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Lotus F1 Shakedown

Zweite Lotus-Ära beginnt in Silverstone

Lotus stand beim GP Australien 1994 zum letzten Mal am Start eines Grand Prix. Danach musste der Rennstall aus Geldmangel zusperren. Am Dienstag (9.2.) wurde das Traditionsteam in Silverstone reanimiert. Lotus drehte mit seinem neuen Auto die ersten Proberunden.

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Am späten Nachmittag des 8. Februar war es so weit. Der neue Lotus stand auf seinen Rädern. Sogar Clive Chapman, der Sohn von Lotus-Gründer Colin Chapman war gekommen. Die Auferstehung von Lotus ist mehr als nur ein Marketing-Gag. Die Familie Chapman identifiziert sich mit dem Projekt.

Lotus gehört heute dem malaysischen Autokonzern Proton. Und hinter dem Team von Tony Fernandes steckt malaysisches Geld. Mittelfristig soll der Rennstall mit dem großen Namen, der zur Zeit noch im englischen Hingham residiert, nach Kuala Lumpur umziehen. Sogar die Regierung des südostasiatischen Staats unterstützt das Lotus Revival.

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Nur Ferrari, McLaren und Williams erfolgreicher

Lotus ist nach Ferrari, McLaren und Williams das vierterfolgreichste Team der Formel 1. Trotz 15 Jahren Abstinenz. Auf dem Konto stehen 491 GP-Starts, 107 Pole Positions, 79 Siege und sieben Konstrukteurstitel. Jim Clark (1963, 1965), Graham Hill (1968), Jochen Rindt (1970), Emerson Fittipaldi (1972) und Mario Andretti (1978) wurden auf Lotus Weltmeister. Der letzte Sieg, von Ayrton Senna 1987 in Detroit, liegt 23 Jahre zurück.

Lotus stand für die Genialität seines Gründers. Colin Chapman erfand das Monocoque, die Keilform, den Ground-Effect. Der Lotus, Jahrgang 2010, wird ein konservatives Auto sein. Der Zeitdruck zwang Technikchef Mike Gascoyne zu einem pragmatischen Ansatz. "Ich habe am 12. Mai begonnen, für Litespeed zu arbeiten. Die hatten sich um einen Platz im Formel 1-Feld beworben", erzählt der 46-jährige Engländer. Drei Monate lang machten sich Gascoyne und vier Kollegen Gedanken über ein Grobkonzept, ohne zu wissen, ob es sich auszahlen würde. Lotus bekam erst am 14. September den Zuschlag. Und Gascoyne war an Bord.

Lotus-Entwicklung im Eiltempo

Der Bau des Autos lief in Rekordzeit ab. Am 23. Januar war das erste Chassis fertig. Der ehemalige Jordan-, Renault- und Toyota-Konstrukteur ist ein alter Hase im Geschäft. Eine Woche nach dem Startschuss hatten er und seine Mini-Truppe bereits die Strukturen für die Nase und die Crashbox der Seitenkästen festgelegt. "Es folgten Hauptparameter wie Chassis und Tank." Weil Lotus in England erst sein Team aufbaute, trommelte Gascoyne in Köln bis zu 35 Ex-Toyotaingenieure zusammen, um das Design voranzutreiben.

"Wir konnten erst im Oktober in den Windkanal. Die CFD-Computer werden erst im nächsten Monat angeliefert. Deshalb sind wir bei der Aerodynamik den gängigen Trends und meiner Erfahrung gefolgt." Gascoyne leugnet nicht, dass der neue Lotus der Toyota Designphilosophie folgt. "Kein Wunder, meine drei Projektleiter kommen ja von dort." So zum Beispiel auch sein Stellvertreter, der Deutsche Dieter Gass.

Basisversion bis Barcelona

Die Arbeit im Aerolab-Windkanal von Bologna wird erst mit Beginn der Europasaison Früchte tragen. "Die Basisversion ist noch ein konservativer Wurf. Etwa 80 Prozent dessen, was wir erreichen wollen. Die Barcelona-Spezifikation wird dann schon deutlich anders aussehen." Geholfen hat, dass Gascoyne mit dem Cosworth-Motor und dem X-Trac Getriebe zwei feste Größen in sein Konzept einbauen konnte. "Hätten wir auch noch das Getriebe selbst bauen müssen, wäre es zuviel geworden."

Im Augenblick arbeiten 225 Leute für Lotus: 140 in der Produktion in England, 35 Ingenieure in Köln, 50 Aerodynamiker im Windkanal. Die Truppe in Köln wird jetzt sukzessive verkleinert, denn das Konstruktionsbüro zieht an die Basis nach Hingham um. Die Fertigung des Autos lief auch deshalb ohne Probleme ab, weil die gesamte Truppe Formel 1-Erfahrung hat. "Da sich viele Teams verkleinern mussten, war es leicht, Leute auf der Produktionsseite zu finden. Bei den Ingenieuren läuft es etwas zäher, weil viele Sperrklauseln in ihren Verträgen haben. Es wird noch ein halbes Jahr dauern, bis alle an Bord sind."

Erster Lotus-Test in Jerez

Nach dem ersten Probelauf in Silverstone folgt kommende Woche der erste echte Test in Jerez. Bis dahin sollte auch der letzte Crashtest bestanden sein. "Beim Frontalcrash sind wir durchgefallen, weil eine Spitze von 21 g Verzögerung gemessen wurde. Erlaubt sind nur 20 g. Das ist aber keine große Sache. Beim Vorab-Test in der Firma hat es funktioniert. Aber der ist eben nie 1:1 wie der FIA-Test."

Mit Jarno Trulli und Heikki Kovalainen hat Lotus zwei erfahrene Piloten angestellt. Mit Bedacht. "Wenn du nur acht Tage zum Testen hast, braucht du im Cockpit Leute, die wissen, was sie tun. Ein junger Fahrer wäre in unserem Fall eine Variable zuviel", erklärt Gascoyne die Fahrerwahl. Der kleine Mann aus Norwich, weiß was auf dem Spiel steht: "Der Name Lotus verpflichtet. Wir können es uns nicht wie andere neue Teams leisten, drei Sekunden hinter dem Feld herzufahren."

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Autor: Michael Schmidt
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Risi | 09.02.2010, 16:11 Uhr

Soweit ich weiß dürfen die FIA die angemeldeten Teams bis zur Autovorstellungsfrist nicht rauskegeln.
Es sei denn das Team meldet selbst den Austieg an ;-)

Joachim M | 09.02.2010, 16:02 Uhr

Neben Virgin scheint Lotus ein professioneller Einsteiger. Es ist mir unverständlich, dass beim aktuellen Taktieren und Verschleierungsverhalten von USF1 und Campos ernst zu nehmende Kandidaten wie Sauber-BMW so lange auf eine konkrete Zusage warten mussten.
Aus der Ferne betrachtet ist es eben so unverständlich, dass ein Team mit Material und Geld wie Stefan F1 nicht unmittelbar als Ersatz zum Zug kommt. Die FIA scheint in manchen Belangen träger als die dafür berüchtigten deutschen Behörden.

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