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Mark Webbers letzter Grand Prix

"Eine stolze und ehrliche Karriere"

Mark Webber - GP Brasilien 2013 Foto: xpb 66 Bilder

Mark Webbers letzter Grand Prix endete mit einem zweiten Platz. Der Australier verlässt die Formel 1-Bühne nach 12 Jahren mit gemischten Gefühlen. Mit sich im Reinen, mit dem Sport nicht unbedingt. Am Samstag wurde der 37-jährige Charakterkopf von seinen Fahrerkollegen verabschiedet.

24.11.2013 Michael Schmidt

Am Sonntag stieg Mark Webber zum 215. Mal in ein Formel 1-Auto. Zum letzten Mal. Bis zum Samstagabend ließ Webber keine Emotionen an sich heran. "Ich habe nicht bei jedem Schritt daran gedacht. Das machst du jetzt zum letzten Mal. Erst am Sonntag kamen die Gefühle hoch."

Und am Freitag beim turnusgemäßen Treffen der Fahrer mit FIA-Rennleiter Charlie Whiting. "Ich habe mich bei meinen Kollegen bedankt, und sie haben mich nett verrabschiedet." Alle Fahrer standen auf und applaudierten dem Veteranen im Feld. Webber geht ohne Wehmut: "Ich freue mich jetzt auf einen ruhigeren Winter und auf meine neue Herausforderung bei Porsche."

Ab Montag ist Webber Porsche-Fahrer

Der Australier kehrt zu seinen Wurzeln zurück. Er wird ab 2014 für Porsche Langstreckenrennen fahren. 1999 hat er das für Mercedes getan. Nach einem Salto rückwärts mit 320 km/h in Le Mans zog er Rennen in Einsitzern vor. Die schienen ihm sicherer.

Webber war immer einer, der sich für die Sicherheit eingesetzt hat. Er hasste die Couch-Experten, die vom Sessel daheim forderten, die Formel 1-Piloten sollten bei jedem Wetter fahren. "Sie können sich ja mal in ein Auto reinsetzen und mit 320 km/h im Blindflug durch den Regen fahren." Red Bull hat seinen langjährigen Mitarbeiter sofort freigestellt. Als Dank für sieben Jahre Zusammenarbeit,  neun Siege, 42 Podiumsplatzierungen, 13 Pole Positions, 19 schnellste Runden und 2.778 Führungskilometer. Webber dürfte schon morgen im Porsche testen.

Keine Party zum Abschied

Es war ein Abschied im Zwiespalt am Sonntagnachmittag in Sao Paulo. Zu Beginn der letzten Runde schickte Red Bull seinem scheidenden Piloten die Nachricht ins Cockpit: "Mark, du fängst gerade deine letzte Runde an. Geniesse sie." Webber geht im Frieden mit sich selbst, aber nicht mit allen anderen. "Wenn es mehr positive Dinge als negative gäbe, würde ich bleiben. Ich brauche jetzt einen Tapetenwechsel." Noch am Abend bestieg er eine Maschine in seine Wahlheimat England. Keine Party, kein Verharren in dem Moment, der Webber wie das Ende einer langen Reise vorkommen muss.
 
2002 ist er in Melbourne im Hinterbänkler-Team Minardi seinen ersten Grand Prix gefahren und wurde von seinen Landsleuten für die zwei WM-Punkte gefeiert wie ein Sieger. Den ersten echten Sieg holte Australiens bester Rennfahrer seit Alan Jones 2009 am Nürburgring. Weltmeister wurde er nie. 2010 hätte es fast geklappt. Webber verlor im Finale gegen Sebastian Vettel und Fernando Alonso. Drei Mal wurde er Dritter. Webber fing beim Finale in Brasilien Lewis Hamilton noch auf Rang drei ab. Deshalb gibt es für den Aussteiger noch ein Nachspiel bei der FIA-Preisverleihung am 6. Dezember in Paris.

Der Spaß der frühen Jahre ging verloren

Webber hat von der Formel 1 die Nase voll. Sie kommt ihm wie ein Gefängnis vor. "Ich bin an dem Punkt angelangt, an dem der Sport für mich nicht mehr das ist, was er einmal war. Der Spaß, den ich bei Jaguar und in der Anfangszeit bei Red Bull hatte, ist nicht mehr da." Früher, da hat er schon mal Dinge gesagt, die keiner hören wollte. Zum Beispiel, dass man in Bahrain nicht Rennen fahren sollte, wenn dort Menschenrechte verletzt werden. Man hat ihm nahegelegt, diplomatischer zu sein.
 
Auch wenn er das Gefühl hatte, dass sich bei Red Bull alle Räder für Vettel drehen, machte er den Mund auf. Als er 2010 in Silverstone mit einer alten Frontflügel-Spezifikation gewann, tat er bei der Zieldurchfahrt den berühmten Spruch: "Nicht schlecht für eine Nummer zwei." Webber macht auch keinen Hehl daraus, dass er Autorennen, bei denen der Reifenverschleiß das Tempo bestimmt nicht so sehr mochte. "Die schönsten Jahre waren die von 2004 bis 2008. Leider hatte ich da noch keinen Siegerwagen."

