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Das Lotus-Geheimnis

Mercedes vermutet Trick im Fahrwerk

Räikkönen GP China 2013 Foto: xpb 22 Bilder

Warum geht der Lotus so nett mit seinen Reifen um? Mercedes-Ingenieure glauben das Geheimnis gelüftet zu haben. Weil die schwarzen Autos mit mehr Federweg fahren als alle anderen. Sie vermuten den Trick im vernetzten Fahrwerk des Lotus E21.

18.04.2013 Michael Schmidt

Der Lotus ist ein Phänomen. Selbst Red Bull-Designguru Adrian Newey rätselt, warum die schwarzen Autos so pfleglich mit ihren Reifen umgehen. Kimi Räikkönen kam in Melbourne und Sepang mit einem Stopp weniger über die Runden als die Konkurrenz. Beim Saisonauftakt in Melbourne war das der Schlüssel zum Sieg.

In Shanghai fuhr der Finne mit einem schwer beschädigten Auto auf Platz zwei. Wie Lotus-Chefingenieur Alan Permane auto motor und sport verriet, verlor Kimis Auto zehn Punkte Abtrieb. "Auf die Rundenzeit gerechnet waren das 0,25 Sekunden." Trotz des Handikaps kämpfte Räikkönen nicht mit einem übermäßigen Reifenverschleiß.

Der Trick mit dem vernetzten Fahrwerk

Bleibt die Frage, warum die schwarzen Autos sich so ein weiches Fahrwerk ohne aerodynamische Nachteile leisten können. Auch darauf weiß Costa eine Antwort: "Wir glauben, dass ihr vernetztes Fahrwerk am besten funktioniert." Bei Mercedes heißt dieses System Fric. Das ist keine neue Erfindung, sondern bereits im dritten Jahr im Auto. Red Bull, McLaren, Ferrari, Lotus, Williams, neuerdings auch Sauber arbeiten mit einer ähnlichen Technologie.

Ein Hydraulikkreislauf, der mit den vier Dämpfern verbunden ist, gleicht die Nickbewegungen des Autos beim Bremsen und Beschleunigen über Stellglieder aus. Und er reagiert darauf, wenn das Auto wegen der abnehmenden Benzinmenge hinten leichter wird. Ein aktives Fahrwerk light, wenn man so will. Mercedes unternahm vor zwei Jahren einen Versuch, auch die Rollbewegungen des Autos in Kurven zu nivellieren, scheiterte aber an der Komplexität der Steuerung. Inzwischen ist das System wieder abgespeckt. Und effizienter.

Ex-Lotus-Ingenieur gab Tipp

Den Tipp gab auch ein ehemaliger Lotus-Ingenieur, der im vergangenen Jahr abgeworben wurde. Ross Brawn vermutet mit diesem Wissen in der Hinterhand: "Lotus hat das einfachste, aber vermutlich beste System." Doch auch da steckt der Teufel im Detail. Das interaktive Fahrwerk ist schwer abzustimmen, denn alles was man tut hat auch einen Einfluss auf die Aerodynamik.
 
Lotus-Teambesitzer Gerard Lopez gibt zu: "Das Fenster der Fahrwerksabstimmung ist sehr klein. Wir treffen es mit Kimi öfter als mit Grosjean." Das liegt an den unterschiedlichen Fahrstilen. Grosjean fährt nach Beobachtung von Sebastian Vettel mit mehr Untersteuern als jeder andere im Feld. Deshalb hat er beim Fahrwerks-Setup andere Präferenzen als Räikkönen. Und die sind offenbar mit der Aerodynamik nicht so einfach unter einen Hut zu bekommen. Lopez verrät: "Romain strapaziert in den langen Kurven seine Reifen mehr als Kimi."
 
In unserer Fotogalerie zeigen wir Ihnen am Beispiel von Mercedes, wie das FRIC-System genau funktioniert.

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