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Lotus Racing vs. Group Lotus

Der Streit um einen Namen

Lotus F1-Cockpit Foto: Lotus Racing 61 Bilder

Group Lotus und Lotus Racing streiten darum, wer als Lotus im Motorsport antreten darf. Das jetzige Formel 1-Team hat die Namensrechte für Team Lotus gekauft. Der Sportwagenhersteller Group Lotus verfolgt jedoch eigene Motorsportpläne. Ein Gerichtsstreit droht.

30.09.2010 Michael Schmidt

Lotus vs. Lotus - diese Geschichte entbehrt nicht einer gewissen Komik. Da ist der Name Lotus nach 26 Jahren Pause gerade mal ein Jahr zurück im Motorsport, und schon streiten sich zwei Parteien, wer diesen Namen in Zukunft führen darf. Der Zuschauer stellt bei dem Fall Lotus gegen Lotus die Frage: Worum geht es hier überhaupt?

Lotus Racing gegen Group Lotus

Zum besseren Verständnis sei die Definition vorausgeschickt, wer in dieser Posse welche Rolle spielt. Lotus Racing wurde von Tony Fernandes im letzten Jahr wiederbelebt. Der Chef der malaysischen Fluggesellschaft Air Asia gründete mit dem Segen der Chapman-Familie, der FIA, der malaysischen Regierung, von Bernie Ecclestone aber auch von Group Lotus das Formel 1-Team, das seit Jahresbeginn in den Traditionsfarben grün-gelb in der Weltmeisterschaft antritt.

Group Lotus baut Sportwagen und ist in Besitz der staatlichen malaysischen Automanufaktur Proton. Der Direktor von Group Lotus ist seit September 2009 ein gewisser Dany Bahar, dessen Name als ehemaliger Marketingchef von Red Bull und Ferrari in der Szene bekannt ist. Bahar verließ beide Firmen unter merkwürdigen Umständen, gilt als geltungssüchtig und guter Verkäufer der eigenen Sache. Group Lotus vergab an Lotus Racing die Lizenz zum Wiedereintritt in den Rennsport und verband damit einen einjährigen Sponsordeal, der nicht mehr erneuert wurde und damit Ende 2010 ausläuft.

F1-Rennstall kauft Rechte an "Team Lotus"

Den Grund für den Bruch zwischen Group Lotus und Lotus Racing erfuhren Tony Fernandes und seine Partner Kamarudin Meranun und SM Nasarudin als es um den Erwerb der Namensrechte von "Team Lotus" ging. Die gehören seit 1985 David Hunt, dem Bruder von Ex-Weltmeister James Hunt. Group Lotus wollte die Namensrechte in Eigenregie kaufen und blitzte ab. Fernandes bekam am 24.September den Zuschlag.

Das Formel 1-Team sattelt 2011 von Cosworth- auf Renault-Motoren um, bezieht ab nächstem Jahr auch Getriebe, Hydraulik und KERS aus Paris, und will seinen Rennstall ab 2011 nun wieder so nennen, wie er unter Firmengründer Colin Chapman Berühmtheit erlangte. Das war nur der Auftakt zu einem Konflikt, der vermutlich bald vor Gericht ausgetragen wird.

Group Lotus in der GP2

Dany Bahar hat ganz offenbar eigene Motorsportpläne, denn Group Lotus verbündete sich in der GP2 und GP3 mit dem ART-Team und geht mit seiner Bewerbung unter ART-Lotus offen in Konfrontation zu seinen früheren Weggefährten. Group Lotus sieht sich auch als rechtmäßigen Bewerber für die Formel 1-Lizenz von Lotus, egal wie das Team nun offiziell genannt wird.

Lotus Racing-Geschäftsführer Riad Asmat erklärt: "Wir haben uns in diesem Jahr als Lizenznehmer von Group Lotus als das beste der neuen Teams in der Formel 1 etabliert. Der Traum war immer, Team Lotus wiederzubeleben, aber wir haben respektiert, dass die Namensrechte bei David Hunt und seiner Firma Team Lotus Ventures AG lagen. Da wir die Namensrechte nun erworben haben, geht das Kapitel von Lotus Racing und auch unsere Lizenz mit Group Lotus 2011 zu Ende. Auch wenn es nicht relevant für unsere Pläne ist, wird noch darüber zu diskutieren sein, ob uns Group Lotus und Proton die Lizenz überhaupt entziehen können, denn die Punkte, die sie ins Feld führen, sind wirklich trivial. Angeblich wurde sie bei der Absegnung vom Design von T-Shirts nicht konsultiert."

Motorsport trotz roter Zahlen

Gerüchteweise ist zu hören, dass Group Lotus den Auftritt seines neuen Partners ART mit einer Million Dollar unterstützt. Der Alleingang löste im Formel 1-Team Verwunderung aus, zumal man weiß, dass die Sportwagensparte von Lotus seit Jahren rote Zahlen schreibt. "Warum diese GP2-Übung?", fragt sich nicht nur Technikchef Mike Gascoyne, der gerade bis 2015 bei seinem neuen Arbeitgeber verlängert hat.

"Will sich da einer nur profilieren. Mit uns hätte Group Lotus kostenlos Werbung für seine Straßenautos bekommen, weil die Welt draußen keinen Unterschied zwischen dem Rennteam und der Straßenautosparte macht? Jetzt müssen sie Geld in die Hand nehmen, um den Namen Lotus zu promoten. Ich bin gespannt, was die malaysische Regierung dazu sagt, wenn bei einem Gerichtsstreit alle Fakten auf den Tisch kommen."

GP2-Sponsoring mit Steuergeldern?

Was Gascoyne zwischen den Zeilen sagen will: Wer als Hersteller Verluste macht und am Tropf der Regierung hängt, trotzdem Geld in den Motorsport investiert, gibt quasi Geld des Steuerzahlers aus.

Tony Fernandes könnte die Konfrontation anheizen, indem er seinem neuen GP2-Team auch den Namen Lotus gibt. Um das Feuer nicht zu einem Flächenbrand ausarten zu lassen, nennt er seine Juniortruppe vorerst Team Air Asia. Die Fluglinie hat im letzten Jahr expandiert und Gewinne gemacht. Man erzählt sich, dass Fernandes genug Geld in der Kriegskasse hätte, die Sportwagenmanufaktur notfalls zu kaufen, um das Verfahren abzukürzen.

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