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Mario Andretti exklusiv

"Schumacher wird noch ein Rennen gewinnen"

Mario Andretti Austin 2012 Foto: COTA 21 Bilder

Mario Andretti ist Amerikas Rennfahrer-Ikone. Der heute 72-jährige Amerikaner gewann 1969 die 500 Meilen von Indianapolis und 1978 die Formel 1-Weltmeisterschaft. Jetzt macht er Werbung für den GP USA in Austin. auto motor und sport unterhielt sich mit dem zwölffachen GP-Sieger in Montreal.

13.06.2012 Michael Schmidt
Austin ist die erste Rennstrecke, die speziell für den GP USA gebaut wurde. Warum hat es so lange gedauert?

Andretti: Es braucht eine Vision und viel Mut, um so ein Projekt anzugehen. Vor allem in dem augenblicklichen wirtschaftlichen Umfeld. Man muss erst mal Investoren finden, die an unseren Sport glauben. Es gibt viele traditionsbeladene Rundstrecken in Amerika, aber keine entspricht auch nur annähernd dem geforderten Standard. Warum es so lange gedauert hat, kann ich nicht sagen. Hauptsache, es ist überhaupt passiert.

Wird Texas die neue Heimat der Formel 1 in den USA?

Andretti: Die Formel 1-Fanbasis in den USA versteht etwas von diesem Sport. Sie werden dieses Rennen und diesen Schauplatz mit offenen Armen empfangen. Austin wird dem Grand Prix für längere Zeit eine Heimat geben.

Wird ein Grand Prix in den USA Talente in den USA motivieren, sich auf eine Formel 1-Karriere zu konzentrieren?

Andretti: Die USA ist das einzige Land auf der Welt, in der man als junger Fahrer die Wahl zwischen Formel 1, IndyCar und Nascar hat. Man schindet sich nicht umsonst. Irgendetwas bleibt immer übrig. Es gibt viele junge Fahrer in den USA, die von der Formel 1 träumen. Es gibt auch Talente. Sie bräuchten nur ein paar Sponsoren, um ihre Karriere ernsthaft voranzutreiben und sie dann in einem Top-Team unterzubringen. Das beste Beispiel ist Sergio Perez, der von Carlos Slim unterstützt wird. Er hat eine faire Chance, sein Talent zu zeigen. Es macht keinen Sinn nur mitzufahren. Das Ganze funktioniert nur, wenn ein Amerikaner auch die Chance hat zu gewinnen. Vielleicht muss da auch die Formel 1 umdenken und ein drittes Auto für solche Fälle erlauben. Ich hatte dieses Glück. Lotus und Ferrari haben mir ihr drittes Auto angeboten. Ein Amerikaner in der Formel 1 wäre gut für die Formel 1 und für Amerika.

Warum gibt es keinen Andretti mehr in der Formel 1?

Andretti: Ich hatte die Hoffnung, dass mein Enkel Marco sich der Formel 1 zuwendet. Er wäre dort besser aufgehoben als in der IndyCar-Serie. Aber er muss es auch wollen. Es ist noch nicht zu spät. Erfahrung hat er genug. Ich wünschte mir, er hätte in jungen Jahren den Absprung geschafft. Aber es war einfach zu komfortabel für ihn bei seinem Vater im Team zu fahren. Manchmal wünschte ich mir, mein Sohn Michael hätte keinen Rennstall. Vielleicht findet sich noch ein Weg, dass er einmal sein Talent beweisen kann.

Könnte er in Austin am Start stehen?

Andretti: Das ist ein verwegener Traum. Es bringt nichts, ihn überstürzt da hineinzuwerfen. So etwas muss methodisch vorbereitet sein. Das Gute heute ist, dass man ihn im Simulator üben lassen könnte. Und ich sage ihnen: Er ist sehr gut im Simulator.

Warum tut sich die Formel 1 in diesem Land so schwer?

Andretti: Wir haben keine Stabilität. Mal gab es Long Beach, mal Phoenix, mal Dallas. Nichts, was man mit der Formel 1 verbinden könnte. Wenn ich das Thema Formel 1 in die Köpfe der Leute bringen will, muss ich ihnen etwas mit Wiedererkennungswert anbieten. Austin wird diese Aufgabe schaffen.

Wie wichtig ist es, in welchem Bundesstaat der Grand Prix stattfindet?

Andretti: Wenn es etwas Gutes ist, spielt das keine Rolle. Texas wird ein guter Gastgeber sein. Austin hat als Stadt viel zu bieten. Man kommt leicht nach Texas, von anderen Bundesstaaten, Süd- und Nordamerika aus. Strategisch liegt Austin besser als viele andere Schauplätze.

Sie haben die Strecke schon besucht. An was erinnert Sie der Kurs?

