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Mallya

"2009 beginnen alle bei Null"

Foto: Daniel Reinhard 50 Bilder

Vijay Mallya will mit seinem privaten Force India-Team die Formel-1-Welt auf den Kopf stellen. Im Interview mit auto-motor-und-sport.de spricht der Milliardär über sein persönliches Engagement und die sportlichen Aussichten des Rennstalls.

29.04.2008 Michael Schmidt

Wo in der Beliebtheitsskala steht die Formel 1 in Indien?
Mallya: Sicher nicht so weit oben wie Cricket zum Beispiel. Aber die Formel 1 wird immer populärer in meinem Land. Die Vorstellung des Force India-Rennstalls in Mumbai hat den Prozess beschleunigt. In Indien leben sehr viele junge Leute. Wir erleben derzeit eine boomende Wirtschaft, mehr Mittelstand, höhere Einkommen. Die Formel 1 kommt für das neue Indien gerade recht. Sie erfüllt das, was sich die Leute erträumen. Das Potenzial für einen Premiumsport ist da. Den nächsten großen Schub erwarte ich 2009, spätestens 2010, wenn es den ersten Grand Prix in Indien gibt.

Wie viele Leute in Indien schauen sich einen Grand Prix am Fernsehschirm an?
Mallya: Indien ist ein riesiges Land mit 1,2 Millarden Einwohnern. Alleine die Mittelklasse zählt 300 Millionen Menschen, was der Größe von Europa entspricht. Wir werden erst gegen Mitte der Saison wissen, wie sich die Zuschauerzahlen in Indien im Vergleich zum Vorjahr gesteigert haben.

Gibt es bereits einen Fanclub von Force India?
Mallya: In den letzten zwei Monaten haben sich über 11.000 Leute auf unserer Webseite als offizielle Mitglieder des Force India-Fanclubs registrieren lassen. Alle anderen Sportarten zusammen haben in Indien gerade mal 15.000 registrierte Fans.

Wie kamen Sie zum Motorsport?
Mallya: Meine Mutter hat mir erzählt, dass "Auto" das erste Wort war, das ich sprechen konnte. Seit den frühen 70er Jahren betreibe ich Motorsport. Zuerst habe ich Tourenwaren modifiziert, später habe ich eigenhändig Monopostos gebaut. Ich habe mir ein Formel 3 und zwei Formel 1-Autos gekauft, mit denen ich auch Rennen gefahren bin. Motorsport ist in meinem Blut. Mit dem GP-Zirkus kam ich erstmals 1995 in Berührung. Ich war zwei Jahre lang ein Sponsor des Benetton-Teams. 2007 war ich Partner von Toyota.

Was kann Ihr Formel 1-Engagement Ihren anderen Geschäftszweigen (Brauereien, Fluglinie) Gutes tun?
Mallya: Die Formel 1 ist eine exzellente Plattform, die anderen Marken in meinem Portfolio weltweit bekannt zu machen. Quasi im Windschatten sind mir andere indische Firmen als Sponsor für mein eigenes Team gefolgt. Zum Beispiel Reliance, Kanyan Capital oder ICIS Bank. Es werden noch weitere folgen. Unsere Präsenz ist auch gut für andere Teams und deren Sponsoren. Wir bringen die Formel 1 in Indiens Wohnzimmer und von diesem riesigen Markt profitieren auch unsere Konkurrenten.

Warum haben Sie den Schritt vom Sponsor zum Teambesitzer gemacht?
Mallya: Ich wollte nie ein Team kaufen. Eigentlich war mein Plan, als Sponsor von Toyota weiterzumachen, doch dann kam aus heiterem Himmel die Gelegenheit, Spyker zu kaufen. Nicht jeden Tag steht ein Team zum Verkauf, das ein Konstrukteur ist. Wir bauen unsere Autos selbst. Es gibt zwei andere Teams, die Autos einkaufen. Das geht aber nur noch bis 2009. An so einer Konstellation war ich nie interessiert. Es war das richtige Angebot zur richtigen Zeit.

Wie gut ist das Team?
Mallya: Das Herz der Mannschaft ist die alte Jordan-Truppe. Dieses Team hat schon Rennen gewonnen. Sie brauchten jemand, der ihnen wieder Leben einhauchte. Ich stelle die Ressourcen bereit, investiere in die Technik, damit der Rennstall wieder dorthin kommt, wo er einmal war. Die ersten Rennen haben gezeigt, dass sich etwas bewegt. Wir sind bis zu zwei Sekunden pro Runde schneller als im Vorjahr. Oft geht nur um Hundertstelsekunden, um es mit einem Auto in die zweite Qualifikationsrunde zu schaffen. Ohne Übertreibung kann ich sagen, dass sich kein Team mehr verbessert hat als wir. Force India ist kein Hinterbänkler-Team mehr. Wir sind am unteren Ende des Mittelfeldes angelangt, und wenn wir beim GP Ungarn unser Schnellschaltgetriebe bekommen, sind wir mittendrin.

