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Lotus gegen Lotus

Der absurde Konflikt bei Lotus

Heikki Kovalainen Foto: dpa 36 Bilder

Das Formel 1-Feld steht für 2011 vor Veränderungen. Bei Renault, Lotus, Hispania und VirginF1 passieren derzeit Dinge, die an einen Wirtschaftskrimi erinnern. Es geht um neue Namen, Investoren und Besitzverhältnisse.

08.11.2010 Michael Schmidt

Hinter den Kulissen der Formel 1 rumort es. Finanziell gesund sind nur die vier Topteams Ferrari, McLaren, Red Bull und Mercedes. Von Renault abwärts gehen die Geldsorgen los. Obwohl die Wirtschaft wieder boomt und die Formel 1 eine der besten Shows aller Zeiten abliefert, halten sich die Sponsoren zurück. In der Not kommt es zu seltsamen Fusionen, um am Leben zu bleiben oder auf die alternative Art Geld zu generieren

Renault und Lotus Verbindung

Das absurdeste Beispiel dafür ist die Verbindung von Renault und Lotus. Es handelt sich hier um den Sportwagenhersteller Group Lotus, nicht zu verwechseln mit dem Rennteam Lotus Racing. Lotus-Geschäftsführer Dany Bahar hat sich auf die Fahnen geschrieben, Ferrari auf der Straße Konkurrenz zu machen und für diesen abenteuerlichen Plan in Malaysia offenbar viel Geld gefunden. Man spricht von einer Summe jenseits einer halben Milliarde Dollar.

Mit sechs Prototypen beim Pariser Salon zeigte Lotus, dass man es mit dem ehrgeizigen Unternehmen offenbar ernst meint. Nicht einmal Volumenhersteller wie Volkswagen konnten mit derart vielen Neuheiten glänzen. Ein Teil der Investionen fließt als Marketinginstrument in Form von Sponsorgeldern in den Motorsport. Lotus will in Zukunft in der Formel 1, in Indy, Le Mans und den Nachwuchsserien GP2 und GP3 mit seinen Farben vertreten sein.

Lotus langt kräftig in die Tasche

In der Formel 1 kommt Renault zum Handkuss. Der zu 75 Prozent privatisierte Rennstall wird ab 2011 nicht mehr in den Renault-Farben gelb und schwarz antreten. Angeblich zahlt Lotus für fünf Jahre pro Saison rund 30 Millionen Dollar an das Team von Gerard Lopez. Ein Namenswechsel in Lotus steht aus zwei Gründen nicht zur Debatte. Dazu bräuchte man die Zustimmung aller anderen Teams, was schon am Veto von Lotus Racing scheitern würde. Andererseits sind die Verträge der Fahrer und bereits existierenden Sponsoren wie zum Beispiel Total an Renault gebunden und müssten neu verhandelt werden. Lotus wird den Gerüchten zufolge nur als Titelsponsor auftreten, was zu einer Bewerbung unter der Bezeichnung "Lotus Team Renault" führen soll. Da Renault bei Renault etwas in den Hintergrund treten wird, sicherte sich der französische Konzern mehr Sponsorfläche auf den Red Bull.

Bei Lotus Racing schüttelt man nur den Kopf. Technikchef Mike Gascoyne wundert sich: "Wenn Lotus Werbung für seine Straßenautos machen will, warum geben sie dafür soviel Geld aus? Mit uns hätten sie das umsonst." Gascoyne spielt darauf an, dass Group Lotus seit Jahren nur Verluste schreibt und von der Konzernmutter Proton und vom malaysischen Staat subventioniert wird. Wer böswillig ist, könnte es auch so deuten, dass hier Steuergelder in der Formel 1 verblasen werden. Lotus Racing liegt seit Monaten mit Group Lotus im Streit um die Namensrechte. Obwohl Teamchef Tony Fernandes die Rechte für den Titel "Team Lotus" von David Hunt gekauft hat und guter Dinge ist, einen Rechtsstreit zu gewinnen, wird er vermutlich darauf verzichten, seinen Rennstall weiter Lotus zu nennen. Das Team, das hauptsächlich mit malaysischem Geld finanziert ist, könnte im nächsten Jahr "Team 1Malaysia" heißen.

Zusammenarbeit von Hispania, Williams und Toyota

Die merkwürdigen Vorgänge bei Lotus sind nicht der einzige Brennpunkt in der Formel 1. Hispania hat einen Investor gefunden, der die Zusammenarbeit mit Toyota und Williams finanziert. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Ex-Telefonica Präsident Juan Villalonga. Angeblich ist der Deal mit Toyota perfekt. Köln entwickelt und baut die Autos, Williams liefert das Getriebe und die Hydraulik dazu, und Hispania setzt das Puzzle zusammen und bringt es an die Rennstrecke. Wegen der starken spanischen Präsenz wird Pedro de la Rosa als einer der beiden Fahrer für 2011 gehandelt. Der Ex-Sauber Pilot würde viel Erfahrung mit den Pirelli-Reifen mitbringen.

Auch bei VirginF1 stehen Veränderungen ins Haus. Das Konstruktionsbüro von Nick Wirth baut weiterhin das Auto in Eigenregie, worüber Timo Glock nicht ganz glücklich ist. Finanziell sei das Team gesund, bestätigte Teamchef John Booth in Brasilien: "Unser Budget ist für drei bis fünf Jahre gesichert." Der Fahrerlager-Flurfunk berichtet von russischen Investoren, die an Anteilen des Rennstalls interessiert sind. Sie sollen aus der Automobilbranche kommen.

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