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Mark Webber

Der Unfall und der lange Weg zurück

Foto: Daniel Reinhard 18 Bilder

Nach seinem Beinbruch Ende November ist Red Bull-Pilot Mark Webber wieder auf dem Weg der Besserung. Mit auto-motor-und-sport.de sprach der Australier über den Unfall und die anschließende Leidenszeit.

26.01.2009 Michael Schmidt

Wie geht es dem rechten Bein?
Webber: Die Wunden sind gut verheilt, die Schwellung ist abgeklungen. Natürlich hatte ich viel Muskelmasse verloren. Das rechte Bein war lange nur halb so stark wie das linke. Jetzt sieht es langsam wieder wie ein richtiges Bein aus. Die Farbe kommt zurück, die Wunden verheilen.

Wie lange war das Bein im Gips?
Webber: Nur eineinhalb Tage lang. Dann musste er runter, weil die Wunden anfingen zu bluten. Das hat starke Schmerzen verursacht. Wir haben den Gips dann abnehmen lassen, und von da an ging es mir besser. Ich konnte sofort die Schmerzmittel absetzen. Von dort an haben wir Spezialschuhe verwendet. Mit jeder Verbesserung der Verletzungen kam ein neuer Schuh. Sie wurden immer leichter. Jetzt brauche ich diese Schuhe gar nicht mehr. Das Bein wird nur noch durch einen Strumpf gestützt. Am 29. Dezember habe ich zum ersten Mal wieder normale Schuhe getragen. Ich brauchte damals allerdings noch Krücken.

Ab wann konnten Sie das Bein belasten?
Webber: Es ging Schritt für Schritt ein bisschen mehr. Zweieinhalb Wochen nach dem Unfall saß ich schon wieder auf dem Hometrainer und habe ganz leicht damit begonnen, das Bein zu belasten. Am Anfang wollte ich zuviel, habe versucht einige Sachen selbst auszuprobieren. Mein Physio Roger hat mir aber abgeraten. Deshalb habe ich das Bein zuerst auf einem elastischen Untergrund wie einem Trampolin belastet. Das war psychologisch ein großer Schub für mich.

Wie sah Ihr Training aus?
Webber: Ich bin fünf bis sechs Stunden pro Tag beschäftigt. Neben dem normalen Krafttraining für den Oberkörper hauptsächlich Radfahren auf dem Hometrainer und Schwimmen. Dazu Gymnastik für den Knöchel, damit der Bewegungsspielraum, nicht verloren geht. Wir haben von Anfang an viel mit dem Knöchel trainiert, weil die Frakturen knapp darüber lagen. Das Gewebe rund um die Brüche wurde so oft wie möglich massiert. Ich muss mich trotzdem immer wieder zügeln. Wenn ich zuviel mache, kommt die Schwellung zurück.

Wie ist der Unfall passiert?
Webber: Es war der vierte Tag meiner Tasmanian Challenge. Am Morgen hatten wir einen 20 Kilometer langen Lauf die Küste entlang. Nach zwei Stunden und 20 Minuten kamen wir zu dem Punkt, an dem wir auf die Fahrräder gewechselt haben. Die darauf folgende Radtour über 35 Kilometer war eigentlich nur als Verbindungsetappe bis zu dem Ort geplant, an dem es mit Kanus weiter gehen sollte. Die Straße, auf der wir geradelt sind, war etwa eineinhalb Spuren einer normalen Straße breit. Ein besserer Feldweg mit Schotter als Untergrund. Die ersten 40 Minuten ging es ziemlich langsam voran, weil die Strecke ständig bergauf führte. Dann kam die Abfahrt, und die war richtig schnell. Wir hatten bestimmt 70 km/h drauf.

