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Mark Webber im Interview

Vettel die Nummer eins meiner Teamkollegen

Mark Webber Foto: Daniel Reinhard 15 Bilder

Mit seinem Podiumsplatz am Hungaroring hat sich Mark Webber zum ersten Verfolger von Jenson Button gemausert. Im Interview spricht der Australier über seine Verletzung, den langen Weg an die Spitze und über Teamkollege Sebastian Vettel.

28.07.2009 Tobias Grüner, Michael Schmidt

Nach dem dritten Platz in Ungarn haben Sie sich heimlich still und leise auf Rang zwei im WM-Klassement geschoben. Sind Sie der Geheimtipp auf den Titel?
Webber:  Das war der Plan. Ich punkte regelmäßig. Kein Fahrer hat in den letzten sechs Rennen so viele Zähler geholt wie ich.

Haben sich nach Ihrem Sieg am Nürburgring auch die beiden australischen Weltmeister Jack Brabham und Alan Jones gemeldet?
Webber: Jack Brabham war einer der ersten, der per E-Mail gratuliert hat. Alan Jones hat mich zwar nicht direkt kontaktiert, er soll aber im australischen Fernsehen viel nette Kommentare abgegeben haben.

Sie haben acht Jahre darauf gewartet, endlich in einem schnellen Auto zu sitzen. Was ist das für ein Gefühl dieses Ziel nach so langer Zeit erreicht zu haben?
Webber: Zunächst einmal bin ich sehr glücklich über die Möglichkeit, ein Auto zu fahren, das für Podiumsplätze gut ist. Es wäre sehr frustrierend, einen Großteil der Laufbahn nicht zu wissen, ob es am Talent gelegen hat. Natürlich weiß man es schon immer irgendwo, aber es einfach eine andere Sache, regelmäßig auf das Podium fahren zu können. Bei Michael Schumacher war es umgekehrt. Er hatte die meiste Zeit seiner Karriere ein Top-Auto in seinen Händen. Die Abhängigkeit vom Auto sieht man jetzt auch bei Lewis Hamilton. Er fährt nicht anders als vorher und wurde noch in Silverstone überrundet.

Ist das jetzt eine Art Wiedergutmachung für jemanden, der auch die andere Seite kennt?
Webber: Auf jeden Fall. Aber es ist auch ein wenig frustrierend, wenn man wie ich in Silverstone beim Überrunden auf eine Gruppe mit Fahrern wie Alonso, Kubica und Hamilton stößt und sie schon aus der Ferne kämpfen sieht. Das kann ja irgendwie auch nicht richtig sein. Natürlich bin ich jetzt glücklich, hinter Rubens Barrichello zu fahren und sagen zu können: ‚Oh mein Gott, Du bist so langsam. Es ist so einfach, dir zu folgen.‘ Man hat aber an der Spitze einfach weniger Gegner. Wenn man im Mittelfeld steht, sind mehr Fahrer um einen herum. Jetzt komme ich an die Strecke, und denke an das Duell mit den Brawn GP-Fahrern.

Haben Sie manchmal daran gedacht, dass Ihre Karriere vor acht Monaten vorbei sein hätte können?
Webber: Ich hatte Glück mit dem Timing. Der Unfall passierte relativ früh nach dem Saisonende, und der Saisonstart 2009 fand später statt als sonst. Ich habe immer daran geglaubt, dass ich wieder ein Formel 1-Auto fahren kann. Meine einzige Sorge war, wie Red Bull darauf reagiert. Da gab es natürlich auf ihrer Seite einige Zweifel: Wie wird er zurückkommen? Um ehrlich zu sein, war mein Bein in zwei Hälfen geteilt. Die Wintertests waren auch nicht leicht für mich. Mein Bein fühlte sich noch immer sehr empfindlich an. Natürlich wollte ich auch keine Fehler machen, um die Situation nicht noch zu verschlimmern. Das hätte dann das Ende bedeuten können, zum Beispiel ein Crash bei den Wintertests. Das Auto versprach von Anfang viel. Dazu noch ein junger, schneller Teamkollege. Das alles war eine gute Motivation.

Inwieweit behindert Sie die Verletzung jetzt noch?
Webber: Im Auto gar nicht. Laufen geht auch wieder sehr gut. Beim Training ist es ein Problem, weil ich zwölf Monate nicht rennen darf. Ich sitze dafür häufiger auf dem Fahrrad. Ich hatte Glück, dass meine Form immer relativ gut war und ich andere Wege gefunden habe, um fit zu bleiben. Im Auto habe ich keine Probleme. Nur in der Türkei, in Kurve acht, habe ich ein bisschen was gespürt. Ich weiß auch nicht genau warum. Gut ist auch, dass ich am Montagmorgen nach einem Rennen ohne Schmerzen aufwache. Es ist ein Glück für mich, dass es keine Testfahrten während der Saison gibt. Da kann das Bein besser heilen.

