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Lotus Racing

Chapman-Familie fällt Fernandes in den Rücken

Lotus F1 2010 Foto: xpb 24 Bilder

Ein ganzes Jahr lang zeigte Colin Chapmans Witwe Hazel und Sohn Clive Flagge. Der Chapman-Clan gab der Wiederbelebung des Namens Lotus in der Formel 1 durch Tony Fernandes ihren Segen. Jetzt schlägt sich die Familie des Gründers auf die Seite von Group Lotus, die sich bei Renault eingekauft haben.

27.12.2010 Michael Schmidt

Als Lotus-Chef Tony Fernandes beim GP Europa den 500.Start eines Lotus in der Formel 1 feierte, da waren Hazel und Clive Chapman vor Ort. Sie hatten auch nichts dagegen, als sich die Truppe von Fernandes, die unter dem Namen Lotus Racing antrat zum Gruppenfoto mit dem aktuellen Lotus T127 und seinem Urahn, dem Lotus 12 von 1958 aufstellte. Der Lotus-Clan gab dem Revival der Traditionsmarke immer Rückendeckung.

Mittlerweile gibt es einen Konkurrenten. Group Lotus setzt seinen Fuß in die Formel 1-Tür und beansprucht den Namen und das Weiterführen des Erbes für sich. Die Marke taucht 2011 als Hauptsponsor und Teilhaber des Renault-Teams auf. Wenn man dem rührigen Einsatz von Fernandes Etikettenschwindel vorwirft, dann trifft das auch für die Aktivitäten von Group Lotus zu. Eine Fortsetzung der Geschichte des berühmten Rennstalls ist beides nicht. Gründer Colin Chapman würde protestieren, wenn er mit ansehen müsste, dass der Name seiner Firma nun nur noch ein Sponsor ist.
 
Chapmans Erben haben sich mittlerweile auf die Seite von Group Lotus geschlagen. In einer Presseerklärung vom 23. Dezember lässt Clive Chapman, Direktor von Classic Team Lotus, mitteilen: "Die Chapman Familie ist beeindruckt von den aufregenden Entwicklungen bei Group Lotus. Wir sind dankbar für die bedeutende Investition, die Proton getätigt hat, um die Zukunft und die Arbeit in der Fabrik in Hethel zu sichern. Als Gegenleistung haben wir uns bereit erklärt, den Namen Lotus 2010 in der Formel 1 benutzen zu dürfen, einen Namen, der von Group Lotus lizensiert worden war. Wir waren beeindruckt, was das Team als Neuling geleistet hat. Die Lizenz den Namen Lotus benutzen zu dürfen, ist jedoch abgelaufen, und die Dinge haben sich geändert. Die Chapman-Familie hat aber auch immer klar gemacht, dass sie den Namen‚ Team Lotus‘ in der Formel 1 nicht wünscht. Das Weitertragen der Lotus-Historie durch Group Lotus wird von uns dagegen außerordentlich geschätzt."
 
Das ist ein Schlag ins Gesicht von Tony Fernandes, der die Namensrechte für "Team Lotus" im vergangenen September von David Hunt erworben hatte. Der Frontenwechsel der Chapman-Familie zu den Formel 1-Aktivitäten von Group Lotus bedeutet für ihn nun schwarz auf weiß, dass er den Namen Lotus aufgeben muss. Es gilt als wahrscheinlich, dass sein Rennstall 2011 unter der Bewerbung "Team 1Malaysia" antritt. Die Gründerfamilie hat sich auf die Seite der Straßensparte der Firma geschlagen, die derzeit eine der ehrgeizigsten aber auch utopischsten Kampagnen in der Automobilgeschichte fährt. Lotus sagt Ferrari und Porsche den Kampf auf der Straße an, und will dafür auf allen Rennstrecken der Welt Marketing betreiben: In der Formel 1 und GP2 als Sponsor, in der IndyCar-Serie als Motorenhersteller, in Le Mans als Konstrukteur.

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