einer der Fahrer die Mauer trifft und das Getriebe so beschädigt, dass wir es vor Ort nicht reparieren können. Dann müssten wir mit zwei Einheiten überleben. Und es würde uns auch für die nächsten Rennen behindern. Einige Komponenten im Getriebe haben eine lange Vorlaufzeit. Du kriegst sie nicht so einfach von einer Woche auf die nächste. Vier Getriebe hätte unser Leben viel leichter gemacht und fünf wäre eine andere Welt gewesen.

Lotus hat in diesem Jahr ein viel kleineres Budget als zuvor. Wie sehr hat die Fahrzeugentwicklung darunter gelitten?

Permane: Das ist eine der Disziplinen, die mich an der Formel 1 faszinieren. Du musst dich immer anpassen und aus der Situation lernen. Am Anfang ist es sehr frustrierend. Du willst das Auto verbessern, und es geht nicht. Aber du adaptierst schnell neue Arbeitsmethoden und versuchst in anderen Bereichen Zeit zu finden. Ein Beispiel: Wir hatten einen neuen Frontflügel, der nicht gleich funktioniert hat. Früher hätten wir gesagt: Vergesst den Flügel, er macht nicht das, was er soll. Jetzt waren wir gezwungen, ihn richtig zu verstehen. Und dadurch haben wir am Ende die Zeit gefunden, die wir mit dem Flügel finden wollten. Weil wir mittlerweile wissen, unter welchen Umständen er mehr oder weniger bringt.

Lotus kämpft mit Force India um Platz 5. Können sie die noch schlagen?

Permane: Wir können sie noch schlagen. Wir sind ungefähr gleich stark. In Suzuka haben sie uns mit einer riskanten Strategie überholt. Die hätte auch schiefgehen können, wenn Hülkenberg in den Verkehr geraten wäre. Aber Hut ab. Der Poker hat funktioniert. Sie sind besser als wir im Training. Im Rennen hängt es von der Strecke ab. Mal liegen wir vorne, mal sie. Wir müssen schauen, dass wir am Anfang des Rennens vor ihnen liegen, wenn wir sie schlagen wollen. Was aber schwierig ist. Ihre Starts sind viel besser als unsere.

In Japan mussten sie unter schwierigen Bedingungen arbeiten. Kein Pavillon, keine Büros. Wären Sie am Ende besser als auf Platz 7 und 8 gelandet, wäre alles normal verlaufen?

Permane: Für ein Rennen macht das keinen großen Unterschied. Vielleicht sogar das Gegenteil. Es hat in uns eine Jetzt-erst-recht-Stimmung erzeugt. Wenn es immer so wäre, würde sich das relativ schnell negativ auswirken. Dann wäre das demoralisierend für das Team. Und irgendwann hauen dir die guten Leute ab. Der größte Nachteil in Suzuka war, dass wir Boxenstopps nicht so intensiv üben konnten wie üblich. Im Rennen waren sie dann fast perfekt. Auch hier gilt. Ein Rennen kannst du das aushalten. Wenn es immer so wäre, würden die Boxenstopps darunter leiden. Da hängt viel vom Training ab.

Lotus hat den Testwinter schon mit einer kleinen Verzögerung begonnen. Hat sich das negativ auf die Saison ausgewirkt?

Permane: Ich glaube nicht. Wir konnten genug testen, um das herauszufinden, was wir herausfinden wollten. Für uns war es natürlich wichtig, so viel wie möglich zu testen. Wir hatten einen neuen Motorpartner und mussten in kurzer Zeit alles über den Motor und die Arbeitsweise der Mercedes-Leute erfahren.

Lotus wurde Dritter in Spa. Darf man davon ausgehen, dass dieser Streckentyp dem Auto am meisten liegt?

Permane: Das wäre die logische Schlussfolgerung. Aber andererseits waren wir nicht besonders gut in Silverstone. Auch da hat es schnelle Kurven. Dafür waren wir schnell in Montreal, und die Strecke hat ein völlig anderes Layout als Spa. Es ist wohl eher das Abtriebsniveau, das unser Auto gut aussehen lässt. Spa und Montreal verlangen mittleren Anpressdruck. Silverstone ist schon eine Strecke für viel Abtrieb. Dazu kam: Romain ist in Spa ein perfektes Wochenende gefahren. Vielleicht haben andere dort ein besonders schlechtes Wochenende gehabt. In der Formel 1 ist nie eine Sache allein schuld. Die Aero passte, wir haben keine Fehler gemacht, und der Fahrer war in Hochform.

Sie sprachen von dummen Punktverlusten. Auf was nehmen Sie da Bezug?

Permane: Zum Beispiel China. Pastor ist ein perfektes Rennen gefahren. Dann ist er in der Boxeneinfahrt abgeflogen. Gleiches Spiel in Bahrain. Wir haben im Training einen Fehler gemacht. Pastor musste von hinten starten. Dann ist er durchs ganze Feld gefahren, er wäre locker Siebter geworden, hat dann ist ihm aber in der Box einen Fehler unterlaufen. Romain hat in Kanada Punkte verloren, als er beim Überrunden einen Manor getroffen hat. Aber auch wir als Team haben Fehler gemacht. In Melbourne sind wir mit einem Problem ausgefallen, dass wir bei den Wintertestfahrten schon hätten bemerken müssen. Eine Schlauchschelle ist abgefallen. Das hat uns Turbo-Boost gekostet. Da hätten wir ganz einfach gute Punkte sammeln können. In Monte Carlo lag Pastor in aussichtsreicher Position, und wir hatten ein Problem mit der Hydraulikpumpe.

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