Was hat sich im Team geändert? Warum konnte Red Bull mit dem gleichen Personal solch ein gutes Auto bauen und es dann auch in die richtige Richtung weiterentwickeln?
Webber: Das Reglement hat sich einfach geändert. Das ist der erste große Unterschied. Es ist sehr schwer, eine Lücke zu Teams wie Ferrari oder McLaren zu schließen, wenn es ein stabiles Reglement gibt. Jetzt haben wir eine gute Basis, auf der wir aufbauen können. Das verschafft uns hoffentlich auch in Zukunft Luft auf unsere Gegner. Alle im Team wussten: Nie war die Chance größer, ein gutes Auto zu bauen. Es stand viel auf dem Spiel. Unser Chef Dietrich Mateschitz hat lange Geduld bewiesen. Und jetzt kann die Mannschaft das zurückzahlen, was er in das Team investiert hat. Auf der Entwicklungsseite, ist es gut, dass Sebastian und ich ein sehr ähnliches Setup fahren. In den letzten Rennen ging es mal etwas in seine, und mal mehr in meine Richtung. Das hilft immer bei der Verbesserung des Autos, wenn man weiß, dass man die gleiche Abstimmung bei beiden verwenden kann und beide zufrieden sind.

Bei Testfahrten waren die Unterschiede im Fahrstil größer. Was hat sich verändert?
Webber: Ich habe mich einfach besser an die Slicks gewöhnt. Sebastian hat im Winter einige sehr schnelle Rundenzeiten hingelegt. Ich dachte damals, dass ich schon wieder bei einhundert Prozent liege. Aber im Rückblick weiß ich, dass ich da falsch lag. Ich war sowieso nie ein Freund von Testfahrten. Und jetzt sitze ich nur noch im Auto, wenn es wirklich zählt. Und das ist einfach großartig.

Wenn Sie Sebastian mit den anderen Teamkollegen in ihrer Karriere vergleichen: Wo würde er in der Rangliste stehen?
Webber: Auf der Nummer eins.

Überrascht Sie das? Er ist ja gerade einmal 22 Jahre alt.
Webber: Nicht so sehr. Er hat es geschafft, auf dem Weg nach oben das meiste aus sich herauszuholen. Er ist ein relativ unkomplizierter Typ abseits der Rennstrecke. Das ist nicht so leicht, wenn man viele gute Resultate so schnell erreicht. Es überrascht mich also nicht, dass er so schnell ist wie er ist. Ob er ein Alonso oder etwas anderes wird, muss man abwarten. Die Leute haben mich auch mal mit Michael Schumacher verglichen.

Sie fahren Ihre beste Saison und alle reden nur über Vettel. Stört Sie das?

Webber: Ein bisschen schon. Natürlich hat er zwei Siege, was sehr beeindruckend ist. Ich habe jetzt einen, ich war konstant auf allen Strecken und habe wenig Fehler gemacht. Frustrierend ist, dass die Leute ständig fragen, warum es keine Stallregie gibt. Niemand verlangt bei Brawn GP danach. Ich würde es verstehen, wenn der Unterschied 25 Punkte betragen würde. Jetzt alle Karten auf einen zu setzen, wäre sehr gefährlich. Wenn einer dann zwei Mal hintereinander ausfällt, und der andere plötzlich zum Titelkandidaten wird, hätte man dem wichtige Punkte weggenommen.

Sebastian ist der neue Star auf der Bühne. Er holt erstaunliche Resultate und ist zudem noch ein echtes Eigengewächs aus dem Red Bull-Lager. Haben Sie Angst, dass er sich zum Darling im Team entwickelt?
Webber: Das stimmt alles. Er kommt aus dem System und gewinnt. Davon kann ein Team nur träumen. Das ist ein Traum für jeden, der so in jemanden investiert. Aber Dietrich Mateschitz weiß, dass auch ich gute Arbeit abgeliefert habe. Ich spucke keine großen Töne. Die Resultate sollen für sich sprechen. Egal, welche Position Sebastian im Team hat: Ich kann nur die bestmögliche Arbeit abliefern. Ich komme nicht an die Rennstrecke und bin auf das eine Ziel fixiert: Du musst Vettel schlagen. Wenn ich die Strecke in dem Wissen verlasse, das bestmögliche getan zu haben und möglichst wenig Fehler gemacht zu haben, bin ich happy. Mehr als mein Bestes kann ich nicht geben. Natürlich wäre ich etwas enttäuscht, wenn einer mit dem gleichen Material eine bessere Arbeit abliefert. Aber wenn du alles gegeben hast was du kannst, dann ist es eben so.

Sie kennen Michael Schumacher sehr gut. Sehen Sie Gemeinsamkeiten mit Vettel, abgesehen davon, dass beide deutsch sind?
Webber: Ich denke Michael hat ihm sehr geholfen. Er hat einige gute Ratschläge gegeben. Man sieht es an Sebastians Arbeitseinstellung. Für Michael war es deshalb schwerer. Er hatte in seinem Alter keinen, der ihm diese Art Ratschläge geben konnte. Michael hat sich vieles selbst erarbeitet. Sebastian betont zwar immer, dass er eine eigene Person ist, was natürlich auch stimmt, er hat aber trotzdem Nutzen aus dieser Sache gezogen.

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