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Luca di Montezemolo

Forderung nach klaren Regeln für die Formel 1

Luca di Montezemolo Foto: dpa 62 Bilder

Die Formel 1 steht 2010 vor einem großen Umsturz. Privatteams ersetzen die Hersteller, die Kosten müssen sinken, und der Sport hat mit Jean Todt einen neuen Verbandspräsidenten. Ferrari-Chef Luca di Montezemolo fordert klare Regeln, eine bessere Show und einen Wettbewerb.

20.12.2009 Michael Schmidt

Es gehört zur Formel 1-Geschichte von Ferrari, dass man in regelmäßigen Abständen mit dem Rückzug aus der Formel 1 droht. Auch diesen Sommer war es so. Doch damals, so Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo, sei es ihm wirklich ernst damit gewesen. "Wir hatten genug von der ganzen Politik."
 
Indirekt gibt Montezemolo dem alten FIA-Präsidenten Max Mosley die Schuld, dass sich die Formel 1 jetzt gesundschrumpfen muss. "Der Preis für diese Politik war, dass wir mit BMW, Toyota und zum Teil auch Renault drei Hersteller verloren haben." Den neuen Teams traut der charismatische Italiener nicht über den Weg: "Mal schauen, wie viele von denen beim ersten Rennen in Bahrain am Start stehen und in welchem Zustand sie antreten."

Extreme Technologie, Wettbewerb, Forschung...

Montezemolo vergisst: Die Hersteller sind nicht wegen der Politik ausgetreten, sondern wegen ihrer Erfolglosigkeit. Der Preis der Niederlage war zu hoch für die Autokonzerne. Ferraris Vordenker sieht trotz des Neubeginns der Formel 1 eine Chance, wenn der Sport seine alten Fehler abstreift. "Die Politik, die Polemik, die unklaren Regeln, die seltsamen Schiedsrichterentscheidungen, das alles muss aufhören." Man müsse sich zuallererst die Frage stellen, was für ein Produkt man verkaufen wolle. "Formel 1, das ist für mich extreme Technologie, Wettbewerb, Forschung." Und klare Verhältnisse.
 
Er sei optimitisch, dass der neue FIA-Präsident Jean Todt diesen Weg gehen will. "Er kommt aus der Formel 1. Sein Ziel ist es, ein neues Kapitel aufzuschlagen." Montezemolo will dabei nicht mehr in das Schema der Vergangenheit zurückfallen, in der das Geld mit beiden Händen ausgegeben wurde. "Auch wir wollen sparen. Es macht keinen Sinn, Geld in Technik auszugeben, die der Fan nicht versteht. Kohlefaserbremsen und andere exotische Materialien, die nur in der Raumfahrt vorkommen, bringen die Formel 1 nicht weiter. Auch in der Aerodynamik gibt es Auswüchse, die mit einem normalen Auto nichts mehr zu tun haben. Wir brauchen ein Fenster, innerhalb dessen aber voller Wettbewerb erlaubt ist."

Motorenentwicklung auftauen

Ferrari, die Firma, der Motoren heilig sind, will nicht akzeptieren, dass die Motorenentwicklung eingefroren ist. "Das geht gegen den Geist der Formel 1. Es geht auch ohne Entwicklungsstopp. Man gibt die Anzahl der Leute und die Anzahl der Arbeitsstunden vor, und innerhalb dieses Limits darf jeder tun, was er will." Warum, so Montezemolo, müsse man immer von einem Extrem ins andere fallen, wenn man etwas reformieren wolle. Und nennt gleich ein Beispiel. "Vor drei Jahren haben Ärzte während einer Operation eine geraucht. Heute wirst du eingesperrt, wenn du dir in einem geschlossenen Raum eine Zigarette anzündest."
 
Die Technik muss laut Montezemolo in eine neue Richtung gelenkt werden. Eine, die zeitgemäß ist. "Auch wir müssen uns mit Themen wir Benzinverbrauch, CO2-Ausstoß und Energie-Wiedergewinnung beschäftigen." KERS sei ja eine gute Idee gewesen, nur die Ausführung war schlecht. Ich bin dafür, dass es mit einer neuen Motorenformel ab 2012 wieder KERS gibt. Aber dann als integrierter Bestandteil des Motors und nicht als frei wählbares Extra.

Rückkehr zu Testfahrten

Zweites große Anliegen sind die Regeln selbst. "Es kann nicht sein, dass die Formel 1 der einzige Sport ist, für den man nicht trainieren darf." Wenn man Michael Schumacher vor seinem Comeback oder Felipe Massa nach seinem Unfall in ein 2007er Auto setzen müsse, um ihnen ein paar Kilometer im Renntempo zu ermöglichen. Oder wenn junge Fahrer ohne Testmöglichkeit ins kalte Wasser geworfen werden. "Bei allem Respekt vor dem Sparen. Das muss sich ändern."
 
In Bezug auf die Show müsse man sich viele neue Fragen stellen. Ist es gut, dass ein Rennen am Sonntagnachmittag um zwei Uhr gestartet wird, zu einer zeit wo die Familie ihre Freizeit eigentlich viel lieber anders nutzen möchte? Machen Rennen mit einer Dauer von zwei Stunden Sinn, wenn es in den letzten Runden nur noch darum geht, den Motor zu schonen? Dürfen die Tickets soviel kosten wie ein Kurzurlaub? Kann es sein, dass das Internet für die Formel 1 nicht existiert?

Formel 3 ohne Ferrari

Zum Schluss schlägt Montezemolo versöhnliche Töne an. Bernie Ecclestone, der Mann, den er im Sommer noch bekämpfte, sei vielleicht im Herbst seines Schaffens angelangt, "aber ich bin sicher, dass Bernie die Formel 1 noch in ein neues Zeitalter hinüberbringen will." Dabei wird ihm Ferrari genau auf die Finger schauen. "Wir sind in der Formel 1, solange die Formel 1 die Formel 1 bleibt. Wenn sie durch zunehmende Standardisierung zur Formel 3 degeneriert, sind wir nicht mehr interessiert."

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