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Luca di Montezemolo

"Eigene Serie ein Denkmodell“

Luca di Montezemolo Foto: Wolfgang Wilhelm

Die Weichen für die Formel 1 der Zukunft werden 2012 gestellt. In diesem Jahr läuft das gültige Concorde Abkommen aus. Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo malt drei Szenarien an die Wand. Weitermachen mit CVC zu besseren Bedingungen, mit einer Fremdfirma als Rechteinhaber und auf eigene Faust.
 

17.12.2010 Michael Schmidt

Das Concorde Abkommen, das 1981 erfunden und seitdem immer wieder ratifiziert wurde, läuft Ende 2012 aus. Dann muss sich die Formel 1 auf neue Füße stellen. Einfach so weiter machen wie bisher, das schließt Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo aus.

Montezemolo bringt erneut eigene Rennserie ins Spiel

"Wir müssen darüber nachdenken, was zu tun ist. So wie es jetzt läuft, kann es nicht weitergehen." Montezemolo würde bei einem Neuanfang notfalls sogar auf die Namensrechte verzichten, die bei CVC liegen. "Brauchen wir den Namen Formel 1? Ich glaube, wir könnten es auch unter einem anderen Namen schaffen."

Der 63-jährige Italiener kann sich drei Szenarien für die Zukunft des GP-Sports vorstellen. Es klingt wie eine Drohung an CVC, die aktuellen Inhaber der kommerziellen Rechte. "Wir können natürlich mit CVC weitermachen. Aber nur zu besseren finanziellen Bedingungen und mit Bernie Ecclestone als starkem Mann. Es wäre auch ein anderer kommerzieller Partner denkbar. Oder die Teams gründen eine eigene Firma und übernehmen die Formel 1. Wir würden Bernie dann das Mandat für den Vorsitz geben und uns für das Marketing neue Wege einfallen lassen." Eine Formel 1 in Eigenregie sei keine Hexerei, meint Ferraris erster Mann: "Wir würden es nach dem Vorbild der NBA machen. Das gehört die Meisterschaft auch den Teams."

Es fällt auf, dass Bernie Ecclestone bei allen drei Lösungen eine wichtige Rolle spielt. "Der Mann, der die Formel 1 führt, muss eine Passion für den Sport haben. Er muss wie Bernie aus dem Rennsport und nicht von der Börse kommen. Wir akzeptieren keinen, der die Formel 1 nur als Geschäft sieht. Bernie hat bei allem, was er tut, nicht nur sich selbst, sondern auch immer den Sport im Auge." Der enge Schulterschluss mit dem 80-jährigen Engländer kommt überraschend, da Montezemolo in den Jahren zuvor oft auch Kritik am großen alten Mann der Formel 1 geübt hatte.

Montezemolo fordert mehr Geld und mehr Werbung

In Montezemolos Ausführungen ist auch eine deutliche Warnung an CVC versteckt. Der Ferrari-Chef bereitet mit seinen provozierenden Aussagen bereits die Verhandlungen für die Zeit nach 2012 vor. Dabei liegen den Bossen der Formel 1-Teams drei Dinge am Herzen. Erstens: Es muss mehr Geld für die Teams geben. Augenblicklich partizipieren die in der Formel 1 gemeldeten Rennställe mit 50 Prozent an den gesamten Einnahmen. Montezemolo hatte an anderer Stelle bereits angedeutet, dass man sich ab 2013 mindestens 75 Prozent Ausschüttung wünsche. Dem Ferrari-Rennleiter von 1974 und 1975 missfällt auch, dass CVC praktisch keinerlei Marketing für die eigene Rennserie betreibt. "Wir müssen uns der Welt anpassen, ein modernes Marketing aufziehen, am Internet präsent sein." Außerdem übt er Kritik an den neuen Rennstrecken. "Die neuen Strecken haben keinen Charakter. Oft sind langweilige Rennen in der Streckencharakteristik begründet. Auf vielen der neuen Strecken wurden die Chancen nicht genutzt. Platz wäre ja vorhanden, etwas Gutes zu bauen."

Montezemolo übte bei seinem vorweihnachtlichen Gedankenaustausch auch versteckte Kritik an der FIA: "Es kann nicht sein, dass sich die Regeln dauernd ändern. Wer soll das verstehen? Ich will das Geld nicht zum Fenster rauswerfen und unterstütze kostenbewusstes Handeln. Aber es kann nicht sein, dass wir der Kosten zuliebe alles aufgeben, was diesen Sport ausmacht. Die Formel 1 bedeutet für mich Innovation und extreme Technik." Montezemolo denkt dabei vor allem an die neue Motorenformel, die ab 2013 in Kraft tritt. "Ich kann mich damit nicht anfreunden. Ein 1,6 Liter-Vierzylinder, das ist doch nichts für die Formel 1. Wir hatten mal zwölf Zylinder in dieser Serie. Ferrari wird sich der neuen Motorenformel nicht in den Weg stellen, aber wir sagen auch ganz klar, dass wir mit dieser Regel nicht glücklich sind." Auch bei den Testfahrten wird laut Montezemolo zu viel gespart. "Früher haben wir es übertrieben. Jetzt tun wir das Gegenteil. Ich kenne keinen Sport, in dem zwischen den Veranstaltungen nicht trainiert werden darf."

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