Wieviel Zeit können Sie der Formel 1 widmen?
Mallya: Ich bin gut im Delegieren, vertraue dem Management meiner Firmen. Mit den meisten meiner Leute arbeite ich seit mehr als 20 Jahren zusammen. Das Prinzip ist einfach: Ich gebe das Geld, die Verantwortung, die Richtung. Sie sind verantwortlich für die Resultate. Das erlaubt es mir, mich zur Zeit etwas mehr um die Formel 1 zu kümmern.

Sie sind mehr als nur der Teambesitzer. Sonst würden Sie nicht an Teamchef-Meetings oder Weltrats-Sitzungen teilnehmen.
Mallya: Ich investiere die Zeit in einen bestimmten Geschäftszweig, die dieser gerade verlangt. Im Moment hat die Formel 1 Priorität. Der erste Schritt ist getan. Jetzt müssen wir die nächste halbe Sekunde finden. Was immer das erfordert, ich werde es tun.

Wie viele Kilometer pro Jahr legen Sie im Flugzeug zurück?
Mallya: Ich habe ein schönes Flugzeug. Es lässt sich gut darin leben. Ich rechne nicht in Kilometern, sondern in Stunden. Im Jahr verbringe ich 1.500 Stunden in meinem Jet.

Zum ersten Mal seit langer Zeit hat dieses Team keine Paydriver. Wie wichtig war das für Sie?
Mallya: Das war ein Schlüssel für unsere Fortschritte. Ein Großteil der gewonnen Zeit geht auf das Konto von Giancarlo Fisichella. Er bringt viel Erfahrung ins Team, und er hat den Ingenieuren geholfen, dieses Auto schneller zu machen. Mit Paydrivern wäre das nie möglich gewesen.

War es auch ein Zeichen nach außen, dass Sie es ernst meinen?
Mallya: Absolut. Die Rundenzeiten sind der beste Beweis, dass wir es ernst meinen.

Warum haben Sie Giancarlo Fisichella Ralf Schumacher vorgezogen?
Mallya: Ralf ist ein guter Freund. Er stand nie als einer meiner Fahrer zur Debatte. Ich hatte ihn gebeten, im Winter einmal das Auto zu testen, weil ich seine Meinung hören wollte. Die Alternativen zu Fisichella waren Liuzzi, Klien und Montagny. Nicht Ralf.

Im Augenblick tut sich Adrian Sutil gegen Fisichella schwer. Ist das der Mangel an Erfahrung?
Mallya: Adrian ist ein exzellenter Fahrer. Ich habe Vertrauen in ihn. Man muss ihm Zeit geben.

Was außer der Fahrerwahl haben Sie noch unternommen, um das Team nach vorne zu bringen?
Mallya: Ich habe in die Bereiche investiert, die Rundenzeit bringen. Wir nutzen zur Zeit drei Windkanäle. Wir haben neue Entwicklungen angekurbelt, wie zum Beispiel das Schnellschaltgetriebe. Wir haben die Einsatzdauer der Teile reduziert und damit die Standfestigkeit erhöht.

Wie müssen die nächsten Schritte aussehen?
Mallya: Meine Fluglinie ist ein guter Kunde von EADS und Airbus. Im Gegenzug habe ich mit diesen beiden Firmen einen Vertrag abgeschlossen, dass sie uns auf dem Gebiet der Aerodynamik helfen. Leute, die einen Airbus A380 und einen Eurofighter bauen können, wissen eine Menge über die Aerodynamik. Die Zusammenarbeit hat gerade erst begonnen, und sie wird schon bald ihre ersten Ergebnisse zeigen. Andere Teams haben diesen Zugang nicht.

2009 gibt es die größte Regelreform in der Geschichte der Formel 1. Eine Chance oder ein Risiko?
Mallya: Für uns ist es eine riesige Chance. Heute hinken wir hinter den Topteams noch einige Jahre hinterher. 2009 beginnen alle bei Null.

Wie kann ein Privatteam bei der Entwicklung eines Hybridantriebs gegen die Hersteller mithalten?
Mallya: Wir fahren mit einem Ferrari-Motor und der Elektronik von Magneti Marelli. Deshalb setzen wir auch beim Hybridantrieb auf Ferrari und Magneti Marelli. Alles andere würde keinen Sinn machen.

FIA-Präsident Max Mosley forderte eine Obergrenze für das Budget. Unterstützen Sie das?
Mallya: Voll und ganz. Ich habe das Budget unseres Teams von 60 auf 120 Millionen Dollar gesteigert. Mit einer Obergrenze von 150 Millionen könnte ich leben. Für die Teams, die heute 400 oder 500 Millionen ausgeben wird es schwerer werden, sich auf diese Grenze zurückzuschrauben. Die FIA versucht deshalb auch, bestimmte Aktivitäten wie Testfahrten oder Windkanalzeiten zu limitieren. Mir ist es egal wie es gemacht wird, Hauptsache es reduziert die Kosten. Das hilft den privaten Teams.

Mit welchem Resultat wären Sie am Ende dieser Saison glücklich?
Mallya: Wenn wir Achter oder Neunter im Konstrukteurspokal werden, wäre das ein unglaubliches Ergebnis für uns. Aber im Feld geht es derzeit so eng zu, dass du genauso schnell Zehnter wie Achter sein kannst. Ganz ohne Glück wird es nicht gehen.

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