Andretti: Hermann Tilke wollte einige Elemente anderer Strecken mit einbauen. Es ist ein Mix aus Silverstone und Hockenheim. Aber schlussendlich muss jede Strecke ihren eigenen Charakter haben. Austin hat das. Extreme Höhenunterschiede. Gute Möglichkeiten zu überholen. Das ist besser als die künstlichen Überholhilfen. In Austin kann man an drei Stellen überholen. Mein Favorit ist Kurve 1.

Warum?

Andretti: Es geht tierisch bergauf, dann folgt ein hartes Bremsmanöver und die Zielgerade führt blind in eine Linkskurve.

Wie gefällt Ihnen die Formel 1 als Zuschauer?

Andretti: Ich liebe sie. Die Formel 1 erlebt gerade ihre beste Zeit. Der Technologiefaktor ist immer noch da. Die Teams sind immer noch eigenständig. Die Regeln sind so gemacht, dass viele unterschiedliche Autos zu nahezu dem gleichen Ergebnis kommen. Ich kann aus meiner Sicht nur sagen: Macht jetzt nichts mehr dran. Lasst die Formel 1 wie sie ist. Das Produkt ist fantastisch. Von so einer Saison träumt doch jeder. Wir sitzen hier in Montreal vier Stunden vor dem Start zusammen. Ohne das Ergebnis zu kennen, würde ich sagen, dass keiner die ersten Drei so wetten wird, wie sie heute Nachmittag auf dem Podium stehen. Vor einigen Jahren hätte ich bei jeder Einlaufwette gewonnen.

Wie hoch ist die Fahrerqualität?

Andretti: Wie viele Weltmeister fahren mit? Sechs. Gab es jemals schon so viele? Und es gibt so viele interessante Aspekte. Da ist Michael mit seinem Comeback. Wir wollen ihn alle noch einmal siegen sehen. Wahrscheinlich mehr, als er es sich selbst wünscht. Dann Kimi. Der fährt, als wäre er nie weg gewesen. Mir gefällt auch dieser Grosjean. Weil er eine zweite Chance bekam und sie jetzt mit beiden Händen nutzt. Und natürlich Vettel. Ich finde es toll, wie er sich in den letzten Jahren in die absolute Spitzenklasse gefahren hat.

Sie sind noch bis ins hohe Alter von 54 Jahren Rennen erfolgreich IndyCar-Rennen gefahren. Wie lange kann Michael Schumacher weitermachen?

Andretti: Mein letztes großes Rennen habe ich im Alter von 60 Jahren in Le Mans bestritten. Michael und ich, das ist schwer zu vergleichen. Ich habe im Alter über 40 noch eine IndyCar-Meisterschaft und weitere 18 IndyCar-Rennen gewonnen. Es hängt von jedem selbst ab. Körperlich ist Michael auf dem Niveau eines 22-Jährigen. Der kann das schaffen. Ich sage: Michael gewinnt noch einen Grand Prix dieses Jahr. Er darf sich jetzt von der Pannenserie nicht frustrieren lassen. Jeder Rennfahrer hat das schon mal erlebt. Da muss man durch. Ich bin happy, dass er mitfährt. Er gehört in diese Szene.

Wenn Sie den neuen Kurs von Austin betrachten, dann ist das eine Allee im Vergleich mit den Trampelpfaden aus Ihrer Vergangenheit. Was denken Sie dabei?

Andretti: Ich finde das großartig. Wenn wir einen Fehler gemacht haben, war das Rennen vorbei. Heute bekommst du eine zweite Chance, weil die Auslaufzonen so groß sind, dass sie kleine Fehler verzeihen. Unglaublich wie viele Autos heute ins Ziel kommen. Manchmal wünsche ich mir, 30 Jahre später geboren zu sein. Heute hat jeder eine echte Chance, die Zielflagge zu sehen. Zu meiner Zeit war es wie Russisches Roulette. Die Chance ins Ziel zu kommen, lag bei 40 Prozent.

Jacques Villeneuve behauptet, dass mit mehr Sicherheit der Respekt der Fahrer untereinander verloren geht. Hat er Recht?

Andretti: Als Fahrer gehst du immer ans Limit. Wenn dir das Limit mehr Freiheiten erlaubt, dann nutzt du sie. Mit Respekt oder nicht Respekt hat das nichts zu tun. Mit den Autos ist es doch das gleiche. Solange unsere einzige Lebensversicherung ein viel zu kleiner Überrollbügel war, hast du gut auf dich aufgepasst. Wenn du in einem Panzer sitzt, gehst du ans Limit. Wer das nicht macht, verliert.

Wird ein zweiter Grand Prix in New Jersey eine Konkurrenz für Austin sein?

Andretti: Keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung. Besser zwei Grand Prix als gar keiner.

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