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Mark Webber exklusiv im Interview

"Natürlich ist Vettel der Superstar"

Vettel & Webber Foto: xpb 66 Bilder

Mark Webber hat in Abu Dhabi die große Chance, Weltmeister zu werden. Im Interview erklärt der Australier, warum er stolz auf seine Saison ist, wie er zu Teamkollege Sebastian Vettel steht und warum er zu Beginn des Jahres an Rücktritt gedacht hat.

11.11.2010 Michael Schmidt

Ist die Rolle des Spitzenreiters oder Verfolgers härter?
Webber: Ich habe die Rolle des Spitzenreiters nie als Luxus empfunden. Du denkst nicht: Jetzt habe ich einen dritten Platz als Polster.

Aber der Spitzenreiter hat zwei mögliche Strategien. Er kann aggressiv und defensiv fahren.
Webber: Du fängst erst beim letzten Rennen zu rechnen an. Das drittletzte Rennen ist wie das achte. Ein Ausfall tut immer weh. Ich habe jedes Rennen als eine neue Chance gesehen.

Wann haben Sie zum ersten Mal an den Titel geglaubt?
Webber: Monaco. Nach den ersten vier Rennen sah es nicht gut aus für mich. Dann kamen die beiden Siege in Folge. Da wusste ich, dass es eine lange Saison werden würde.

Wenn man wie Sie in seiner Karriere lang und hart kämpfen musste, bis man oben angekommen ist, ist man dann hungriger?
Webber: Ich weiß nicht, wie hungrig die anderen sind. Im Gegensatz zu mir haben die anderen schon Meisterschaften gewonnen, jeder auf seine Art. Alonso und Hamilton sind in ihrer Karriere von Titel zu Titel geeilt. Bei mir ging es mühsam vorwärts. Ich war lange nur dabei. Ob ich einen Vorteil habe, weil ich durch die ganzen Widrigkeiten durchgegangen bin? Ich weiß es nicht. Ich kann nur sagen, dass ich noch nie so intensiv Rennfahrer war.

Sie sprachen von schwierigen Momenten in diesem Jahr, und dass sie dabei viel über sich gelernt haben: Was zum Beispiel?
Webber: Zu unterscheiden, was wichtig, was unwichtig ist, und dass es nichts bringt, sich über Dinge aufzuregen, die man nicht ändern kann. In meiner Jaguar- und Williams-Zeiten wollte ich mehr aus dem Auto holen, als möglich war. Das ist ein künstlicher Druck, der unnötig ist. In diesem Jahr war das anders. Ich habe diese Saison genossen, mich mit dem zufriedengegeben was möglich war. Natürlich hätte ich am liebsten, in allen Sektoren Bestzeit. Aber das kann man nicht erzwingen. Und wenn es nicht geht, muss man es akzeptieren.

Wie fühlen Sie sich als 34-Jähriger mit einem jungen Teamkollegen?
Webber: Es macht mich stolz, mit 34 Jahren noch einen so guten Job machen zu können wie einer mit 24. Natürlich ist Sebastian der Superstar. Hätte ich in seinem Alter gewonnen, wäre ich das auch gewesen. Wenn ein Talent wie Sebastian oder Hamilton kommt und sofort gewinnt, dann macht das Eindruck. Das ist in jedem Sport so. Die echte Qualität siehst du erst später: Wie lange kann sich einer oben halten? Wie hart beißt er sich durch? 

Warum läuft es bei Ihnen besser als 2009?
Webber: Das Auto und die Reifen passen mir besser, und ich hatte 2009 mit einigen Widrigkeiten zu kämpfen. Zum Beispiel den Folgen des Beinbruchs nach meinem Radunfall. Die Behandlungen während der Saison haben mich abgelenkt.

Was ist an dem Auto anders?
Webber: Die Autos sind generell viel einfacher zu fahren. Schauen Sie sich die Jahre zwischen 2004 und 2006 an, als es noch einen Reifenkrieg und Zehnzylinder-Motoren gab. Zählen sie die Dreher und Unfälle, und sie werden draufkommen, dass wir damals viel öfter neben der Strecke waren als heute. Mehr als doppelt so oft.

Können deshalb mehr Fahrer Weltmeister werden?
Webber: Die letzte halbe Sekunde ist mit jedem Auto schwer. Auch mit einem VW Käfer.

Wer ist Ihr größter Herausforderer?
Webber: Ich selbst. Ich bin stolz, auf das, was ich geschafft habe, kann mir in den Spiegel schauen, habe mehr Dinge richtig als falsch gemacht, habe nicht allzu viele Dinge, die ich bedauern muss. Wenn andere anderer Meinung sind, kann ich damit gut leben. Als Profi musst du Dir gefallen lassen, wenn einer dir vorwirft, dass du einen schlechten Job gemacht hast.

Warum haben Sie nach vier Rennen dieses Jahr ans Aufhören gedacht?
Webber: Ich mag die Rennwochenenden. Die Einstellung zum Test hat sich sicher geändert seit ich 21 bin. Doch wenn es bei einem Grand Prix ums Ganze geht, das treibt mich an. Da kommt immer noch das Bauchkribbeln hoch. Wenn es mir egal ist, ob ich geschlagen werde oder nicht, dann ist es Zeit aufzuhören. Es gab da mal so eine Phase in dieser Saison, in der mir andere Dinge wichtiger erschienen.

Zum Beispiel?
Webber: Mehr Zeit mit der Familie und Freunden in Australien verbringen. Das Rennfahrerleber verlangt viel Einsatz und viele Opfer. Meine Gegner leben in Europa. Sie sind zwischen den Rennen immer mal wieder daheim. Ich schaffe es vielleicht, fünf Wochen im Jahr in Australien zu sein. Die Motivation ist im Augenblick noch da.

Haben Sie keine Angst vor dem nächsten Leben?
Webber: Ich werde in ein großes Loch fallen. Ein bisschen fürchte ich mich davor. Jeder wird das. Dein ganzer Lebensrhythmus stellt sich um. Wenn ich am Montagmorgen aufwache, dann sehe ich am Computer die Daten vom Rennen, die mir das Team geschickt hat. Dann meldet sich mein Renningenieur am Telefon. Das wird auf einmal nicht mehr passieren. Mein Leben wird eine Kurve in eine andere Richtung nehmen. Es wird eine völlig neue Erfahrung. Du hast ja die meiste Zeit deines Lebens nichts anderes gemacht. Ich bin dort noch nicht angekommen, und ich möchte unbedingt das Timing richtig hinbekommen. Ich habe mich mit vielen anderen Sportlern darüber unterhalten. Es war interessant, ihre Meinung darüber zu hören.

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