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Macht Red Bull illegale Sachen?

Force India-Spion beim Red Bull-PR-Tag

Red Bull - Goodwood 2013 Foto: Red Bull 26 Bilder

Force India hat die Nase voll von der ungerechten Formel 1 und den Machenschaften der Top-Teams. Vor allem Red Bull hat der kleine Rennstall im Visier. Im ungleichen Duell werden jetzt schwere Geschütze aufgefahren.

07.11.2013 Michael Schmidt

Eigentlich gehen sich Red Bull und Force India aus dem Weg. Die einen fahren an der Spitze, die anderen im Mittelfeld. Und doch geraten die beiden Teams in jüngster Zeit immer öfter aneinander.

Force India ärgert sich über die Selbstgefälligkeit der großen Teams, die glauben die Formel 1 gehöre ihnen. Die meinen, man könne sich einfach so wie im Selbstbedienungsladen nehmen was man wolle. Red Bull sträube sich gegen jede Kostendeckelung, wolle seine eigenen Probleme mit Kundenautos lösen und kümmere sich keinen Deut um die Zukunft des Sports, so die Vorwürfe.

Teamchef Vijay Mallya schoss kürzlich auch öffentlich scharf gegen die Pläne der Top-Teams, sich Kundenautos zu halten: "Die großen Teams weigern sich die Kosten zu reduzieren. Deswegen funktioniert die Ressourcenbeschränkung nicht. Stattdessen versuchen sie jetzt die Kosten der kleinen Teams mit einer radikalen Kundenauto-Lösung zu senken - nur um selbst noch mehr ausgeben zu können."

Der WM-Sechste ärgert sich zudem darüber, dass man selbst - genau wie auch Sauber, Toro Rosso und Williams - gerade mal ein Drittel des Geldes bekommt, das Bernie Ecclestone an Ferrari und Red Bull ausschüttet. Das Mittelfeld trägt aber mehr als ein Drittel zur Show bei.

Was macht Red Bull in der Sommerpause?

Ein weiterer Vorwurf lautet, dass sich die Top-Teams nicht an die vereinbarten Regeln halten. So glauben viele im Fahrerlager, dass Red Bull die Test- und Ressourcenbeschränkungen unterwandert, die man miteinander vereinbart hat. Man wundert sich zum Beispiel, dass die Weltmeister-Truppe nach der Sommerpause im Vergleich zur Konkurrenz immer einen Riesenschritt nach vorne macht.

Das kann eigentlich nicht sein, weil die Fabrik im August zwei Wochen lang geschlossen bleiben muss. Nicht nur die eigenen Mitarbeiter müssen Zwangsurlaub nehmen. Streng genommen dürfen auch die Zulieferer nicht an den Aufträgen für das Team arbeiten.

Als die FIA nun endlich ankündigte, man werde die Einhaltung der Sommerpause ab 2014 genauer kontrollieren, kam der größte Widerstand von Red Bull. Die Truppe aus Milton Keynes wehrte sich vor allem dagegen, dass auch die Lieferanten geprüft werden. Offenbar mit Erfolg. Aus Kreisen des Weltverbandes heißt es, man habe keine rechtliche Grundlage, Zulieferer zu kontrollieren.

Marko wehrt sich gegen Verdächtigungen

Bei Red Bull kann man die Aufregung nicht verstehen. Teamberater Helmut Marko sagte kürzlich im hauseigenen Sender Servus TV: "Wir sind nach der Sommerpause besser, weil wir in den Ferien zwar die Fabrik schließen aber nicht die Gehirne ausschalten. Sebastian Vettel kommt zudem immer besonders motiviert zurück, während die anderen offenbar schon die Strapazen der Saison spüren. Daran zerbricht die Konkurrenz."

Weltmeister Vettel selbst schob weitere Argumente hinterher: "Wir verstehen nach dem Sommer einfach unser Auto immer besser. Die Abstimmungsarbeit funktioniert dadurch schneller und ich kann dann auch als Fahrer mehr rausquetschen." Doch die Gegner sind überzeugt: Da sind mehr als nur Denkprozesse am Werk.

Force India schickt Beobachter zu Red Bull-Filmtag

Entwicklung in der Sommerpause ist aber nicht der einzige Verdacht der Konkurrenz gegen Red Bull. Angeblich absolvieren die Seriensieger zudem auch noch unerlaubte Testfahrten während der Saison, die als Promotion-Tage deklariert werden. Acht solcher Filmtage, die normalerweise für Werbeaufnahmen genutzt werden sollen, sind pro Jahr erlaubt.

Force India schöpfte Verdacht, weil Red Bull fast alle dieser PR-Tage auf der englischen Rennstrecke von Rockingham ansetzt. Was bitte will man dort filmen? Rockingham ist ein Oval mit Infield. Sicher nicht geeignet, um dort trendige Werbefilmchen im Stile von Red Bull zu drehen. Das Ausprobieren neuer Teile ist gemäß Artikel 1.6 des Testabkommens verboten. An den Filmtagen darf jeweils nur 100 Kilometer gefahren werden.

Jetzt wollte sich Force India selbst davon überzeugen, was der vierfache Weltmeister in Rockingham so treibt. Man beantragte für den Termin diese Woche (5./6. November) die Erlaubnis, einen Beobachter zu entsenden. Damit wollte man verhindern, dass Red Bull dort schon den 2014er Frontflügel oder die neue Nase an das Auto schraubt.

Red Bull reagierte erstaunt auf das Ansinnen und ließ sich einen Tag Zeit mit der Antwort. Dann musste man zähneknirschend grünes Licht geben: Der Force India-Spion wurde nach Artikel 4 des Testreglements offiziell eingeladen. Wollte Red Bull an diesem Termin tatsächlich 2014er Teile ausprobieren, dann ist zumindest dieser Plan gestorben.

In unserer Bildergalerie zeigen wir Ihnen, was bei den regulären Testfahrten an Spionage-Abwehr betrieben wird.

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