Und dann kam es zu dem Crash?
Webber: Exakt. Wir hatten bis dahin kein einziges Auto gesehen und haben auch mit keinem Verkehr gerechnet. Deshalb sind wir mal links, mal rechts geradelt, je nachdem wie das Gelände war. Ich fuhr gerade auf der falschen Seite, als wie aus dem Nichts mir ein Auto entgegenkam. Ich war völlig perplex und hatte exakt zweieinhalb Sekunden Zeit zu reagieren. Ein Spurwechsel war aber wegen der hohen Geschwindigkeit nicht möglich. Runterspringen auch nicht. Da hätte ich mir alle Knochen gebrochen. Rechts von der Straße ging es steil eine Böschung runter und überall standen Bäume. Ich entschloss mich auf meiner Seite zu bleiben und so weit wie möglich am Straßenrand zu fahren.

Hat der Autofahrer reagiert?
Webber: Nicht wirklich. Das dumme war, dass ich wegen des Waldes und dem Lichteinfall von vorne weder das Gesicht noch die Hände des Fahrers erkennen konnte. Die Windschutzscheibe war wie ein Spiegel. Ich hatte also keine Ahnung, wie er reagieren würde. Ich weiß bis heute noch nicht einmal, wie er aussieht. Es war ein älterer Herr, wie ich hörte. Es war zum Großteil meine Schuld. Aber er hat gar keinen Versuch unternommen, mir auszuweichen. Kurz vor dem Aufprall dachte ich mir: Das wird jetzt heftig. In der letzten Sekunde habe ich das Rad zur Seite gelegt und versuchte, rechts am Auto vorbeizutauchen und nicht mit den wichtigen Körperteilen mit ihm zu kollidieren. Für die Beine hat es nicht mehr gereicht.

Wann kam Hilfe?
Webber: Zunächst war nur Dan, mein Teamkollege da. Die Notversorgung und das Satellitentelefon lag in meinem Rucksack. Da wir nicht wussten, wie schwer ich verletzt war, blieb ich so ruhig wie möglich liegen. Dan kam deshalb nicht an meinen Rucksack und an das Telefon heran. Nach fünf Minuten kamen die nächsten Teilnehmer. Die haben die Sanitäter informiert. Als mein Vater mit dem Auto eintraf, habe ich ihn gefragt: Wie geht es, Dad? Er hat nur gesagt. Viel besser als dir, mein Kumpel. Da es ziemlich kalt war, hatten die Sanitäter Probleme mit der Erstversorgung. Sie konnten mir keine Infusionen setzen, um die Schmerzen zu lindern. Deshalb war es die Hölle, als sie mir das verletzte Bein gerade gerichtet haben, um mich transportfähig zu machen. Wir mussten zehn Minuten mit dem Auto fahren, um einen Platz zu erreichen, wo ein Helikopter landen konnte. 90 Minuten nach dem Unfall lag ich auf dem Operationstisch in Hobart.

Was genau war gebrochen?
Webber: Schien- und Wadenbein. Es waren offene Brüche. Beide Knochen kamen durch die Haut. Das hat die großen Schnittwunden verursacht. Das rechte Bein war nach links verdreht. Ich dachte zuerst, dass mir die Kurbel des Pedals das Bein gebrochen hat. Tatsächlich ist es beim Aufprall passiert. Im Gegensatz zu meinem Gefühl, war der Hinterteil des Rades völlig intakt. Der ganze Vorderteil war kaputt. Ich muss sagen: Ich hatte noch großes Glück.

Glück im Unglück?
Webber: Auf jeden Fall. Zuerst das Timing. Der Unfall passierte zur Beginn der Winterpause. Das gibt mir maximal Zeit zu Rehabilitation. Dann war es das rechte und nicht das linke Bein. Links brauchst du wegen des Bremsens viel mehr Kraft. So gesehen hatte Michael Schumacher 1999 den schlimmeren Bruch, weil es bei ihm das linke Bein erwischt hatte. Ich habe versucht alle Informationen über seine Rehabilitation zu bekommen. Er konnte nach elf Wochen wieder fahren.

