Auf dem Papier hört sich alles wunderbar an. Lotus kehrt in die Formel 1 zurück. Mit der Unterstützung der malaysischen Regierung und mit Geld des Autokonzerns Proton und der Fluglinie Air Asia. Nur um den Zuschlag für Sponsor Petronas muss Lotus noch mit Sauber kämpfen. Die Schweizer fürchten, dass der Druck des malaysischen Kartells auf den staatlichen Ölkonzerns so groß wird, dass er sich gegen die Partnerschaft mit Lotus nicht mehr wehren kann.
So attraktiv wie das Finanzgebäude des Teams erscheint, so dürftig ist die technische Ausstattung. Das Team hat die Fabrik von RTN in Norfolk angemietet, in der 1999 der Audi und später der Bentley für die 24 Stunden von Le Mans aufgebaut wurden. Mittelfristig soll das Team nach Kuala Lumpur umziehen. Ein Hirngespinst, denn in Malaysia gibt es kein Fachpersonal. Das muss noch rekrutiert werden.
Komplette Mannschaft gesucht
Lotus inseriert in der englischen Fachzeitschrift Autosport mit Stellenangeboten aller Art. Technikchef Mike Gascoyne sucht einen komplette Mannschaft. Also Chefdesigner, Zeichenbüro-Manager, Direktor für mechanische Konstruktion, Konstrukteure für Mechanik, Aerodynamikchef, Aerodynamiker, Produktionschef, IT-Manager, Chefmechaniker, Teammanager, Prokurist.
Mit anderen Worten: Sieben Monate vor dem Beginn der neuen Saison sind außer den Drahtziehern Tony Fernandes, Dany Bahar und Mike Gascoyne nur hochfliegende Träume aber wenig Hardware vorhanden. Gascoyne ist deshalb vorsichtig: "Es wird ganz eng, das Auto rechtzeitig auf die Räder zu stellen." Trotzdem setzt er die Ziele hoch an: "Wir wollen das beste der neuen Teams werden."
Fairuz Fauzy erster Kandidat für Lotus-Cockpit
Der starke Bezug zu Malaysia könnte sich als Eigentor erweisen. Als einer der Fahrer ist der 26-jährige Fairuz Fauzy aus Kuala Lumpur vorgesehen. Fauzy betätigte sich in den letzten Jahren mit mäßigem Erfolg in der P2-Serie, der A1-Meisterschaft und der Renault World Series.
Ein Mann, der zwischenzeitlich bei dem Projekt angedockt hatte, ist offenbar wieder abgesprungen. Gerard Lopez von Mangrove Capital Partners hatte sich bereits für BMW-Sauber interessiert, war dort aber nicht zum Zug gekommen. Die schwerreiche Luxemburger Investmentfirma hatte kurz Lotus unter die Lupe genommen, angesichts des bescheidenen technischen Backgrounds aber dort wieder die Leinen gekappt. Das soll aber nicht das Ende sein. Man hört, dass Lopez weiter auf der Suche nach einem Formel 1-Team ist. Es gibt ja genügend Wackelkandidaten im Feld.



