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Lügenbaron Stoddart

Foto: dpa

Paul Stoddart hielt die Formel 1 drei Tage lang zum Narren. Nachdem die Sporthoheit FIA mit der Absage des GP Australien drohte, zauberte der Minardi-Chef plötzlich doch zwei regelkonforme Autos aus dem Hut.

05.03.2005

Das Schreiben, das die FIA am Samstagmorgen (5.3.) ins Fahrerlager flattern ließ, war mehr als eine leere Drohung: Melbourne müsse mit einer Absage des Rennens rechnen, richtete FIA-Präsident Max Mosley aus. Grund des Unmuts bei der Sportbehörde war ein Gerichtsbeschluss vom Freitag, der Minardi dank Einstweiliger Verfügung trotz regelwidriger Autos die Teilnahme am Rennen erlaubte.

Die FIA beklagte, dass die für das Verbot verantwortlichen Rennkommissare vor Gericht nicht angehört worden waren. Der FIA-Technik-Chef Charlie Whiting traf den Richter erst nach der Entscheidung am Abend in einer Kneipe. "Wenn die Gesetze in Australien einem Gericht erlauben, so zu handeln, muss die FIA überlegen, ob Weltmeisterschaftsläufe in Australien durchführbar sind", ließ Mosley ausrichten und setzte damit auch gleich das Saisonfinale der Rallye-WM in Perth auf die schwarze Liste.

Stoddart: Bogen überspannt

Paul Stoddart gab "im Interesse des Sports" klein bei. Er wolle seinen Heimat-Grand Prix nicht gefährden, sagte der Melbourner. Mit seinem Widerwillen gegen die Mosley-Erpressung konnte er jedoch nicht hinterm Berg halten: Die Verfasser der FIA-Pressemitteilung seien entweder schlecht informiert gewesen oder nähmen es mit der Wahrheit nicht allzu genau.

Stoddart lehnt sich weit aus dem Fenster, wurde doch gerade er an diesem Samstag bei einer dreisten Lüge ertappt: Plötzlich rollten beim freien Training zwei regelkonforme Minardi mit nagelneuer Aerodynamik aus den Boxengaragen. Einen Tag zuvor hatte Stoddart noch behauptet, er müsse die Teile erst einfliegen lassen, wisse nicht, ob sie rechtzeitig einträfen, und außerdem seien auch nur Teile für ein Auto vorhanden.

Sicherheitsbedenken haltlos

Auch Stoddarts lautstark vorgetragene Sicherheitsbedenken, es sei unverantwortlich, zwei unerfahrene Fahrer mit ungetestetem Material auf die Strecke zu schicken, erwiesen sich als haltlos. Patrick Friesacher und Christijan Albers überstanden den Samstag trotz der Wetterkapriolen ohne Ausrutscher. Im letzten freien Training ließen sie gar die beiden Jordan hinter sich. Auf den Toyota von Ralf Schumacher fehlte gerade eine Sekunde.

Im Nachhinein stellt sich Stoddarts große Bettelaktion als plumper Täuschungsversuch heraus. Mit der 2004er Aerodynamik wollte sich der Australier lediglich einen Wettbewerbsvorteil sichern. Ob er sich einen großen Dienst erwiesen hat, ist fraglich. Das Manöver hat Minardi viele Sympathien gekostet. FIA-Präsident Max Mosley, Bernie Ecclestone und Ferrari-Teamchef Jean Todt sind nicht berühmt dafür, schnell zu verzeihen. Auch in den australischen Medien kippt die Stimmung: Zuletzt sprach eine lokale Zeitung von einem "Sturm im Wasserglas".

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