Er hat es schon fünf Wochen nach dem Unfall, wieder versucht, musste aber aufgeben, weil das Bein wegen der Erschütterungen über die Bodenwellen zu stark schmerzte.
Webber: Davor hat auch mein Physio gewarnt. Ich hatte zunächst mehr Angst, dass die Fliehkräfte dem Bein mehr zusetzen würden In den schnellen Kurven liegt die Ferse in einer Mulde, aber den oberen Teil der Füße zerrt es nach außen. Deshalb stemmst du den Fuß mit der Ferse gegen diese Mulde.

Wie lange waren Sie im Krankenhaus?
Webber: Nur fünf Tage. Dann bin ich nach Melbourne, um dort in einer Klinik nahe des Albert Parks weiterversorgt zu werden. Die Orthopäden haben noch einmal die Wunden untersucht, um sicherzustellen, dass sich keine Infektion einstellt.

Wie sieht Ihr Comeback-Plan aus?
Webber: Die Ärzte sagen, dass ich die Krücken erst weglegen darf, wenn ich ohne zu humpeln gehen kann. Das bedeutet, dass mein gebrochenes Bein 80 Prozent der Stärke des linken haben muss. Ich will beim ersten Test in der zweiten Februarwoche im Auto sitzen. Wäre das neue Auto im Januar fertig geworden, hätte Sebastian die ersten Tests alleine fahren müssen. Es wäre nicht fair dem Team gegenüber, bei den wenigen Testtagen vor Melbourne einen Tag des Programms für meine persönlichen Zwecke zu opfern. Mein Plan für den Februar-Test ist, dass ich den zweiten Tag fahre, falls es gut geht, einen Tag pausiere, und dann wieder am letzten Tag ins Auto sitze. Dann habe ich wieder eine Woche Erholung vor dem nächsten Test in Valencia. Bis Melbourne bin ich wieder 100-prozentig fit.

Können Sie an dem Unfall auch etwas Positives erkennen?
Webber: Mich hat diese Geschichte mental noch stärker gemacht. Wenn ich je innerlich über den Trainingsaufwand geflucht haben sollte, weiß ich jetzt, dass es verglichen mit dem, was ich zur Zeit durchmache nichts ist. Die ersten zwei Wochen waren schon ziemlich frustrierend. Man ist hilflos wie ein kleines Kind, braucht für alltägliche Dinge fremde Hilfe.

2009 beginnt die Formel 1 bei Null. Mit welchem Gefühl gehen Sie in die neue Saison?
Webber: Mit Slicks bin ich einmal Anfang letzten Jahres gefahren. In den langsamen Kurven spürst du viel mehr Grip. Ich höre jetzt, dass die Hinterreifen stark abbauen. Das muss wohl mit dem reduzierten Abtrieb zusammenhängen.

Hatten Sie Kontakt zu Vettel?

Webber: Er hat mir eine nette SMS nach dem Unfall geschickt. Seitdem habe ich nicht mehr mit ihm gesprochen. Ich war bislang nur mit den Ingenieuren in Kontakt, um mich nach den Testergebnissen zu erkundigen.

Beunruhigt es Sie, dass es so wenig Testtage gibt?

Webber: Es wird unglaublich. Null Testkilometer in der Saison wird den Freitag total verändern. Wir werden jede freie Minute auf der Strecke sein, auch wenn die Strecke noch grün ist. Mit den neuen Autos brauchst du jede Information über das Setup, die du kriegen kannst. Wenn du neue Teile ans Auto bringst, musst du deinem Simulator und der CFD-Abteilung vertrauen. Du wirst erst im zweiten Teil des Freitagstrainings feststellen, ob der Computer richtig liegt oder gelogen hat. Das ist ziemlich spät. Vergleichstests von alten und neuen Teilen sind wegen der Kürze der Zeit und der Strecke, die sich am Freitag ständig verändert, kaum möglich. Die Standfestigkeit wird der große Faktor werden. Der beste Test für die Zuverlässigkeit wird das Rennen am Sonntag sein.

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