Entscheidung fiel bereits Weihnachten 2012

Mit Vettel verband ihn ein angespanntes Arbeitsverhältnis. Ausgangspunkt war eine Kollision beim GP Türkei 2010. Webber verweigerte in Folge seinem Teamkollegen jede Schützenhilfe zu seinen WM-Titeln. Umgekehrt hielt sich der Deutsche dieses Jahr nicht an eine Stallregie, die Webber als Sieger vorsah. Der Vorfall hat jedoch nichts mit seinem Rücktritt zu tun. "Mein Entschluss stand schon Weihnachten 2012 fest", verrät Webber. Er gab ihn aber erst ein halbes Jahr später in Silverstone bekannt.
 
Teamchef Christian Horner erfuhr erst eine Stunde davor davon. Eine kleine Retourkutsche für seine passive Rolle im Stallkrieg beim GP Malaysia. Webber hat sich aber nicht durch die Hintertür davongeschlichen. "Unser Boss Dietrich Mateschitz war immer eingeweiht." Webber bleibt ein Familienmitglied. Red Bull wird weiter auf seinem Helm und Fahreranzug stehen.

Die Zutaten zum Mehrfach-Weltmeister fehlten

Der 37-Jährige aus dem Bundesstaat New South Wales blickt ungetrübt auf seine Karriere zurück. "Mein Können hätte ausgereicht, ein Mal Weltmeister zu werden. Ich bin aber kein Mehrfach-Weltmeister. Vielleicht kann man mich am besten mit Gerhard Berger vergleichen. Dem ging es genauso."
 
Dem Mann, der für Minardi, Jaguar, Williams und Red Bull fuhr, fehlen die Zutaten, die einen kompletten Rennfahrer ausmachen. Schlechte Starts ziehen sich durch seine Karriere. Webber führt es auf die Pirelli-Reifen zurück. "Mit Bridgestone-Reifen bin ich besser gestartet. Wenn die Pirellis gebraucht sind, kann ich den Grip schlecht fühlen. Entweder gebe ich zu viel oder zu wenig Gas. Ein bisschen zu viel Schlupf, und schon werden die Reifen so heiß, dass die Haftung verloren geht. Da haben die Bridgestone-Reifen mehr verziehen."
 
Auch im Zweikampf hat der Australier Defizite. Was er gar nicht abstreitet: "Vielleicht hätte ich zwei Jahre früher nach Europa kommen und dort gegen starke Konkurrenz Kart fahren sollen. Da hätte ich gelernt, mich im Duell besser durchzusetzen." Manchmal aber streikten einfach nur die Nerven. 2010 flog er beim GP Korea auf regennasser Piste von der Strecke, weil er Vettel unbedingt folgen wollte. Sein Vorsprung in der WM hätte ihm erlaubt, gelassen hinter dem Teamkollegen zu bleiben. So wie das Rennen lief, wäre Webber ohne den Unfall Erster oder Zweiter geworden und hätte später den Titel gewonnen.

Technik bremste Webber

Webber brachte in diesem Jahr noch nicht einmal auf seinen Spezialstrecken Barcelona, Monte Carlo und Silverstone einen Fuß auf den Boden. Das hat auch technische Gründe. Der aktuelle RB9 ähnelt in seiner Charakteristik dem RB7 von 2011. Auch da fiel Webber gegen Vettel stark ab.
 
Das Auto ist wieder stärker angestellt als im Vorjahr. Das verlangt einen speziellen Fahrstil, weil man den Auspuffstrahl braucht, um den Diffusor zu versiegeln und Abtrieb zu produzieren. Webber hat da Mühe, Vettel nicht. Er kann seinen Fahrtstil darauf anpassen. Das Geheimnis liegt darin, wie er bremst, runterschaltet, Gas gibt, Kers einsetzt, welche Linie er in den Kurven wählt, damit der Motor so oft wie möglich am Gas hängt und Auspuffgase produziert, die Anpressdruck bringen. Webber gibt zu: "Die großen Champions zeichnet Flexibilität aus. Die hat mir wohl gefehlt. Meine große Zeit wären die Jahre 2004 bis 2008 gewesen, doch da hatte ich noch kein Siegerauto."
 
Vettel hat Webber schlussendlich den Zahn gezogen. Er hat keine Mühe, das zuzugeben: "Sebastian ist ein außergewöhnlicher Rennfahrer. Ich konnte ihn schlagen, wenn alles passte. Aber seine Konstanz konnte ich nicht aufbringen. Es ist Zeit für mich zu gehen. Ich kann es noch erhobenen Hauptes. Nur dabei sein und des Dabeisein willens ist nichts für mich.

In unserer Bildergalerie haben wir noch einmal die besten Fotos aus der Karriere von  Mark Webber gesammelt.

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