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Lotus im Wandel

Caterham will nach oben

Lotus Teamfoto GP Brasilien 2011 Foto: xpb 52 Bilder

Noch heißt das Team Lotus. Im nächsten Jahr tritt die Truppe von Tony Fernandes in den gleichen Farben, aber unter dem Namen Caterham an. Dann soll auch der Anschluss ans Mittelfeld geschafft werden. Mit neuer Fabrik, neuem Chefaerodynamiker, Heikki Kovalainen und möglicherweise einem Red Bull-Junior.

01.12.2011 Michael Schmidt

Nach zwei Jahren Streit um den Namen Lotus gibt es seit einigen Wochen ein Einlenken. Lotus nennt sich 2012 Caterham, und Renault heißt Lotus. Alles verstanden? Macht nichts. Die Formel 1-Strategen stolpern derzeit von einem Fehler in den nächsten. Und das ohne Not, denn der Sport bietet eigentlich eine ganz gute Show. Trotzdem erlaubt man, dass drei Teams ihren Namen ändern statt endlich mal ein bisschen Kontinuität in den Laden zu bekommen.

Caterham stellt sich neu auf

Für Lotus, pardon Caterham, beginnt die nächste Saison zwar weiter in den Farben grün und gelb, aber unter neuer Flagge. Den Plan, den Teamchef Tony Fernandes mit Lotus hatte, zieht er jetzt mit Caterham durch: "Es wird eine enge Anbindung des Formel 1-Teams mit den Straßenautos geben. Bis 2014 bringen wir drei neue Modelle auf den Markt. Es wird sich um leichte, bezahlbare Sportwagen handeln, bei denen der Fahrspaß im Vordergrund steht." Also genau das Gegenteil seiner einstigen Widersacher von Group Lotus, die lieber im Hochpreissegment von Ferrari wildern möchten.

Der Formel 1-Rennstall von Caterham zieht im Winter von Hingham in der Grafschaft Norfolk nach Leafield in die Nähe von Oxford um. Die ehemalige Fabrik von Arrows und TWR wird das neue Basislager. "In Hingham bleiben nur noch die Karbonproduktion und ein paar Ingenieure", bestätigt Fernandes. Die Windkanalarbeit bei Aerolab in Bologna wird komplett zu Williams in Grove transferiert.

Im Moment arbeiten die Aerodynamiker noch zweigleisig. "Damit ist praktisch alles unter einem Dach. Wir hatten zu lange Wege", übt Technikchef Mike Gascoyne Selbstkritik. Der umtriebige Engländer verstärkte jüngst sein Technikteam mit dem neuen Chefaerodynamiker John Iley. Der hatte zuletzt bei McLaren und davor bei Ferrari gearbeitet und bringt damit auch viel Wissen von den Top-Teams mit.

Motor von Renault, KERS von Red Bull

Die Zutaten für das neue Auto sind vom Feinsten. Renault liefert die Motoren, Red Bull das Getriebe und erstmals auch KERS. Der neue Heckflügel, der in Brasilien debütierte, war bereits ein Vorgriff auf 2012. "Er ist in der DRS-Stellung effizienter", erklärt Gascoyne. Fernandes ergänzt stolz: "Es war das erste Produkt unserer neuen CFD-Truppe." Heikki Kovalainen spricht von "zwei bis drei Zehnteln Fortschritt".

Der Finne ist für 2012 gesetzt. Gerüchte, dass ihn Renault aus dem Vertrag kaufen will, werden von Fernandes abgewiegelt: "Heikki ist unverkäuflich. Er will mit unserem Team wachsen und sich etwas Eigenes schaffen." Unklarheit gibt es noch über das Schicksal von Jarno Trulli. Fernandes will das Rätsel nicht auflösen. Auf die Frage, ob Trulli auch 2012 in einem Caterham sitzt, meinte der Airline-Chef ausweichend: "Wir haben Jarno bei der FIA als Fahrer angemeldet. Momentan hat er einen Vertrag mit uns."

Red Bull-Junioren bei Caterham?

Gerüchte wollen wissen, dass Red Bull im nächsten Jahr am liebsten einen seiner Junioren bei Caterham platzieren würde. Ob Daniel Ricciardo oder Jean-Eric Vergne ausgeliehen wird, steht noch nicht fest. "Beide brauchen Rennerfahrung", meinte Red Bull-Berater Helmut Marko kryptisch.

Caterham wäre zum Lernen eine bessere Basis als Hispania, wo Ricciardo elf GP-Einsätze abgedient hat. Seit dem GP Singapur haben sich die grünen Autos näher ans Mittelfeld herangepirscht. Eine Diffusor- und Auspuffmodifikation brachte dem Lotus T128 deutlich mehr Abtrieb im Heck. Das ganze Geheimnis liegt im angeblasenen Diffusor. "Als wir in Barcelona von einem normalen Auspuff auf einen umstellten, der in den Diffusor bläst, haben wir auf einen Schlag eine halbe Sekunde gewonnen. Seit wir mehr davon verstehen, kam noch einmal eine halbe Sekunde dazu. Im Vergleich zur Red Bull-Version fehlt uns aber immer noch eine Sekunde", rechnet Gascoyne vor.

Das ganze sei ein Zeitproblem. "Die meisten Teams haben mit dieser Entwicklung schon im letzten Jahr begonnen. Wir erst im Winter. Es dauert, bis man seinen Windkanal dafür eingerichtet hat."

Fernandes ruft zum Sparen auf

Für Berufsoptimst Fernandes ist klar, dass Caterham im nächsten Jahr seine ersten WM-Punkte einfährt. "Wir haben die Voraussetzungen dafür geschaffen. Die Werkzeuge sind da, die Mannschaft geht in ihr drittes Jahr." Obwohl der Rennstall finanziell abgesichert ist und ein neuer großer Sponsor vor der Tür steht, kämpft Fernandes für eine strikte Einhaltung der Ressourcenbeschränkung.

"Es wird immer noch zu viel Geld ausgegeben, und vor allem zu viel am falschen Ort. Früher haben wir von einer Million Euro Miete für KERS gesprochen. Jetzt sind wir schon bei drei bis fünf Millionen. Für was? Unser KERS trägt nichts zur Umwelt bei. Auch der angeblasene Diffusor bringt der Serienentwicklung null. Ich habe kürzlich bei einer Teamchef-Sitzung einer Diskussion von Martin Whitmarsh und Christian Horner zu diesem Thema zugehört und nur Bahnhof verstanden. Wenn ich es schon nicht kapiere, wie sollen es dann die Fans?"

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