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Webbers Weihnachtsgeschenk

Ein Sieg für die Winterpause

Vettel & Webber GP Brasilien 2011 Foto: xpb 66 Bilder

Mark Webber kann beruhigt in die Winterpause gehen. Sein Sieg beim GP Brasilien lässt manche Enttäuschung der Saison vergessen. Webber weiß, dass ihm Sebastian Vettels Getriebeprobleme geholfen haben, doch der neue WM-Dritte wäre auch ohne seinen ersten Saisonsieg im Frieden mit sich selbst nach Hause geflogen.

28.11.2011 Michael Schmidt

Das war nicht Freude pur, als Mark Webber den Pokal für den Sieg beim GP Brasilien in die Hand gedrückt bekam. Der 35-jährige Australier wusste, dass der Sieger vermutlich wieder Sebastian Vettel geheißen hätte, wäre dem nicht der Defektteufel in die Quere gekommen. Doch einer, dem das Schicksal in diesem Jahr schon den einen oder anderen Streich gespielt hat, musste keine Schuldgefühle haben.

"Es fühlt sich richtig gut an. Ich hatte das ganze Wochenende einen Lauf. Es wäre schön gewesen, mit Sebastian um den Sieg kämpfen zu können. Leider hatte er ein Problem, das ihn davon abhielt. Ich fühle trotzdem nicht, dass mir dieser Sieg geschenkt wurde, weil ich meinen Anteil an Pech schon während der Saison abbekommen habe."

Vettel wieder schneller als Webber

Der Sieg täuscht nicht darüber hinweg, dass Vettel wieder einmal der schnellere Mann auf der Strecke war. Es begann wie so oft in dieser Saison. In den freien Trainingssitzungen fuhr Webber auf Augenhöhe, doch als es in der Qualifikation ums Ganze ging, nahm ihm Vettel 0,181 Sekunden ab. Was auf der kurzen Strecke von Interlagos doppelt zählt.

Auch in den ersten zehn Runden zeigte der Deutsche rasch, wer der Chef im Ring ist. Er explodierte gleich nach dem Start und entfernte sich mit zwei schnellen Runden so weit von seinem Stallrivalen, dass der aus der Ein-Sekunden-Distanz fiel, die ihm den Einsatz von DRS ermöglicht hätte.

Nach zehn Runden betrug der Vorsprung bereits 3,7 Sekunden, und es drohte der übliche Vettel-Grand Prix zu werden. Bis zuerst Vettels Hinterreifen Blasenbildung zeigten und zwei Runden später der unheilvolle Funkspruch aus der Box kam, dass der Öldruck im Getriebe im Sinkflug war.

Der Vorsprung schrumpfte zunächst nur um wenige Zehntel, doch als der zweite Red Bull dem ersten in größeren Schritten näher kam, da ahnte Webber, dass sein Kollege in Schwierigkeiten sein musste. "Ich dachte zuerst, dass Seb ein Reifenproblem oder Ärger mit KERS hat. Dann hat mich mein Ingenieur über sein Getriebeproblem informiert. Da war klar: So ein Problem wird während eines Rennens eher schlechter als besser."

Webber kann erstmals das Tempo diktieren

Als der Australier in Runde 30 die Führung übernahm, konnte man die Entspannung im Cockpit des Red Bull mit der Nummer zwei förmlich spüren. Webber hielt ein konstantes Tempo, seine Reifen bauten am Ende des Turns nicht mehr so stark ab wie sonst üblich bei ihm. "Das ist der positive Aspekt dieses Rennens. Normalerweise gehen meine Reifen früher in die Knie als bei den anderen, was auch daran liegt, dass ich bei der Gewichtsverteilung meines Autos Kompromisse eingehen muss. Ich bin zehn bis zwölf Kilogramm schwerer als Seb und kann den Ballast nicht immer so platzieren, wie es für die Reifen gut wäre."

Die letzten drei Runden waren eine Art Selbstbestätigung. Alle drei wären für die schnellste Runde im Rennen gut gewesen. "Ich bin zu dem Zeitpunkt nur noch gegen mich selbst gefahren. Der Druck war wie weggeblasen, und das Auto unter mir fühlte sich wunderbar an."

Ein Gefühl wie dieses hätte sich Webber schon zu Saisonbeginn gewünscht. Da stand er mit den Pirelli-Reifen noch auf Kriegsfuß. "Erst zu Saisonmitte durfte ich daran denken, die gleichen Strategien zu fahren wie Seb." Doch wer im Pulk um Positionen kämpfen muss, der fährt ein anderes Rennen als der Mann an der Spitze. Der GP Brasilien brachte Webber die Bestätigung aus der Sicht des Spitzenreiters: "Zum ersten Mal in diesem Jahr habe ich den Luxus gespürt, was es heißt, ein Rennen anzuführen. Du kannst deine Boxenstopps nach denen deiner Verfolger richten, du kannst Reifen schonen, wann es nötig ist, und dir das Tempo einteilen."

Beim ersten Boxenstopp erlebte Webber auf Platz zwei noch das Gegenteil. Das, womit er die ganze Saison über im Verfolgerpulk kämpfen musste. Wer im Feld liegt, dem diktieren andere die Rennstrategie. "Alonso kam als Erster an die Box, und ich konnte nicht reagieren, weil Seb als Spitzenreiter das Vorrecht des ersten Reifenwechsels hatte. Fernando kam dadurch, dass er zwei Runden früher auf frische Reifen ging, bis an drei Sekunden an mich heran."

Webber geht mit positiver Note in die Winterpause

Vettels Siegeszug und die bittere Erkenntnis, im besten Auto des Feldes nicht gewinnen zu können, lastete wie ein Fluch über Red Bulls Nummer zwei. Wird jetzt mit dem vorgezogenen Weihnachtsgeschenk alles besser? War das bereits der erste Kick für den Saisonstart 2012?

Webber will den psychologischen Schwung seines zweiten Brasilien-Triumphes nach 2009 nicht überbewerten. "Es ist schön, so in die Winterpause zu gehen. Aber ich hätte die Saison auch ohne den Sieg hier mit einer positiven Note beendet. Es waren zuletzt Anzeichen der Besserung zu erkennen. In der Art, wie ich die Reifen behandle, wie ich das Auto spüre, welche Richtung ich beim Setup gehe, wie ich mit meiner Truppe zusammenarbeite. Ich habe das Gefühl, einige Dinge besser zu verstehen."

Webber widmete seinen siebten GP-Sieg einem guten Freund. "Bob Woods ist schwer krank. Dieser Sieg geht an ihn." Am Dienstag fliegt der Australier für fünf Tage in seine Heimat. Zum ersten Mal nach seinem Beinbruch 2008 nimmt er wieder an seiner Tasmanian Challenge teil. Den nächsten Termin hat er sich mit seinem Sieg selbst eingebrockt. In der Fahrerwertung überholte er noch Fernando Alonso. Als WM-Dritter muss der letzte Sieger des Jahres am 7. Dezember zur FIA-Preisverleihung nach Delhi reisen.

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